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<p class="bodytext">Hühneraugen sind lästig und schmerzhaft – aber zum Glück meistens harmlos. Deshalb kann man sie in der Regel gut selbst behandeln. Wirksame Methoden reichen von neuen (passenden) Schuhen bis zu speziellen Pflastern und Tinkturen aus der Apotheke. Und damit es nicht zu neuen Verhornungen kommt, lässt sich gegen Hühneraugen auch vorbeugen. </p><p class="bodytext"><strong>Wo kommt das Hühnerauge her? </strong></p><p class="bodytext">Ein Hühnerauge ist eine punktuelle, verstärkte Verhornung der Haut (Hyperkeratose). Sie bildet sich kreis- oder linsenförmig aus. In der Mitte befindet sich eine kleine, oft glasige Kuppe, der sogenannte Hornkegel. Sein Inneres kann weit in die Tiefe reichen. Die Haut um den Kegel herum ist gelblich-beige. Insgesamt sieht das Ganze ein bisschen so aus wie ein rundes Hühnerauge – deshalb der volkstümliche Name. Medizinisch heißt das Hühnerauge Clavus, in der Mehrzahl Clavi. </p><p class="bodytext">Hühneraugen entstehen durch dauerhaften oder immer wiederkehrenden Druck. Betroffen sind insbesondere solche Hautbereiche, die dicht über dem Knochen liegen – also Füße und Hände. Auf Druck und Reibung reagiert die Haut mit einer Verdickung. Das Wachstum der hornbildenden Zellen (Keratinozyten) in den unteren Schichten der Haut wird angeregt und es bilden sich immer mehr davon. </p><p class="bodytext">Normalerweise wandern diese Hautzellen von unten nach oben, verhornen immer mehr und werden dann an der Hautoberfläche abgeschilfert. Durch den Druck und die verstärkte Verhornung gelingt das den verhornten Hautzellen nicht mehr. Sie bilden im Inneren des Hühnerauges eine harte Hornmasse. Je länger dieser Zustand anhält, desto tiefer wächst der Hornkegel nach innen. Dort kann er auf Nervenenden treffen und starke Schmerzen auslösen. </p><p class="bodytext">Der schädliche Druck kann verschiedenen Ursachen haben. Neben Fußfehlstellungen zählt falsch sitzendes, drückendes Schuhwerk zu den Hauptauslösern von Hühneraugen. In diesen Fällen sind meist die Zehen betroffen. Dort sitzen sie gerne zwischen dem vierten und fünften Zeh oder an der Oberseite der zweiten Zehe. </p><p class="bodytext">Auch ein Hallux valgus (Ballenzeh) ändert die Druckverhältnisse und begünstigt an der betroffenen Großzehe die Bildung eines Hühnerauges. Beim Spreizfuß wiederum sind Ballen und Sohle besonders belastet, worauf die Haut ebenfalls mit Hyperkeratosen und Hühneraugen antwortet. Gleiches passiert, wenn durch Fußfehlstellungen Zehen aneinander oder gegen den Schuh drücken. Gefördert wird die Bildung von Hühneraugen zudem durch trockene Haut. </p><p class="bodytext">Manchmal entwickeln sich Hühneraugen sogar an den Händen. Auch dort ist dauerhafter Druck schuld, z.B. beim intensiven Hantieren mit Arbeits- oder Sportgeräten. Betroffen sind davon Tennisspieler*innen, Mechaniker*innen oder Musiker*innen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis</strong>: Menschen mit einer diabetischen Polyneuropathie oder einer anderen Nervenerkrankungen bemerken schädlichen Druck an den Füßen häufig nicht. Sie sind deshalb besonders gefährdet, Hühneraugen zu entwickeln. </p><p class="bodytext"><strong>Hühnerauge ist nicht gleich Hühnerauge </strong></p><p class="bodytext">Hühneraugen können in verschiedenen Formen auftreten. Manche sind hart, andere weich, in einige Hühneraugen wachsen mit der Zeit kleine Blutgefäße ein, andere werden von Nerven durchzogen. Expert*innen unterscheiden deshalb acht Typen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Der <strong>Clavus durus</strong> ist das bekannteste und klassische Hühnerauge. Er ist hart und befindet sich vor allem unter den Zehengrundgelenken, manchmal auch am Zehenrücken. Der Kegel reicht oft stark in die Tiefe, wodurch sich das Hühnerauge bei Druck von oben äußerst schmerzhaft bemerkbar machen kann. </li><li>Bei einem <strong>Clavus molle</strong> handelt es sich um ein weiches Hühnerauge. Es sitzt zwischen den Zehen und bleibt wegen dem dort feuchten Klima weich. </li><li>Ein <strong>Clavus vascularis </strong>ist hart und enthält kleinste Blutgefäße. Deshalb kann er leicht bluten. Diese Hühneraugen entstehen bei besonders starker Belastung der Haut. </li><li>Der <strong>Clavus neurovascularis </strong>ist nicht nur von Blutgefäßen, sondern auch von Nervenenden durchzogen. Diese Hühneraugen sitzen meist an den Zehenkuppen, bluten leicht und schmerzen oft besonders stark.</li><li>Der großflächige und harte <strong>Clavus neurofibrosus</strong> befindet sich an der Fußsohle. </li><li>Ein <strong>Clavus papillaris</strong> zeichnet sich durch einen weichen Kern aus. </li><li><strong>Clavi miliares</strong> kommen in großen Ansammlungen vor und schmerzen nicht. Bei ihnen handelt es sich um eine stoffwechselbedingte Fehlverhornung. </li><li>Der <strong>Clavus subungualis</strong> sitzt unterhalb der Nagelplatte. </li></ul></p><p class="bodytext">Nicht alle diese Hühneraugen darf man selbst behandeln. Möglich ist die Therapie in Eigenregie bei den häufigsten Formen, dem Clavus durus und dem Clavus molle. Hühneraugen, die bluten, in großen Ansammlungen vorkommen oder unter dem Nagel sitzen, schauen sich besser die Hausärzt*in oder Dermatolog*in an und entscheiden, wie man sie am besten angeht. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Hühneraugen und Warzen sehen auf den ersten Blick sehr ähnlich aus. Schaut man genauer hin, lassen sich Unterschiede erkennen: Bei Warzen fehlt der glasige Hornkern in der Mitte. Stattdessen findet sich unter einer oberflächlichen Verhornung warzenartiges Gewebe, das mit schwarzroten Pünktchen versetzt ist. </p><p class="bodytext"><strong>Weg mit Druck und Verhornung! </strong></p><p class="bodytext">Um Hühneraugen zum Verschwinden zu bringen, muss der betroffene Bereich als erstes entlastet werden. Sind drückende Schuhe der Auslöser, sollten sie nicht mehr getragen werden. Stattdessen wählt man ausreichend weite und gut passende Schuhe. Schuhe kaufen sollte man übrigens am besten abends: Denn nach einem ganzen Tag auf den Beinen sind Füße oft angeschwollen und deshalb etwas größer als morgens. </p><p class="bodytext">Bei Fehlstellungen kann die Orthopäd*in helfen. Sie begutachtet den Fuß und verordnet wenn nötig Einlagen. Damit lassen sich Fehlstellungen korrigieren, die zu dem Druck geführt haben. Manche Betroffenen profitieren auch von speziellen ringförmigen Polstern. Sie klebt man so auf die Haut, dass eventueller Druck davon ferngehalten wird. </p><p class="bodytext">Allein die Entfernung des Drucks kann Hühneraugen zur Rückbildung bewegen. Das dauert allerdings eine Weile und funktioniert auch nicht immer zuverlässig. Besser ist es, gleichzeitig die Verhornung zu beseitigen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.</p><p class="bodytext">Zunächst nimmt man ein lauwarmes Fußbad, das die Haut aufweicht. Ein Teil der obersten Hautschicht löst sich dann und kann vorsichtig mit Bimsstein oder einem trockenen Frottee-Handtuch abgetragen werden. Fußhobel oder andere Werkzeuge sollten wegen der Verletzungsgefahr nicht dafür benutzt werden. Danach behandelt man das Hühnerauge mit Keratolytika (hornhautauflösenden Substanzen) wie Salicylsäure oder Milchsäure. Diese Wirkstoffe lockern die oberste Hautschicht. Dadurch weicht der Clavus weiter auf, sodass er beim nächsten Fußbad leichter entfernt werden kann. Die Wirkstoffe gibt es als Tinkturen und als Pflaster. </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Tinkturen </strong>muss man mehrmals täglich auf das Hühnerauge auftragen. Die nicht verhornte Haut um den Clavus herum sollte vor dem Wirkstoff geschützt werden. Dafür cremt man sie vorsichtig mit Vaseline oder einer Fettsalbe ein. Die Salicyl- oder Milchsäure trocknet nach dem Auftragen und bildet einen Film auf dem Hühnerauge. Dieser Film muss vor dem nächsten Auftragen wieder entfernt werden. Wie häufig das Hühnerauge behandelt werden muss, richtet sich nach dem jeweiligen Produkt. Meist soll die Tinktur ein- bis zweimal täglich verwendet und nach drei bis vier Tagen die Hornhaut in einem Fußbad entfernt werden. Ganz wichtig: Nach dem Hantieren mit der Tinktur muss man sich die Hände waschen, damit die Säure nicht in die Augen oder auf andere empfindliche Hautstellen gerät. Die gesamte Prozedur ist recht aufwendig. Menschen, die nicht mehr gut sehen oder weniger beweglich sind, sollten sich dabei von Angehörigen helfen lassen oder eine Podolog*in aufsuchen. </li><li><strong>Pflaster </strong>mit Salicylsäure oder Milchsäure sind etwas leichter zu handhaben. Sie werden so auf den Clavus geklebt, dass der wirkstoffhaltige Anteil genau auf dem Hornkegel zu liegen kommt. Zu beachten ist dabei, dass die Haut sauber und trocken ist. Manche Produkte haben zusätzlich zu ihrem Wirkstoffkern ein Druckschutzpolster, um beim Gehen die Schmerzen zu mindern. Je nach Produkt bleibt das wirkstoffhaltige Pflaster ein bis drei Tage kleben. Oft verschwindet das Hühnerauge dann schon beim Entfernen des Pflasters. Bei manchen Präparaten wird empfohlen, die aufgeweichte Haut nach einem Fußbad abzutragen, andere Pflaster sollen mehrmals ausgetauscht werden. Weil die Handhabung je nach Produkt stark variiert, ist es wichtig, vor Anwendung die Gebrauchsanweisung genau zu lesen. </li></ul></p><p class="bodytext">Ob Tinkturen oder Pflaster: Die über die Haut aufgenommene Salicylsäure kann in das Blut gelangen und auch im Körper wirken. Deshalb sollten Tagesdosen von 2,0 g für Erwachsene und 0,2 g für Kinder nicht überschritten werden. Bei Kleinkindern und Schwangeren darf man zudem maximal eine Fläche von 5 cm2 behandeln. Wer unsicher ist, lässt sich dazu am besten in der Apotheke beraten. </p><p class="bodytext">Vorsicht geboten ist auch bei Patient*innen, die eine eingeschränkte Nierenfunktion haben. Bei ihnen können sich Wirkstoffe im Körper leicht anstauen. Sie sollten deshalb besser wirkstofffreie Hühneraugenpflaster verwenden. Diese bestehen aus einem Hydrokolloid und nehmen Flüssigkeit auf. Dadurch entsteht nicht nur ein schützendes Polster. Der Clavus wird aufgeweicht, sodass sich die verhornte Haut nach Abnahme des Pflasters meist gut abtragen lässt. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Diabetiker*innen haben eine besonders empfindliche Haut, und kleine Verletzungen heilen bei ihnen schlechter. Für sie ist es ratsam, Hühneraugen nicht in Eigenregie zu entfernen, sondern vor einer Behandlung immer ärztlichen Rat einzuholen. </p><p class="bodytext"><strong>So beugt man Hühneraugen vor </strong></p><p class="bodytext">Hühneraugen beugt man vor, indem man Druck vermeidet. Dazu dienen die gleichen Maßnahmen wie bei der Behandlung eines Clavus. Am wichtigsten ist es, gut passende, nicht zu enge Schuhe zu tragen. Mancmhal ist es allerdings nicht möglich, dauerhaft drückendes Schuhwerk zu vermeiden, etwa im Beruf. Dann sollte man die Schuhe in den Pausen ausziehen und auf dem Weg zur Arbeit bequeme Schuhe tragen. Von der Orthopäd*in verschriebene Einlagen oder spezielles Schuhwerk wirkt zudem nur vorbeugend, wenn es auch benutzt wird. </p><p class="bodytext">Hühneraugen an den Händen lässt sich mit speziell gepolsterten Handschuhen oder Schaumstoffgriffen entgegenwirken. Treten sie bei der Arbeit auf, kann man den Arbeitgeber auf Schutzmaßnahmen ansprechen. </p><p class="bodytext">Die zweite Säule zur Vermeidung von Hühneraugen ist eine gute Fußpflege: </p><p class="bodytext"><ul><li>Regelmäßige Fußbäder, um die Haut weich zu halten. </li><li>Raue und verdickte Stellen vorsichtig mit Bimsstein oder einem Frotteehandtuch abreiben. </li><li>Füße zweimal täglich mit einer speziellen Pflegecreme massieren, vor allem an den verdickten Bereichen. Günstig für trockene, verdickte und verhornte Hautbereiche sind Cremes mit Harnstoff sowie Frucht- und Glykolsäuren, angereichert mit pflegenden Panthenol oder Ölen. </li></ul></p><p class="bodytext">Manche Menschen sehen nicht gut oder haben Schwierigkeiten, ihre Füße zu erreichen. Dann ist für deren Pflege Hilfe nötig. Am besten ist es, dafür regelmäßig eine Fußpflege aufzusuchen. In manchen Fällen trägt die Gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Fußpflege. Dies ist z. B. bei krankhaften Veränderungen am Fuß der Fall, also bei einemr Diabetes oder eine Neuropathie.</p><p class="bodytext">Quelle: DAZ 2021, Nr. 20, S. 42 </p>

<p class="bodytext">Hühneraugen sind lästig und schmerzhaft – aber zum Glück meistens harmlos. Deshalb kann man sie in der Regel gut selbst behandeln. Wirksame Methoden reichen von neuen (passenden) Schuhen bis zu speziellen Pflastern und Tinkturen aus der Apotheke. Und damit es nicht zu neuen Verhornungen kommt, lässt sich gegen Hühneraugen auch vorbeugen. </p><p class="bodytext"><strong>Wo kommt das Hühnerauge her? </strong></p><p class="bodytext">Ein Hühnerauge ist eine punktuelle, verstärkte Verhornung der Haut (Hyperkeratose). Sie bildet sich kreis- oder linsenförmig aus. In der Mitte befindet sich eine kleine, oft glasige Kuppe, der sogenannte Hornkegel. Sein Inneres kann weit in die Tiefe reichen. Die Haut um den Kegel herum ist gelblich-beige. Insgesamt sieht das Ganze ein bisschen so aus wie ein rundes Hühnerauge – deshalb der volkstümliche Name. Medizinisch heißt das Hühnerauge Clavus, in der Mehrzahl Clavi. </p><p class="bodytext">Hühneraugen entstehen durch dauerhaften oder immer wiederkehrenden Druck. Betroffen sind insbesondere solche Hautbereiche, die dicht über dem Knochen liegen – also Füße und Hände. Auf Druck und Reibung reagiert die Haut mit einer Verdickung. Das Wachstum der hornbildenden Zellen (Keratinozyten) in den unteren Schichten der Haut wird angeregt und es bilden sich immer mehr davon. </p><p class="bodytext">Normalerweise wandern diese Hautzellen von unten nach oben, verhornen immer mehr und werden dann an der Hautoberfläche abgeschilfert. Durch den Druck und die verstärkte Verhornung gelingt das den verhornten Hautzellen nicht mehr. Sie bilden im Inneren des Hühnerauges eine harte Hornmasse. Je länger dieser Zustand anhält, desto tiefer wächst der Hornkegel nach innen. Dort kann er auf Nervenenden treffen und starke Schmerzen auslösen. </p><p class="bodytext">Der schädliche Druck kann verschiedenen Ursachen haben. Neben Fußfehlstellungen zählt falsch sitzendes, drückendes Schuhwerk zu den Hauptauslösern von Hühneraugen. In diesen Fällen sind meist die Zehen betroffen. Dort sitzen sie gerne zwischen dem vierten und fünften Zeh oder an der Oberseite der zweiten Zehe. </p><p class="bodytext">Auch ein Hallux valgus (Ballenzeh) ändert die Druckverhältnisse und begünstigt an der betroffenen Großzehe die Bildung eines Hühnerauges. Beim Spreizfuß wiederum sind Ballen und Sohle besonders belastet, worauf die Haut ebenfalls mit Hyperkeratosen und Hühneraugen antwortet. Gleiches passiert, wenn durch Fußfehlstellungen Zehen aneinander oder gegen den Schuh drücken. Gefördert wird die Bildung von Hühneraugen zudem durch trockene Haut. </p><p class="bodytext">Manchmal entwickeln sich Hühneraugen sogar an den Händen. Auch dort ist dauerhafter Druck schuld, z.B. beim intensiven Hantieren mit Arbeits- oder Sportgeräten. Betroffen sind davon Tennisspieler*innen, Mechaniker*innen oder Musiker*innen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis</strong>: Menschen mit einer diabetischen Polyneuropathie oder einer anderen Nervenerkrankungen bemerken schädlichen Druck an den Füßen häufig nicht. Sie sind deshalb besonders gefährdet, Hühneraugen zu entwickeln. </p><p class="bodytext"><strong>Hühnerauge ist nicht gleich Hühnerauge </strong></p><p class="bodytext">Hühneraugen können in verschiedenen Formen auftreten. Manche sind hart, andere weich, in einige Hühneraugen wachsen mit der Zeit kleine Blutgefäße ein, andere werden von Nerven durchzogen. Expert*innen unterscheiden deshalb acht Typen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Der <strong>Clavus durus</strong> ist das bekannteste und klassische Hühnerauge. Er ist hart und befindet sich vor allem unter den Zehengrundgelenken, manchmal auch am Zehenrücken. Der Kegel reicht oft stark in die Tiefe, wodurch sich das Hühnerauge bei Druck von oben äußerst schmerzhaft bemerkbar machen kann. </li><li>Bei einem <strong>Clavus molle</strong> handelt es sich um ein weiches Hühnerauge. Es sitzt zwischen den Zehen und bleibt wegen dem dort feuchten Klima weich. </li><li>Ein <strong>Clavus vascularis </strong>ist hart und enthält kleinste Blutgefäße. Deshalb kann er leicht bluten. Diese Hühneraugen entstehen bei besonders starker Belastung der Haut. </li><li>Der <strong>Clavus neurovascularis </strong>ist nicht nur von Blutgefäßen, sondern auch von Nervenenden durchzogen. Diese Hühneraugen sitzen meist an den Zehenkuppen, bluten leicht und schmerzen oft besonders stark.</li><li>Der großflächige und harte <strong>Clavus neurofibrosus</strong> befindet sich an der Fußsohle. </li><li>Ein <strong>Clavus papillaris</strong> zeichnet sich durch einen weichen Kern aus. </li><li><strong>Clavi miliares</strong> kommen in großen Ansammlungen vor und schmerzen nicht. Bei ihnen handelt es sich um eine stoffwechselbedingte Fehlverhornung. </li><li>Der <strong>Clavus subungualis</strong> sitzt unterhalb der Nagelplatte. </li></ul></p><p class="bodytext">Nicht alle diese Hühneraugen darf man selbst behandeln. Möglich ist die Therapie in Eigenregie bei den häufigsten Formen, dem Clavus durus und dem Clavus molle. Hühneraugen, die bluten, in großen Ansammlungen vorkommen oder unter dem Nagel sitzen, schauen sich besser die Hausärzt*in oder Dermatolog*in an und entscheiden, wie man sie am besten angeht. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Hühneraugen und Warzen sehen auf den ersten Blick sehr ähnlich aus. Schaut man genauer hin, lassen sich Unterschiede erkennen: Bei Warzen fehlt der glasige Hornkern in der Mitte. Stattdessen findet sich unter einer oberflächlichen Verhornung warzenartiges Gewebe, das mit schwarzroten Pünktchen versetzt ist. </p><p class="bodytext"><strong>Weg mit Druck und Verhornung! </strong></p><p class="bodytext">Um Hühneraugen zum Verschwinden zu bringen, muss der betroffene Bereich als erstes entlastet werden. Sind drückende Schuhe der Auslöser, sollten sie nicht mehr getragen werden. Stattdessen wählt man ausreichend weite und gut passende Schuhe. Schuhe kaufen sollte man übrigens am besten abends: Denn nach einem ganzen Tag auf den Beinen sind Füße oft angeschwollen und deshalb etwas größer als morgens. </p><p class="bodytext">Bei Fehlstellungen kann die Orthopäd*in helfen. Sie begutachtet den Fuß und verordnet wenn nötig Einlagen. Damit lassen sich Fehlstellungen korrigieren, die zu dem Druck geführt haben. Manche Betroffenen profitieren auch von speziellen ringförmigen Polstern. Sie klebt man so auf die Haut, dass eventueller Druck davon ferngehalten wird. </p><p class="bodytext">Allein die Entfernung des Drucks kann Hühneraugen zur Rückbildung bewegen. Das dauert allerdings eine Weile und funktioniert auch nicht immer zuverlässig. Besser ist es, gleichzeitig die Verhornung zu beseitigen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.</p><p class="bodytext">Zunächst nimmt man ein lauwarmes Fußbad, das die Haut aufweicht. Ein Teil der obersten Hautschicht löst sich dann und kann vorsichtig mit Bimsstein oder einem trockenen Frottee-Handtuch abgetragen werden. Fußhobel oder andere Werkzeuge sollten wegen der Verletzungsgefahr nicht dafür benutzt werden. Danach behandelt man das Hühnerauge mit Keratolytika (hornhautauflösenden Substanzen) wie Salicylsäure oder Milchsäure. Diese Wirkstoffe lockern die oberste Hautschicht. Dadurch weicht der Clavus weiter auf, sodass er beim nächsten Fußbad leichter entfernt werden kann. Die Wirkstoffe gibt es als Tinkturen und als Pflaster. </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Tinkturen </strong>muss man mehrmals täglich auf das Hühnerauge auftragen. Die nicht verhornte Haut um den Clavus herum sollte vor dem Wirkstoff geschützt werden. Dafür cremt man sie vorsichtig mit Vaseline oder einer Fettsalbe ein. Die Salicyl- oder Milchsäure trocknet nach dem Auftragen und bildet einen Film auf dem Hühnerauge. Dieser Film muss vor dem nächsten Auftragen wieder entfernt werden. Wie häufig das Hühnerauge behandelt werden muss, richtet sich nach dem jeweiligen Produkt. Meist soll die Tinktur ein- bis zweimal täglich verwendet und nach drei bis vier Tagen die Hornhaut in einem Fußbad entfernt werden. Ganz wichtig: Nach dem Hantieren mit der Tinktur muss man sich die Hände waschen, damit die Säure nicht in die Augen oder auf andere empfindliche Hautstellen gerät. Die gesamte Prozedur ist recht aufwendig. Menschen, die nicht mehr gut sehen oder weniger beweglich sind, sollten sich dabei von Angehörigen helfen lassen oder eine Podolog*in aufsuchen. </li><li><strong>Pflaster </strong>mit Salicylsäure oder Milchsäure sind etwas leichter zu handhaben. Sie werden so auf den Clavus geklebt, dass der wirkstoffhaltige Anteil genau auf dem Hornkegel zu liegen kommt. Zu beachten ist dabei, dass die Haut sauber und trocken ist. Manche Produkte haben zusätzlich zu ihrem Wirkstoffkern ein Druckschutzpolster, um beim Gehen die Schmerzen zu mindern. Je nach Produkt bleibt das wirkstoffhaltige Pflaster ein bis drei Tage kleben. Oft verschwindet das Hühnerauge dann schon beim Entfernen des Pflasters. Bei manchen Präparaten wird empfohlen, die aufgeweichte Haut nach einem Fußbad abzutragen, andere Pflaster sollen mehrmals ausgetauscht werden. Weil die Handhabung je nach Produkt stark variiert, ist es wichtig, vor Anwendung die Gebrauchsanweisung genau zu lesen. </li></ul></p><p class="bodytext">Ob Tinkturen oder Pflaster: Die über die Haut aufgenommene Salicylsäure kann in das Blut gelangen und auch im Körper wirken. Deshalb sollten Tagesdosen von 2,0 g für Erwachsene und 0,2 g für Kinder nicht überschritten werden. Bei Kleinkindern und Schwangeren darf man zudem maximal eine Fläche von 5 cm2 behandeln. Wer unsicher ist, lässt sich dazu am besten in der Apotheke beraten. </p><p class="bodytext">Vorsicht geboten ist auch bei Patient*innen, die eine eingeschränkte Nierenfunktion haben. Bei ihnen können sich Wirkstoffe im Körper leicht anstauen. Sie sollten deshalb besser wirkstofffreie Hühneraugenpflaster verwenden. Diese bestehen aus einem Hydrokolloid und nehmen Flüssigkeit auf. Dadurch entsteht nicht nur ein schützendes Polster. Der Clavus wird aufgeweicht, sodass sich die verhornte Haut nach Abnahme des Pflasters meist gut abtragen lässt. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Diabetiker*innen haben eine besonders empfindliche Haut, und kleine Verletzungen heilen bei ihnen schlechter. Für sie ist es ratsam, Hühneraugen nicht in Eigenregie zu entfernen, sondern vor einer Behandlung immer ärztlichen Rat einzuholen. </p><p class="bodytext"><strong>So beugt man Hühneraugen vor </strong></p><p class="bodytext">Hühneraugen beugt man vor, indem man Druck vermeidet. Dazu dienen die gleichen Maßnahmen wie bei der Behandlung eines Clavus. Am wichtigsten ist es, gut passende, nicht zu enge Schuhe zu tragen. Mancmhal ist es allerdings nicht möglich, dauerhaft drückendes Schuhwerk zu vermeiden, etwa im Beruf. Dann sollte man die Schuhe in den Pausen ausziehen und auf dem Weg zur Arbeit bequeme Schuhe tragen. Von der Orthopäd*in verschriebene Einlagen oder spezielles Schuhwerk wirkt zudem nur vorbeugend, wenn es auch benutzt wird. </p><p class="bodytext">Hühneraugen an den Händen lässt sich mit speziell gepolsterten Handschuhen oder Schaumstoffgriffen entgegenwirken. Treten sie bei der Arbeit auf, kann man den Arbeitgeber auf Schutzmaßnahmen ansprechen. </p><p class="bodytext">Die zweite Säule zur Vermeidung von Hühneraugen ist eine gute Fußpflege: </p><p class="bodytext"><ul><li>Regelmäßige Fußbäder, um die Haut weich zu halten. </li><li>Raue und verdickte Stellen vorsichtig mit Bimsstein oder einem Frotteehandtuch abreiben. </li><li>Füße zweimal täglich mit einer speziellen Pflegecreme massieren, vor allem an den verdickten Bereichen. Günstig für trockene, verdickte und verhornte Hautbereiche sind Cremes mit Harnstoff sowie Frucht- und Glykolsäuren, angereichert mit pflegenden Panthenol oder Ölen. </li></ul></p><p class="bodytext">Manche Menschen sehen nicht gut oder haben Schwierigkeiten, ihre Füße zu erreichen. Dann ist für deren Pflege Hilfe nötig. Am besten ist es, dafür regelmäßig eine Fußpflege aufzusuchen. In manchen Fällen trägt die Gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Fußpflege. Dies ist z. B. bei krankhaften Veränderungen am Fuß der Fall, also bei einemr Diabetes oder eine Neuropathie.</p><p class="bodytext">Quelle: DAZ 2021, Nr. 20, S. 42 </p>

<p class="bodytext">Rötungen, Schuppen, Hautrisseund Juckreiz: Ein chronisches Handekzem kann so ausgeprägt sein, dass Betroffenen ihre Arbeit aufgeben müssen. Konsequente Pflege und Hautschutzmaßnahmen lindern die Beschwerden. Reicht dies nicht aus, kommen Bestrahlungen, Kortison und Immuntherapien zum Einsatz. </p><p class="bodytext"><strong>Besonders reizende Berufe </strong></p><p class="bodytext">Etwa 10% der Erwachsenen in Deutschland leiden an einem chronischem Handekzem. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die meist durch hautreizende Stoffe im Berufsleben ausgelöst wird. Im Friseurhandwerk sind dies z.B. Fixiermittel, in Gesundheits- und Pflegeberufen Latex und Desinfektionsmittel und im Baugewerbe Zement und Frischbeton. </p><p class="bodytext">Die lästige Hauterkrankung zeigt sich in unterschiedlichen Formen. Fast alle Betroffenen haben mit schuppigen Hautveränderungen, Hautrissen, einer vermehrte Verhornung und Juckreiz zu kämpfen. Manchmal bilden sich zudem stark juckenden Bläschen an der Handinnenfläche. Oft schmerzen die erkrankten Bereiche beim Greifen. Auf diese Weise schränkt ein chronisches Handekzem nicht nur berufliche Tätigkeiten, sondern auch die Lebensqualität erheblich ein. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Jede dritte Patient*in mit einem chronischem Handekzem benötigt eine Krankschreibung, 12% von ihnen sogar über mehr als drei Monate. </p><p class="bodytext"><strong>Wie kommt es zum Ekzem? </strong></p><p class="bodytext">Die gesunde Haut hat eine Schutzschicht aus Hornzellen und Fettsäuren, die eine Barriere gegen eindringende Fremdstoffe bilden. Außerdem sorgt die Barriere dafür, dass die Haut keine Feuchtigkeit verliert. Eine Störung wirkt sich deshalb auf zweierlei Arten aus: Die Haut wird trocken und außerdem durchlässig für Schadstoffe. </p><p class="bodytext">Viele Faktoren greifen die Hautbarriere an den Händen an. Einige Faktoren zerstören die Fettsäuren, dazu gehören vor allem</p><p class="bodytext"><ul><li>zu häufiges und falsches Händewaschen und</li><li>direkter Kontakt mit reizenden Stoffen wie Reinigungs- und Lösungsmitteln, Säuren oder Laugen. </li></ul></p><p class="bodytext">Andere Faktoren schädigen die Hornzellen, etwa </p><p class="bodytext"><ul><li>zu langes Tragen von Schutzhandschuhen, in denen sich ein feuchtes Milieu entwickelt, das die Hornzellen aufweicht, oder</li><li>starke mechanische Belastung der Hände durch handwerkliches Arbeiten und Abrieb der Hornzellen. </li></ul></p><p class="bodytext">Gesunde Haut ist sehr belastbar und erholt sich meist schnell. Anders sieht es aus, wenn die Hautbarriere wiederholt geschädigt wird, ohne dass genug Regenerationszeit zwischen den Reizen bleibt. Dann wird die Haut immer trockener und rissiger und damit angreifbar. Es droht ein chronisches Handekzem mit spür- und sichtbaren Beschwerden. </p><p class="bodytext">Je nach Auslöser lassen sich Handekzeme in drei Typen einteilen (wobei es häufig auch Mischformen gibt): </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Toxische Kontaktekzeme</strong> entstehen durch das Eindringen giftiger oder stark reizender Stoffe in die Haut. An den direkten Kontaktstellen (Hand- und Fingerrücken, Unterarme) ist die Haut meist sehr trocken, geschuppt und gerötet, oft kommt es zu feinen Rissen. </li><li>Beim <strong>allergischen Kontaktekzem</strong> dominieren Rötungen, Bläschen und starker Juckreiz, langfristig wird die Haut rissig und verhornt übermäßig. Die allergiebedingten Beschwerden können auch in Bereichen auftreten, die mit dem Allergen nicht direkt in Berührung gekommen sind. </li><li>Patient*innen mit Neurodermitis sind besonders gefährdet, ein Handekzem zu entwickeln. Sie haben von der Veranlagung her eine trockene, empfindliche Haut sowie ein überempfindliches Immunsystem. Beides zusammen begünstigt die Entwicklung eines <strong>atopischen Handekzems</strong>. Vor allem an Handgelenksbeugen, Handrücken und Fingerkuppen kommt es zu stark juckenden Schuppen, Bläschen, Hautrissen und einem vergröberten Hautbild (sog. Lichenifikation). </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Junge Menschen mit Neurodermitis sollten keinen Beruf wählen, bei dem die Hände besonders stark reizenden Stoffen ausgesetzt sind (Friseur*innen, Bäcker*innen, Pflegeberufe). </p><p class="bodytext"><strong>Schutzmaßnahmen sind unabdingbar </strong></p><p class="bodytext">Zur Vorbeugung des chronischen Handekzems sind Schutzmaßnahmen unverzichtbar. Ob zuhause beim Putzen und Handwerkern oder im Beruf: Wer über längere Zeit mit Wasser oder mit reizenden Stoffen hantiert, sollte dabei immer Schutzhandschuhe tragen. Folgendes gibt es dabei zu beachten: </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Handschuhe mit Baumwollfutter wählen.</strong> Baumwolle ist luftdurchlässig. So schwitzt die Haut weniger und der Schweiß wird auch schneller abstransportiert. Die Haut im Handschuh bleibt trocken und droht nicht durch ein feuchtes Milieu aufzuquellen. </li><li><strong>Pausen einlegen. </strong>Haut braucht Luft: Vor allem feuchtigkeits- und wasserabweisende Handschuhe sollten deshalb nicht länger als zwei Stunden am Stück getragen werden. </li><li><strong>Passendes Material wählen.</strong> Die erforderliche Schutzfunktion richtet sich nach dem Arbeitsbereich. Zu wählen ist z. B. zwischen wasserabweisenden, gepolsterten oder säurefesten Materialien. </li><li><strong>Handschutzcremes statt Handschuh.</strong> Dort, wo Handschuhe aus Sicherheitsgründen verboten sind, schützen spezielle Cremes vor Wasser oder hautreizenden Stoffen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Damit sich die Haut in den Pausen ohne Handschuh besser regenerieren kann, sollten die Hände mit einer reparierenden, luftdurchlässigen Hautcreme gepflegt werden.</p><p class="bodytext"> <strong>Hautpflege schützt vor Trockenheit </strong></p><p class="bodytext">Der zweite, ebenso entscheidende Baustein zur Vorbeugung von Handekzemen ist die Hautpflege. Sie besteht aus einer angepassten Hautreinigung und aus der pflegenden Basistherapie. <strong>Reinigen. </strong>Beim Händewaschen sind Seifen verboten, weil sie die schützenden Fettsäuren der Hautbarriere angreifen. Stattdessen empfehlen sich seifenfreie, pH-neutrale und rückfettende Syndets ohne reizende Duftstoffe. Ebenfalls zu vermeiden sind Produkte mit Parabenen, Konservierungs- und Farbstoffen. Und auch wenn sie Schmutz schnell entfernen - Waschsubstanzen mit Löse- oder Reibemitteln sind tabu. Ganz wichtig nach dem Waschen: Die Hände sanft, aber gründlich trocknen. </p><p class="bodytext">Bei manchen Tätigkeiten kommt es darauf an, die Übertragung von Keimen zu verhindern. In diesen Fällen ist statt häufigem Händewaschen das Desinfizieren hautschonender, denn dabei verbleiben die körpereigenen Fette auf der Haut. </p><p class="bodytext"><strong>Pflegen. </strong>Neben der sanften Reinigung ist das Eincremen der Hände wichtig. Cremen sollte man mehrmals täglich und immer wieder in den Arbeitspausen. Cremt man die Hände zusätzlich vor dem Schlafengehen gründlich ein, unterstützt man die Regeneration der Haut in der Nacht. </p><p class="bodytext">Geeignet für die Pflege sind Produkte mit ausreichenden Fettstoffen, Feuchthaltefaktoren und evtl. natürlichen entzündungshemmenden Zusätzen (wie z.B. Ringelblume). Wie bei den Syndets sollte auf Parabene, Farb- und Duftstoffe verzichtet werden. Ein reichhaltiges Angebot und die individuelle Beratung dazu gibt es in der Apotheke.</p><p class="bodytext"> <strong>Tipp: </strong>Wer zu Handekzemen neigt, sollte bei der Arbeit und beim Händewaschen und-pflegen keine Ringe tragen. Denn darunter bilden sich leicht feuchte Kammern, die das Eindringen von Schadstoffen begünstigen. </p><p class="bodytext"><strong>Linderung in Stufen </strong></p><p class="bodytext">Kommt es trotz Schutzmaßnahmen und Basispflege zu Beschwerden wie Schuppen, Rötung oder Juckreiz an den Händen, sollte man so bald wie möglich die Hautärzt*in aufsuchen. Je früher ein Handekzem diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Therapie erfolgt zusätzlich zur Basispflege und den Hautschutzmaßnahmen in Stufen: </p><p class="bodytext"><strong>Stufe 1:</strong> Bei einem leichten Handekzem verordnet die Ärzt*in juckreizhemmende Salben sowie antientzündliche oder antibakterielle Wirkstoffe. Nässende Ekzeme und Bläschen werden durch fettfeuchte Umschläge und Handbäder in Gerbstoffen gelindert. Trockene, rissige und schuppige Hautstellen profitieren von Salben mit Salicylsäure oder Harnstoff. Ist das Ekzem infiziert, kommen antiseptische Salben oder Lösungen zum Einsatz. </p><p class="bodytext"><strong>Stufe 2: </strong>Salben oder Cremes mit Kortison sind die Wahl bei mittelschweren bis schweren Handekzemen. Werden gleichzeitig reparierende Cremes verwendet, sind die Heilungschancen besser. Vor allem bei atopischen Handekzemen helfen auch Cremes mit Calcineurininhibitoren. Ebenfalls erfolgreich ist die UV- Therapie. Nach Vorbehandlung der Hände mit einer speziellen Creme werden diese mit UVA-Licht bestrahlt. Meist sind zum Abheilen mehrere Sitzungen nötig.</p><p class="bodytext"> <strong>Stufe 3:</strong> Bessert sich das Handekzem durch die genannten Maßnahmen nicht, muss mit Tabletten von innen therapiert werden. Bei dieser systemischen Therapie verordnet die Ärzt*in hoch wirksame, immunmodulierende Arzneimittel. Dazu gehören z. B. Kortison, Ciclosporin und Alitretinoin. </p><p class="bodytext">In der Forschung werden aktuell weitere Wirkstoffe zur Behandlung des schweren chronischen Handekzems untersucht. Besonders vielversprechend ist eine Creme, die den Januskinasehemmstoff Delgocitinib beinhaltet.</p><p class="bodytext"> <strong>Hinweis: </strong>Alitretinoin ist ein Vitamin-A-Abkömmling, der Embryonen schwer schädigen kann. Deshalb müssen Frauen während der Einnahme von Alitretinoin sicher eine Schwangerschaft verhüten. </p><p class="bodytext"><strong>Was tun, wenn der Beruf dran schuld ist? </strong></p><p class="bodytext">Nicht nur für Diagnose und Behandlung eines Handekzems ist der Gang in die Hautarztpraxis wichtig. Besteht die Möglichkeit, dass das Handekzem durch eine berufliche Tätigkeit hervorgerufen oder verschlimmert wird, kann die Hautärzt*in das sogenannte Hautarztverfahren einleiten. Dafür erstellt die Hautärzt*in einen detaillierten Bericht, in dem die krankhaften Befunde, die erforderliche Therapie und Präventionsmaßnahmen sowie der genaue Beruf der Patient*in beschrieben werden. Dieser Bericht wird an den Unfallversicherungsträger (das sind die gewerblichen oder landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften oder die Unfallkassen der öffentlichen Hand) geschickt und dort geprüft. Ist eine berufsbedingte Hauterkrankung wahrscheinlich, entscheidet der Unfallversicherungsträger über das Heilverfahren und erteilt der Hautärzt*in einen Behandlungsauftrag. </p><p class="bodytext">Außerdem veranlasst er individuelle und arbeitsplatzbezogene Präventionsmaßnahmen. Dazu gehören z. B. Hautschutzseminare und der individueller Hautschutz im Betrieb. Der Arbeitgeber muss hautschonende Reinigungs- und Desinfektionsmittel kostenlos zur Verfügung stellen, ebenso die erforderlichen Handschuhe, Hautschutzcremes und Hautpflegemittel. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Manchmal reichen die genannten Maßnahmen nicht aus, um das Handekzem zu heilen und die Arbeitskraft wiederherzustellen. In diesen Fällen ist eine Umschulung angezeigt. Die Kosten dafür trägt die Berufsgenossenschaft. </p><p class="bodytext">Quelle: Deutsche Haut- und Allergiehilfe, Empfehlung Hautarztverfahren der AWMF </p>

<p class="bodytext">Rötungen, Schuppen, Hautrisseund Juckreiz: Ein chronisches Handekzem kann so ausgeprägt sein, dass Betroffenen ihre Arbeit aufgeben müssen. Konsequente Pflege und Hautschutzmaßnahmen lindern die Beschwerden. Reicht dies nicht aus, kommen Bestrahlungen, Kortison und Immuntherapien zum Einsatz. </p><p class="bodytext"><strong>Besonders reizende Berufe </strong></p><p class="bodytext">Etwa 10% der Erwachsenen in Deutschland leiden an einem chronischem Handekzem. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die meist durch hautreizende Stoffe im Berufsleben ausgelöst wird. Im Friseurhandwerk sind dies z.B. Fixiermittel, in Gesundheits- und Pflegeberufen Latex und Desinfektionsmittel und im Baugewerbe Zement und Frischbeton. </p><p class="bodytext">Die lästige Hauterkrankung zeigt sich in unterschiedlichen Formen. Fast alle Betroffenen haben mit schuppigen Hautveränderungen, Hautrissen, einer vermehrte Verhornung und Juckreiz zu kämpfen. Manchmal bilden sich zudem stark juckenden Bläschen an der Handinnenfläche. Oft schmerzen die erkrankten Bereiche beim Greifen. Auf diese Weise schränkt ein chronisches Handekzem nicht nur berufliche Tätigkeiten, sondern auch die Lebensqualität erheblich ein. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Jede dritte Patient*in mit einem chronischem Handekzem benötigt eine Krankschreibung, 12% von ihnen sogar über mehr als drei Monate. </p><p class="bodytext"><strong>Wie kommt es zum Ekzem? </strong></p><p class="bodytext">Die gesunde Haut hat eine Schutzschicht aus Hornzellen und Fettsäuren, die eine Barriere gegen eindringende Fremdstoffe bilden. Außerdem sorgt die Barriere dafür, dass die Haut keine Feuchtigkeit verliert. Eine Störung wirkt sich deshalb auf zweierlei Arten aus: Die Haut wird trocken und außerdem durchlässig für Schadstoffe. </p><p class="bodytext">Viele Faktoren greifen die Hautbarriere an den Händen an. Einige Faktoren zerstören die Fettsäuren, dazu gehören vor allem</p><p class="bodytext"><ul><li>zu häufiges und falsches Händewaschen und</li><li>direkter Kontakt mit reizenden Stoffen wie Reinigungs- und Lösungsmitteln, Säuren oder Laugen. </li></ul></p><p class="bodytext">Andere Faktoren schädigen die Hornzellen, etwa </p><p class="bodytext"><ul><li>zu langes Tragen von Schutzhandschuhen, in denen sich ein feuchtes Milieu entwickelt, das die Hornzellen aufweicht, oder</li><li>starke mechanische Belastung der Hände durch handwerkliches Arbeiten und Abrieb der Hornzellen. </li></ul></p><p class="bodytext">Gesunde Haut ist sehr belastbar und erholt sich meist schnell. Anders sieht es aus, wenn die Hautbarriere wiederholt geschädigt wird, ohne dass genug Regenerationszeit zwischen den Reizen bleibt. Dann wird die Haut immer trockener und rissiger und damit angreifbar. Es droht ein chronisches Handekzem mit spür- und sichtbaren Beschwerden. </p><p class="bodytext">Je nach Auslöser lassen sich Handekzeme in drei Typen einteilen (wobei es häufig auch Mischformen gibt): </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Toxische Kontaktekzeme</strong> entstehen durch das Eindringen giftiger oder stark reizender Stoffe in die Haut. An den direkten Kontaktstellen (Hand- und Fingerrücken, Unterarme) ist die Haut meist sehr trocken, geschuppt und gerötet, oft kommt es zu feinen Rissen. </li><li>Beim <strong>allergischen Kontaktekzem</strong> dominieren Rötungen, Bläschen und starker Juckreiz, langfristig wird die Haut rissig und verhornt übermäßig. Die allergiebedingten Beschwerden können auch in Bereichen auftreten, die mit dem Allergen nicht direkt in Berührung gekommen sind. </li><li>Patient*innen mit Neurodermitis sind besonders gefährdet, ein Handekzem zu entwickeln. Sie haben von der Veranlagung her eine trockene, empfindliche Haut sowie ein überempfindliches Immunsystem. Beides zusammen begünstigt die Entwicklung eines <strong>atopischen Handekzems</strong>. Vor allem an Handgelenksbeugen, Handrücken und Fingerkuppen kommt es zu stark juckenden Schuppen, Bläschen, Hautrissen und einem vergröberten Hautbild (sog. Lichenifikation). </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Junge Menschen mit Neurodermitis sollten keinen Beruf wählen, bei dem die Hände besonders stark reizenden Stoffen ausgesetzt sind (Friseur*innen, Bäcker*innen, Pflegeberufe). </p><p class="bodytext"><strong>Schutzmaßnahmen sind unabdingbar </strong></p><p class="bodytext">Zur Vorbeugung des chronischen Handekzems sind Schutzmaßnahmen unverzichtbar. Ob zuhause beim Putzen und Handwerkern oder im Beruf: Wer über längere Zeit mit Wasser oder mit reizenden Stoffen hantiert, sollte dabei immer Schutzhandschuhe tragen. Folgendes gibt es dabei zu beachten: </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Handschuhe mit Baumwollfutter wählen.</strong> Baumwolle ist luftdurchlässig. So schwitzt die Haut weniger und der Schweiß wird auch schneller abstransportiert. Die Haut im Handschuh bleibt trocken und droht nicht durch ein feuchtes Milieu aufzuquellen. </li><li><strong>Pausen einlegen. </strong>Haut braucht Luft: Vor allem feuchtigkeits- und wasserabweisende Handschuhe sollten deshalb nicht länger als zwei Stunden am Stück getragen werden. </li><li><strong>Passendes Material wählen.</strong> Die erforderliche Schutzfunktion richtet sich nach dem Arbeitsbereich. Zu wählen ist z. B. zwischen wasserabweisenden, gepolsterten oder säurefesten Materialien. </li><li><strong>Handschutzcremes statt Handschuh.</strong> Dort, wo Handschuhe aus Sicherheitsgründen verboten sind, schützen spezielle Cremes vor Wasser oder hautreizenden Stoffen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Damit sich die Haut in den Pausen ohne Handschuh besser regenerieren kann, sollten die Hände mit einer reparierenden, luftdurchlässigen Hautcreme gepflegt werden.</p><p class="bodytext"> <strong>Hautpflege schützt vor Trockenheit </strong></p><p class="bodytext">Der zweite, ebenso entscheidende Baustein zur Vorbeugung von Handekzemen ist die Hautpflege. Sie besteht aus einer angepassten Hautreinigung und aus der pflegenden Basistherapie. <strong>Reinigen. </strong>Beim Händewaschen sind Seifen verboten, weil sie die schützenden Fettsäuren der Hautbarriere angreifen. Stattdessen empfehlen sich seifenfreie, pH-neutrale und rückfettende Syndets ohne reizende Duftstoffe. Ebenfalls zu vermeiden sind Produkte mit Parabenen, Konservierungs- und Farbstoffen. Und auch wenn sie Schmutz schnell entfernen - Waschsubstanzen mit Löse- oder Reibemitteln sind tabu. Ganz wichtig nach dem Waschen: Die Hände sanft, aber gründlich trocknen. </p><p class="bodytext">Bei manchen Tätigkeiten kommt es darauf an, die Übertragung von Keimen zu verhindern. In diesen Fällen ist statt häufigem Händewaschen das Desinfizieren hautschonender, denn dabei verbleiben die körpereigenen Fette auf der Haut. </p><p class="bodytext"><strong>Pflegen. </strong>Neben der sanften Reinigung ist das Eincremen der Hände wichtig. Cremen sollte man mehrmals täglich und immer wieder in den Arbeitspausen. Cremt man die Hände zusätzlich vor dem Schlafengehen gründlich ein, unterstützt man die Regeneration der Haut in der Nacht. </p><p class="bodytext">Geeignet für die Pflege sind Produkte mit ausreichenden Fettstoffen, Feuchthaltefaktoren und evtl. natürlichen entzündungshemmenden Zusätzen (wie z.B. Ringelblume). Wie bei den Syndets sollte auf Parabene, Farb- und Duftstoffe verzichtet werden. Ein reichhaltiges Angebot und die individuelle Beratung dazu gibt es in der Apotheke.</p><p class="bodytext"> <strong>Tipp: </strong>Wer zu Handekzemen neigt, sollte bei der Arbeit und beim Händewaschen und-pflegen keine Ringe tragen. Denn darunter bilden sich leicht feuchte Kammern, die das Eindringen von Schadstoffen begünstigen. </p><p class="bodytext"><strong>Linderung in Stufen </strong></p><p class="bodytext">Kommt es trotz Schutzmaßnahmen und Basispflege zu Beschwerden wie Schuppen, Rötung oder Juckreiz an den Händen, sollte man so bald wie möglich die Hautärzt*in aufsuchen. Je früher ein Handekzem diagnostiziert und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die Therapie erfolgt zusätzlich zur Basispflege und den Hautschutzmaßnahmen in Stufen: </p><p class="bodytext"><strong>Stufe 1:</strong> Bei einem leichten Handekzem verordnet die Ärzt*in juckreizhemmende Salben sowie antientzündliche oder antibakterielle Wirkstoffe. Nässende Ekzeme und Bläschen werden durch fettfeuchte Umschläge und Handbäder in Gerbstoffen gelindert. Trockene, rissige und schuppige Hautstellen profitieren von Salben mit Salicylsäure oder Harnstoff. Ist das Ekzem infiziert, kommen antiseptische Salben oder Lösungen zum Einsatz. </p><p class="bodytext"><strong>Stufe 2: </strong>Salben oder Cremes mit Kortison sind die Wahl bei mittelschweren bis schweren Handekzemen. Werden gleichzeitig reparierende Cremes verwendet, sind die Heilungschancen besser. Vor allem bei atopischen Handekzemen helfen auch Cremes mit Calcineurininhibitoren. Ebenfalls erfolgreich ist die UV- Therapie. Nach Vorbehandlung der Hände mit einer speziellen Creme werden diese mit UVA-Licht bestrahlt. Meist sind zum Abheilen mehrere Sitzungen nötig.</p><p class="bodytext"> <strong>Stufe 3:</strong> Bessert sich das Handekzem durch die genannten Maßnahmen nicht, muss mit Tabletten von innen therapiert werden. Bei dieser systemischen Therapie verordnet die Ärzt*in hoch wirksame, immunmodulierende Arzneimittel. Dazu gehören z. B. Kortison, Ciclosporin und Alitretinoin. </p><p class="bodytext">In der Forschung werden aktuell weitere Wirkstoffe zur Behandlung des schweren chronischen Handekzems untersucht. Besonders vielversprechend ist eine Creme, die den Januskinasehemmstoff Delgocitinib beinhaltet.</p><p class="bodytext"> <strong>Hinweis: </strong>Alitretinoin ist ein Vitamin-A-Abkömmling, der Embryonen schwer schädigen kann. Deshalb müssen Frauen während der Einnahme von Alitretinoin sicher eine Schwangerschaft verhüten. </p><p class="bodytext"><strong>Was tun, wenn der Beruf dran schuld ist? </strong></p><p class="bodytext">Nicht nur für Diagnose und Behandlung eines Handekzems ist der Gang in die Hautarztpraxis wichtig. Besteht die Möglichkeit, dass das Handekzem durch eine berufliche Tätigkeit hervorgerufen oder verschlimmert wird, kann die Hautärzt*in das sogenannte Hautarztverfahren einleiten. Dafür erstellt die Hautärzt*in einen detaillierten Bericht, in dem die krankhaften Befunde, die erforderliche Therapie und Präventionsmaßnahmen sowie der genaue Beruf der Patient*in beschrieben werden. Dieser Bericht wird an den Unfallversicherungsträger (das sind die gewerblichen oder landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften oder die Unfallkassen der öffentlichen Hand) geschickt und dort geprüft. Ist eine berufsbedingte Hauterkrankung wahrscheinlich, entscheidet der Unfallversicherungsträger über das Heilverfahren und erteilt der Hautärzt*in einen Behandlungsauftrag. </p><p class="bodytext">Außerdem veranlasst er individuelle und arbeitsplatzbezogene Präventionsmaßnahmen. Dazu gehören z. B. Hautschutzseminare und der individueller Hautschutz im Betrieb. Der Arbeitgeber muss hautschonende Reinigungs- und Desinfektionsmittel kostenlos zur Verfügung stellen, ebenso die erforderlichen Handschuhe, Hautschutzcremes und Hautpflegemittel. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Manchmal reichen die genannten Maßnahmen nicht aus, um das Handekzem zu heilen und die Arbeitskraft wiederherzustellen. In diesen Fällen ist eine Umschulung angezeigt. Die Kosten dafür trägt die Berufsgenossenschaft. </p><p class="bodytext">Quelle: Deutsche Haut- und Allergiehilfe, Empfehlung Hautarztverfahren der AWMF </p>

<p class="bodytext">Ob der Trip zum Kilimandscharo oder die Fahrt mit der Seilbahn auf das kleine Matterhorn – immer mehr Menschen zieht es zum Wandern, Bergsteigen, Skifahren oder Sightseeing in eisige Höhen. Doch weit oben wird die Luft dünner und es drohen Höhenkrankheiten. Wer hoch hinaus will, sollte die Warnzeichen für Bergkrankheit und Höhenhirnödem kennen und wissen, was im Notfall zu tun ist. </p><p class="bodytext"><strong>Wenn die Luft dünn wird</strong></p><p class="bodytext">Höhenreisen werden immer beliebter und durch bessere Infrastrukturen und die moderne Technik auch für immer mehr Menschen möglich. Doch wer sich in dünne Luft begibt, begibt sich auch in Gefahr. Je nach Veranlagung droht ab 2000 m über dem Meeresspiegel die Höhenkrankheit, ab 3000 kann es zum lebensbedrohlichen Höhenlungenödem, ab 4000 zum Hirnödem mit Koma kommen. Grund dafür ist der mit zunehmender Höhe fallende Luftdruck. Dadurch sinkt auch der Sauerstoffgehalt der Umgebungsluft, d.h. es steht weniger Sauerstoff zum Einatmen zur Verfügung. Wird weniger Sauerstoff eingeatmet, wird auch weniger davon im Blut zu den Organen transportiert. Es droht Sauerstoffmangel, der sich zuerst im Gehirn auswirkt. </p><p class="bodytext">Doch zu einem gefährlichen Sauerstoffmangel muss es nicht kommen. Denn der Organismus hat einiges in petto, wie er auf die dünne Luft reagieren kann. Zunächst einmal wird durch den niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut die Atmung angeregt. Außerdem schlägt das Herz schneller, d.h. das Blut fließt schneller durch den Körper. Dadurch werden auch die sauerstofftransportierenden roten Blutkörperchen schneller mit Sauerstoff be- und entladen. Auf diese Weise kann der Körper ein gewisses Maß an Sauerstoffmangel in der Höhenluft akut ausgleichen. </p><p class="bodytext">Längerfristig wird ein weiterer Kompensationsmechanismus in Gang gesetzt. Im Knochenmark steigt die Produktion von roten Blutkörperchen, den Erythrozyten. Gibt es mehr davon, wird pro Volumeneinheit mehr Sauerstoff transportiert und die Leistungsfähigkeit des Organismus deutlich verbessert. Die Herzfrequenz kann wieder sinken und auch die Atemnot verschwindet. Mithilfe dieses Vorgangs (der Akklimatisation) ist der Organismus in der Lage, sich an große Höhen anzupassen. Dafür braucht er aber Zeit – und einen langsamen Aufstieg. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Genau dieser Kompensationsmechanismus ist der Grund, warum Ausdauersportler*innen im Rad- oder Fußballsport ihr Training in Höhenlager verlegen. Denn durch die Akklimatisation steigt mit der Anzahl der roten Blutkörperchen auch die körperliche Leistungsfähigkeit. Ein Effekt, von dem die Athlet*in dann auch für eine gewisse Zeit bei Wettbewerben im Tiefland profitiert. </p><p class="bodytext"><strong>Die Folgen des zu schnellen Aufstiegs </strong></p><p class="bodytext">Bekommt der Körper jedoch nicht ausreichend Zeit, sich an die Höhe anzupassen, droht die akute Höhenkrankeit (oder auch akute Bergkrankheit). Mehr als ein Viertel derjenigen, die aus dem Tiefland über 3500 m erklimmen oder anderweitig bereisen, leiden daran. Ab 6000 m ist es sogar jeder Zweite, der damit zu kämpfen hat. Prinzipiell kann die akute Höhenkrankheit bei gesunden Menschen ab 2000 m auftreten. Doch bei bestimmten Vorerkrankungen von Herz oder Lunge können sich die Beschwerden sogar schon auf niedrigeren Höhen bemerkbar machen. </p><p class="bodytext">Meist beginnen die Symptome nach etwa vier bis sechs Stunden und erreichen ihr Maximum am ersten oder zweiten Tag. Leitsymptom ist der Kopfschmerz, der in der Regel von mindestens einer weiteren Beschwerde wie Schwindel, Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit oder Übelkeit begleitet wird. Mithilfe eines einfachen Fragebogens können Erwachsene auf dem Berg eine Selbstbewertung durchführen. Grundlage ist der Lake-Louise-Score. Danach liegt eine akute Höhenkrankheit vor, wenn in den vier folgenden Kategorien mindestens drei Punkte erreicht werden, wovon mindestens einer aus der Kategorie Kopfschmerz stammen muss:</p><p class="bodytext"><ul><li>Kopfschmerzen: keine (0), leichte (1), mäßige (2), starke (3)</li><li>Magen-Darm-Symptome: normaler Appetit (0), geringer Appetit oder Übelkeit (1), mäßige Übelkeit oder Erbrechen (2), starke Übelkeit oder Erbrechen, deutlich einschränkend (3)</li><li>Müdigkeit/Schwäche: nicht müde oder geschwächt (0), leicht müde oder geschwächt (1), mäßig müde/geschwächt (2), schwere, deutlich einschränkende Müdigkeit oder Schwäche (3)</li><li>Schwindel/Benommenheit: kein Schwindel/Benommenheit (0), leichter Schwindel/Benommenheit (1), mäßiger Schwindel/Benommenheit (2), starker Schwindel/Benommenheit (3).</li></ul></p><p class="bodytext"> Meist ist die akute Höhenkrankheit selbstlimitierend. Das bedeutet, dass sich die Beschwerden durch die Anpassungsvorgänge des Körpers innerhalb von einem bis drei Tage von selbst bessern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Aufstieg sofort abgebrochen und die Nachtruhe abgewartet wird. Verschwinden die Probleme wieder, kann der Aufstieg am folgenden Tag fortgesetzt werden. Bleiben die Symptome bestehen oder verstärken sie sich sogar, muss auf eine Höhe unter 2500 m abgestiegen werden. Das Gleiche gilt, wenn Kopfschmerzen oder Schwindel von Beginn an schwer bzw. stark sind oder der Leistungsabfall rapide. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Durch Ausschüttung gefäßerweiternder Substanzen kommt es auch ohne Höhenkrankheit bei manchen Menschen in Höhen über 2500 m zu Kopfschmerzen. Besonders anfällig dafür sind Migränekranke.</p><p class="bodytext"> <strong>Selten, aber lebensgefährlich: Höhenhirnödem und Höhenlungenödem</strong></p><p class="bodytext"> Lebensgefährlich wird es, wenn es aufgrund der dünnen Luft zu einem Hirnödem (Hirnschwellung) oder einem Lungenödem kommt. Das Höhenhirnödem tritt fast ausschließlich auf Höhen über 4000 m auf. Meist zeigen sich die Beschwerden nach etwa zwei Tagen. In der Regel entwickelt es sich aus einer akuten Höhenkrankheit. In seltenen Fällen können vorherige Kopfschmerzen und Übelkeit auch fehlen. </p><p class="bodytext">Zeichen des Höhenhirnödems sind Unsicherheiten beim Stehen und Sitzen, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) sowie eine eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit. Gerade Letztere ist problematisch, da sie die Einordnung der Beschwerden und die adäquate Reaktion darauf behindern kann. Im weiteren Verlauf drohen Bewusstseinsstörungen, die schnell in ein Koma münden können. Unbehandelt führt das Höhenhirnödem zum Tod. </p><p class="bodytext">Das Höhenlungenödem braucht etwa zwei bis vier Tage, bis es sich entwickelt. Es tritt ab etwa 3000 m auf, bei Lungen- oder Herzkranken auch schon in niedrigeren Höhen. Fast die Hälfte der Betroffenen leidet vorher nicht unter einer akuten Höhenkrankheit. Das Höhenlungenödem zeigt sich mit zunehmende Atemnot, trockenem, später auch blutigem Husten sowie Rasselgeräuschen bei der Atmung. Dazu kommen leichtes Fieber, Brustschmerzen und blauen Lippen. </p><p class="bodytext"><strong>Diese Zeichen geben Alarm </strong></p><p class="bodytext">Ob schwere akute Höhenkrankheit, Höhenhirnödem oder Höhenlungenödem: Expert*innen unterscheiden zwischen Warnzeichen und Alarmzeichen, die zum Handeln zwingen. </p><p class="bodytext">Bei den folgenden Warnzeichen ist sofort abzusteigen, auch in der Nacht. Der Abstieg muss immer mit einer Begleitperson erfolgen:</p><p class="bodytext"><ul><li>rapider Leistungsabfall und konstante schwere Kopfschmerzen</li><li>Atemnot, schnelle Atmung, Herzrasen, Schlaflosigkeit</li><li>schwere Übelkeit und Erbrechen</li><li>Schwindel, Gangunsicherheit, Benommenheit </li><li>reduzierte Harnmenge (weniger als ein halber Liter pro Tag) und dunkler Urin. </li></ul></p><p class="bodytext">Akute Lebensgefahr besteht, wenn folgende Alarmsymptome vorliegen:</p><p class="bodytext"><ul><li>schwerkranke, bewusstlose oder verwirrte Person</li><li>Atemnot schon in Ruhe, rasselnde Atmung, Husten mit braunem (blutigem Auswurf) </li><li>Bewegungsstörungen, blau verfärbte Lippen. </li></ul></p><p class="bodytext">Bei diesen Alarmsymptomen müssen Betroffene sofort absteigen bzw. abtransportiert werden, und zwar auf Höhen von 500 bis maximal 1000 m. Auf die Ankunft eines Hubschraubers darf man nicht warten, der Transport muss zur Not händisch mit einer Trage organisiert werden. </p><p class="bodytext"><strong>Therapie der Höhenkran</strong>kheit </p><p class="bodytext">Oberstes Gebot bei der Höhenkrankheit ist je nach Ausmaß der Abbruch des Aufstiegs und eine Rast bzw. der Abstieg. Daneben gibt es auch medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Von den verwendeten Medikamenten ist allerdings keines für die Therapie oder Vorbeugung der Höhenkrankheit zugelassen, der Einsatz erfolgt also off-label. </p><p class="bodytext">Bei der leichten Höhenkrankheit lassen sich die Kopfschmerzen mit ASS, Ibuprofen oder Paracetamol gut behandeln. Bei schweren Verläufen wird Dexamethason empfohlen, und zwar 4 mg alle sechs Stunden über 24 Stunden. Eine Kombination mit dem Entwässerungsmittel Acetazolamid ist möglich. Liegt ein Höhenhirnödem vor, verabreicht man zunächst 8 mg Dexamethason und dann bis zum Abstieg alle sechs Stunden erneut 4 mg. Bei Hirn- oder Lungenödem sollte Sauerstoff aus Flaschen gegeben oder eine mobile Überdruckkammer eingesetzt werden. Die Gabe von 30 mg retardiertem Nifedipin alle zwölf Stunden ist beim Höhenlungenödem hilfreich – der Wirkstoff senkt den erhöhten Blutdruck in den Lungengefäßen.</p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Die beste Behandlung der Höhenkrankheit ist der Abstieg! Zwingend erforderlich ist dieser, wenn sich eine akute Höhenkrankheit verschlechtert, ein Höhenhirn- oder Höhenlungenödem vorliegt oder die Person nicht auf die Standardbehandlung anspricht. </p><p class="bodytext"><strong>Wie vermeidet man die Höhenkrankheit? </strong></p><p class="bodytext">Grundsätzliche Maßnahme zur Vermeidung einer Höhenkrankheit ist der langsame Aufstieg. Ausschlaggebend dabei ist die Höhe der Nachtruhe. Hat man einmal 3000 m erreicht, sollten die Schlafstätten der folgenden Nächte jeweils nicht mehr als 500 m höher liegen. Es hilft dem Körper bei der Akklimatisation, alle zwei bis drei Tage einen Ruhetag einzulegen. Dabei sollten die Schlafstätten davor und danach auf gleicher Höhe liegen. </p><p class="bodytext">Prinzipiell ist es gut, in den ersten Tagen den Aufstieg langsam anzugehen – körperliche Anstrengung erhöht die Gefahr, dass sich eine Höhenkrankheit entwickelt. Weitere Risikofaktoren für die Höhenkrankheit sind Alkoholgenuss und ein Flüssigkeits- oder Mineralstoffmangel. Auf jeden Fall zu vermeiden sind schnelle, motorisierte Aufstiege auf Höhen über 3500 m. Das gilt sowohl für den Landweg über Seilbahnen als auch für den Luftweg mit dem Hubschrauber. Vor allem vorerkrankte Menschen reagieren bei solchen Aktionen mit Höhenkrankheiten jeden Ausmaßes. </p><p class="bodytext">Eine medikamentöse Prophylaxe wird von Höhenmediziner*innen nur in Einzelfällen empfohlen. Dazu gehören Menschen, die wiederholt eine Höhenkrankheit oder ein Höhenhirnödem erlitten haben. Eine Option ist die Verabreichung von Acetazolamid alle zwölf Stunden, vom Vorabend des Aufstiegs an. Auch die Einnahme von Dexamethason ist zur Vorbeugung möglich. Menschen, die schon einmal ein Höhenlungenödem erlitten haben, raten Expert*innen prophylaktischen zu retardiertem Nifedipin. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Ob jemand eine Höhenkrankheit entwickelt, ist bei gesunden Menschen weder eine Frage der Fitness noch des Alters. Auch Raucher*innen haben gegenüber Nichtraucher*innen kein erhöhtes Risiko dafür. Einzig Kinder und Menschen, die schon einmal eine Höhenkrankheit hatten, scheinen anfälliger zu sein. </p><p class="bodytext"><strong>Wer darf nicht hoch hinaus? </strong></p><p class="bodytext">Für eine Akklimatisation muss der Körper Atmung und Durchblutung ankurbeln. Dafür braucht er ein gut funktionierendes Herz-Kreislauf-System und eine funktionstüchtige Lunge. Deshalb versteht es sich von selbst, dass Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen nicht auf Höhen über 2500 m reisen sollten. Dazu gehören beispielsweise</p><p class="bodytext"><ul><li>fortgeschrittene Lungenerkrankungen (COPD, zystische Fibrose, Lungengerüsterkrankungen), pulmonale Hypertonie </li><li>unkontrollierte Herzschwäche (dekompensierte Herzinsuffizenz) </li><li>Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb der letzten 90 Tage, instabile Angina pectoris </li><li>Sichelzellanämie </li><li>In jedem Fall sollten vorerkrankte Menschen, die Ausflüge oder Reisen in große Höhen planen, vorher ihre behandelnde Ärzt*in dazu befragen. </li></ul></p><p class="bodytext">Quelle: Leopoldt D, DAZ 2022; 29: 48; <a href="https://www.usz.ch/krankheit/hoehenkrankheit/" target="_blank">Universitätsspital Zürich</a> </p>

<p class="bodytext">Ob der Trip zum Kilimandscharo oder die Fahrt mit der Seilbahn auf das kleine Matterhorn – immer mehr Menschen zieht es zum Wandern, Bergsteigen, Skifahren oder Sightseeing in eisige Höhen. Doch weit oben wird die Luft dünner und es drohen Höhenkrankheiten. Wer hoch hinaus will, sollte die Warnzeichen für Bergkrankheit und Höhenhirnödem kennen und wissen, was im Notfall zu tun ist. </p><p class="bodytext"><strong>Wenn die Luft dünn wird</strong></p><p class="bodytext">Höhenreisen werden immer beliebter und durch bessere Infrastrukturen und die moderne Technik auch für immer mehr Menschen möglich. Doch wer sich in dünne Luft begibt, begibt sich auch in Gefahr. Je nach Veranlagung droht ab 2000 m über dem Meeresspiegel die Höhenkrankheit, ab 3000 kann es zum lebensbedrohlichen Höhenlungenödem, ab 4000 zum Hirnödem mit Koma kommen. Grund dafür ist der mit zunehmender Höhe fallende Luftdruck. Dadurch sinkt auch der Sauerstoffgehalt der Umgebungsluft, d.h. es steht weniger Sauerstoff zum Einatmen zur Verfügung. Wird weniger Sauerstoff eingeatmet, wird auch weniger davon im Blut zu den Organen transportiert. Es droht Sauerstoffmangel, der sich zuerst im Gehirn auswirkt. </p><p class="bodytext">Doch zu einem gefährlichen Sauerstoffmangel muss es nicht kommen. Denn der Organismus hat einiges in petto, wie er auf die dünne Luft reagieren kann. Zunächst einmal wird durch den niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut die Atmung angeregt. Außerdem schlägt das Herz schneller, d.h. das Blut fließt schneller durch den Körper. Dadurch werden auch die sauerstofftransportierenden roten Blutkörperchen schneller mit Sauerstoff be- und entladen. Auf diese Weise kann der Körper ein gewisses Maß an Sauerstoffmangel in der Höhenluft akut ausgleichen. </p><p class="bodytext">Längerfristig wird ein weiterer Kompensationsmechanismus in Gang gesetzt. Im Knochenmark steigt die Produktion von roten Blutkörperchen, den Erythrozyten. Gibt es mehr davon, wird pro Volumeneinheit mehr Sauerstoff transportiert und die Leistungsfähigkeit des Organismus deutlich verbessert. Die Herzfrequenz kann wieder sinken und auch die Atemnot verschwindet. Mithilfe dieses Vorgangs (der Akklimatisation) ist der Organismus in der Lage, sich an große Höhen anzupassen. Dafür braucht er aber Zeit – und einen langsamen Aufstieg. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Genau dieser Kompensationsmechanismus ist der Grund, warum Ausdauersportler*innen im Rad- oder Fußballsport ihr Training in Höhenlager verlegen. Denn durch die Akklimatisation steigt mit der Anzahl der roten Blutkörperchen auch die körperliche Leistungsfähigkeit. Ein Effekt, von dem die Athlet*in dann auch für eine gewisse Zeit bei Wettbewerben im Tiefland profitiert. </p><p class="bodytext"><strong>Die Folgen des zu schnellen Aufstiegs </strong></p><p class="bodytext">Bekommt der Körper jedoch nicht ausreichend Zeit, sich an die Höhe anzupassen, droht die akute Höhenkrankeit (oder auch akute Bergkrankheit). Mehr als ein Viertel derjenigen, die aus dem Tiefland über 3500 m erklimmen oder anderweitig bereisen, leiden daran. Ab 6000 m ist es sogar jeder Zweite, der damit zu kämpfen hat. Prinzipiell kann die akute Höhenkrankheit bei gesunden Menschen ab 2000 m auftreten. Doch bei bestimmten Vorerkrankungen von Herz oder Lunge können sich die Beschwerden sogar schon auf niedrigeren Höhen bemerkbar machen. </p><p class="bodytext">Meist beginnen die Symptome nach etwa vier bis sechs Stunden und erreichen ihr Maximum am ersten oder zweiten Tag. Leitsymptom ist der Kopfschmerz, der in der Regel von mindestens einer weiteren Beschwerde wie Schwindel, Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit oder Übelkeit begleitet wird. Mithilfe eines einfachen Fragebogens können Erwachsene auf dem Berg eine Selbstbewertung durchführen. Grundlage ist der Lake-Louise-Score. Danach liegt eine akute Höhenkrankheit vor, wenn in den vier folgenden Kategorien mindestens drei Punkte erreicht werden, wovon mindestens einer aus der Kategorie Kopfschmerz stammen muss:</p><p class="bodytext"><ul><li>Kopfschmerzen: keine (0), leichte (1), mäßige (2), starke (3)</li><li>Magen-Darm-Symptome: normaler Appetit (0), geringer Appetit oder Übelkeit (1), mäßige Übelkeit oder Erbrechen (2), starke Übelkeit oder Erbrechen, deutlich einschränkend (3)</li><li>Müdigkeit/Schwäche: nicht müde oder geschwächt (0), leicht müde oder geschwächt (1), mäßig müde/geschwächt (2), schwere, deutlich einschränkende Müdigkeit oder Schwäche (3)</li><li>Schwindel/Benommenheit: kein Schwindel/Benommenheit (0), leichter Schwindel/Benommenheit (1), mäßiger Schwindel/Benommenheit (2), starker Schwindel/Benommenheit (3).</li></ul></p><p class="bodytext"> Meist ist die akute Höhenkrankheit selbstlimitierend. Das bedeutet, dass sich die Beschwerden durch die Anpassungsvorgänge des Körpers innerhalb von einem bis drei Tage von selbst bessern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Aufstieg sofort abgebrochen und die Nachtruhe abgewartet wird. Verschwinden die Probleme wieder, kann der Aufstieg am folgenden Tag fortgesetzt werden. Bleiben die Symptome bestehen oder verstärken sie sich sogar, muss auf eine Höhe unter 2500 m abgestiegen werden. Das Gleiche gilt, wenn Kopfschmerzen oder Schwindel von Beginn an schwer bzw. stark sind oder der Leistungsabfall rapide. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Durch Ausschüttung gefäßerweiternder Substanzen kommt es auch ohne Höhenkrankheit bei manchen Menschen in Höhen über 2500 m zu Kopfschmerzen. Besonders anfällig dafür sind Migränekranke.</p><p class="bodytext"> <strong>Selten, aber lebensgefährlich: Höhenhirnödem und Höhenlungenödem</strong></p><p class="bodytext"> Lebensgefährlich wird es, wenn es aufgrund der dünnen Luft zu einem Hirnödem (Hirnschwellung) oder einem Lungenödem kommt. Das Höhenhirnödem tritt fast ausschließlich auf Höhen über 4000 m auf. Meist zeigen sich die Beschwerden nach etwa zwei Tagen. In der Regel entwickelt es sich aus einer akuten Höhenkrankheit. In seltenen Fällen können vorherige Kopfschmerzen und Übelkeit auch fehlen. </p><p class="bodytext">Zeichen des Höhenhirnödems sind Unsicherheiten beim Stehen und Sitzen, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) sowie eine eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit. Gerade Letztere ist problematisch, da sie die Einordnung der Beschwerden und die adäquate Reaktion darauf behindern kann. Im weiteren Verlauf drohen Bewusstseinsstörungen, die schnell in ein Koma münden können. Unbehandelt führt das Höhenhirnödem zum Tod. </p><p class="bodytext">Das Höhenlungenödem braucht etwa zwei bis vier Tage, bis es sich entwickelt. Es tritt ab etwa 3000 m auf, bei Lungen- oder Herzkranken auch schon in niedrigeren Höhen. Fast die Hälfte der Betroffenen leidet vorher nicht unter einer akuten Höhenkrankheit. Das Höhenlungenödem zeigt sich mit zunehmende Atemnot, trockenem, später auch blutigem Husten sowie Rasselgeräuschen bei der Atmung. Dazu kommen leichtes Fieber, Brustschmerzen und blauen Lippen. </p><p class="bodytext"><strong>Diese Zeichen geben Alarm </strong></p><p class="bodytext">Ob schwere akute Höhenkrankheit, Höhenhirnödem oder Höhenlungenödem: Expert*innen unterscheiden zwischen Warnzeichen und Alarmzeichen, die zum Handeln zwingen. </p><p class="bodytext">Bei den folgenden Warnzeichen ist sofort abzusteigen, auch in der Nacht. Der Abstieg muss immer mit einer Begleitperson erfolgen:</p><p class="bodytext"><ul><li>rapider Leistungsabfall und konstante schwere Kopfschmerzen</li><li>Atemnot, schnelle Atmung, Herzrasen, Schlaflosigkeit</li><li>schwere Übelkeit und Erbrechen</li><li>Schwindel, Gangunsicherheit, Benommenheit </li><li>reduzierte Harnmenge (weniger als ein halber Liter pro Tag) und dunkler Urin. </li></ul></p><p class="bodytext">Akute Lebensgefahr besteht, wenn folgende Alarmsymptome vorliegen:</p><p class="bodytext"><ul><li>schwerkranke, bewusstlose oder verwirrte Person</li><li>Atemnot schon in Ruhe, rasselnde Atmung, Husten mit braunem (blutigem Auswurf) </li><li>Bewegungsstörungen, blau verfärbte Lippen. </li></ul></p><p class="bodytext">Bei diesen Alarmsymptomen müssen Betroffene sofort absteigen bzw. abtransportiert werden, und zwar auf Höhen von 500 bis maximal 1000 m. Auf die Ankunft eines Hubschraubers darf man nicht warten, der Transport muss zur Not händisch mit einer Trage organisiert werden. </p><p class="bodytext"><strong>Therapie der Höhenkran</strong>kheit </p><p class="bodytext">Oberstes Gebot bei der Höhenkrankheit ist je nach Ausmaß der Abbruch des Aufstiegs und eine Rast bzw. der Abstieg. Daneben gibt es auch medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Von den verwendeten Medikamenten ist allerdings keines für die Therapie oder Vorbeugung der Höhenkrankheit zugelassen, der Einsatz erfolgt also off-label. </p><p class="bodytext">Bei der leichten Höhenkrankheit lassen sich die Kopfschmerzen mit ASS, Ibuprofen oder Paracetamol gut behandeln. Bei schweren Verläufen wird Dexamethason empfohlen, und zwar 4 mg alle sechs Stunden über 24 Stunden. Eine Kombination mit dem Entwässerungsmittel Acetazolamid ist möglich. Liegt ein Höhenhirnödem vor, verabreicht man zunächst 8 mg Dexamethason und dann bis zum Abstieg alle sechs Stunden erneut 4 mg. Bei Hirn- oder Lungenödem sollte Sauerstoff aus Flaschen gegeben oder eine mobile Überdruckkammer eingesetzt werden. Die Gabe von 30 mg retardiertem Nifedipin alle zwölf Stunden ist beim Höhenlungenödem hilfreich – der Wirkstoff senkt den erhöhten Blutdruck in den Lungengefäßen.</p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Die beste Behandlung der Höhenkrankheit ist der Abstieg! Zwingend erforderlich ist dieser, wenn sich eine akute Höhenkrankheit verschlechtert, ein Höhenhirn- oder Höhenlungenödem vorliegt oder die Person nicht auf die Standardbehandlung anspricht. </p><p class="bodytext"><strong>Wie vermeidet man die Höhenkrankheit? </strong></p><p class="bodytext">Grundsätzliche Maßnahme zur Vermeidung einer Höhenkrankheit ist der langsame Aufstieg. Ausschlaggebend dabei ist die Höhe der Nachtruhe. Hat man einmal 3000 m erreicht, sollten die Schlafstätten der folgenden Nächte jeweils nicht mehr als 500 m höher liegen. Es hilft dem Körper bei der Akklimatisation, alle zwei bis drei Tage einen Ruhetag einzulegen. Dabei sollten die Schlafstätten davor und danach auf gleicher Höhe liegen. </p><p class="bodytext">Prinzipiell ist es gut, in den ersten Tagen den Aufstieg langsam anzugehen – körperliche Anstrengung erhöht die Gefahr, dass sich eine Höhenkrankheit entwickelt. Weitere Risikofaktoren für die Höhenkrankheit sind Alkoholgenuss und ein Flüssigkeits- oder Mineralstoffmangel. Auf jeden Fall zu vermeiden sind schnelle, motorisierte Aufstiege auf Höhen über 3500 m. Das gilt sowohl für den Landweg über Seilbahnen als auch für den Luftweg mit dem Hubschrauber. Vor allem vorerkrankte Menschen reagieren bei solchen Aktionen mit Höhenkrankheiten jeden Ausmaßes. </p><p class="bodytext">Eine medikamentöse Prophylaxe wird von Höhenmediziner*innen nur in Einzelfällen empfohlen. Dazu gehören Menschen, die wiederholt eine Höhenkrankheit oder ein Höhenhirnödem erlitten haben. Eine Option ist die Verabreichung von Acetazolamid alle zwölf Stunden, vom Vorabend des Aufstiegs an. Auch die Einnahme von Dexamethason ist zur Vorbeugung möglich. Menschen, die schon einmal ein Höhenlungenödem erlitten haben, raten Expert*innen prophylaktischen zu retardiertem Nifedipin. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Ob jemand eine Höhenkrankheit entwickelt, ist bei gesunden Menschen weder eine Frage der Fitness noch des Alters. Auch Raucher*innen haben gegenüber Nichtraucher*innen kein erhöhtes Risiko dafür. Einzig Kinder und Menschen, die schon einmal eine Höhenkrankheit hatten, scheinen anfälliger zu sein. </p><p class="bodytext"><strong>Wer darf nicht hoch hinaus? </strong></p><p class="bodytext">Für eine Akklimatisation muss der Körper Atmung und Durchblutung ankurbeln. Dafür braucht er ein gut funktionierendes Herz-Kreislauf-System und eine funktionstüchtige Lunge. Deshalb versteht es sich von selbst, dass Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen nicht auf Höhen über 2500 m reisen sollten. Dazu gehören beispielsweise</p><p class="bodytext"><ul><li>fortgeschrittene Lungenerkrankungen (COPD, zystische Fibrose, Lungengerüsterkrankungen), pulmonale Hypertonie </li><li>unkontrollierte Herzschwäche (dekompensierte Herzinsuffizenz) </li><li>Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb der letzten 90 Tage, instabile Angina pectoris </li><li>Sichelzellanämie </li><li>In jedem Fall sollten vorerkrankte Menschen, die Ausflüge oder Reisen in große Höhen planen, vorher ihre behandelnde Ärzt*in dazu befragen. </li></ul></p><p class="bodytext">Quelle: Leopoldt D, DAZ 2022; 29: 48; <a href="https://www.usz.ch/krankheit/hoehenkrankheit/" target="_blank">Universitätsspital Zürich</a> </p>

<p class="bodytext">Ständig erschöpft und müde? Dahinter steckt womöglich ein Eisenmangel. Vor allem bei Frauen ist der alles andere als selten – jede Zweite soll unterversorgt sein. Doch zum Glück lässt sich der Mangel mit Eisenpräparaten und der richtigen Ernährung gut beheben. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie im aktuellen Ratgeber. </p><p class="bodytext"><strong>Ohne Eisen geht es nicht </strong></p><p class="bodytext">Eisen ist von zentraler Bedeutung für den menschlichen Organismus. Als Bestandteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) bindet es den lebenswichtigen Sauerstoff, damit dieser von der Lunge zu den Organen transportiert werden kann. Doch Eisen ist auch unverzichtbar für die Neubildung von Geweben und für den programmierten Tod alter, überflüssiger Zellen. Eine ganz entscheidende Rolle spielt es zudem bei der Energiegewinnung in den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien. Durch diese vielen Aufgaben erklären sich auch die für einen Eisenmangel typischen Beschwerden. Fehlt dem Organismus Eisen, kommt es zu</p><p class="bodytext"><ul><li>Blässe (je nach Farbe des Teints manchmal nur an den Bindehäuten im Auge erkennbar)</li><li>Müdigkeit, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten</li><li>Mundwinkelrhagaden (raue, eingerissene Mundwinkel)</li><li>glatter Zunge, Zungenbrennen, Schluckbeschwerden</li><li>Haarausfall, brüchigen Fingernägeln. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Fehlt Eisen, wird im zentralen Nervensystem zu wenig Dopamin gebildet. Eine Folge davon kann das Restless-legs-Syndrom sein. Wer darunter leidet, sollte deshalb unbedingt die Eisenspiegel prüfen lassen. </p><p class="bodytext"><strong>Viele Gründe für den Eisenmangel </strong></p><p class="bodytext">Ein Erwachsener hat etwa 35 bis 40 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht in sich. Davon gehen täglich etwa 1 mg durch Abschilferungen von der Darmschleimhaut, minimale Blutungen oder Schweißbildung verloren. Diese müssen über die Nahrung wieder ersetzt werden. Im Normalfall kann der Organismus aber nur etwa 10 % des in der Nahrung enthaltenden Eisens aufnehmen. Um 1 mg zu ersetzen, müssen also täglich 10 mg Eisen zugeführt werden. </p><p class="bodytext">Stimmt die Balance zwischen Eisenverlust und Eisenaufnahme nicht, kommt es zu einem Eisenmangel. Gründe dafür gibt es viele.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Vermehrter Eisenverlust. </strong>Wichtigste Ursache ist hier die Menstruation, vor allem, wenn die Blutung besonders stark ist. Doch schon bei einer normalen Monatsblutung gehen etwa 40 bis 50 ml Blut verloren, was ungefähr 25 mg Eisen entspricht. Expert*innen gehen davon aus, dass fast die Hälfte aller gebärfähigen Frauen deswegen mit Eisen unterversorgt ist. Neben den physiologischen Blutverlusten durch die Menstruation können aber auch andere Blutverluste zu einem Eisenmangel führen. Dazu gehören beispielsweise chronische innere Blutungen bei Tumoren oder Magengeschwüren oder eine zu häufige Blutspende.</li><li><strong>Mangel- oder Fehlernährung. </strong>Hier schlagen vor allem Diäten zu Buche. Vegetarier leiden oft unter einem Eisenmangel, weil das Eisen aus pflanzlichen Rohstoffen vom Darm schlechter aufgenommen wird als aus tierischen Lebensmitteln. Auch Magersüchtigen mangelt es aufgrund der insgesamt reduzierten Nahrungsaufnahme meist an Eisen.</li><li><strong>Vermehrter Verbrauch.</strong> In Phasen des Wachstums braucht der Körper mehr Eisen. Hierzu zählen Kleinkinder und Heranwachsende. Bei Kindern wird die Häufigkeit des Eisenmangels auf 10 – 15% geschätzt. Besonders kritisch wird es für noch im Wachstum befindliche, pubertierende Mädchen. Bei ihnen kommt der vermehrte Bedarf mit dem über die Monatsblutung einsetzenden Verlust an Eisen zusammen. Auch Schwangere und Stillende benötigen mehr Eisen (siehe „Richtig ernähren“). </li></ul></p><p class="bodytext">Seltenere Ursachen für den Eisenmangel sind chronisch-entzündliche Prozesse wie die rheumatoide Arthritis oder die Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Zudem können einige Medikamente die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes beschädigen und auf diese Weise zu inneren Blutungen führen. Typische Beispiele sind NSAR wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) oder Cox-2-Hemmer. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Vorsicht Langläuferinnen! Extrem langes Laufen begünstigt Mikroblutungen im Darm und in der Harnblase. Außerdem werden massenweise rote Blutkörperchen in der Fußsohle zerquetscht. Es drohen damit Blut- und Eisenverluste, die bei kalorienreduzierter Diät und Fleischabstinenz häufig nicht ausreichend kompensiert werden.</p><p class="bodytext"> <strong>Wie wird der Eisenmangel diagnostiziert?</strong></p><p class="bodytext"> Bei den oben genannten typischen Eisenmangel-Beschwerden ist eine Blutuntersuchung angezeigt. Die wichtigsten Werte sind das Serum-Ferritin, das Transferrin und der Hämoglobinwert. Mit ihnen lässt sich bestimmen, ob mit dem Eisenhaushalt alles in Ordnung ist, ob ein Mangel besteht und wenn, wie stark dieser ist.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Serum-Ferritin </strong>spiegelt das im Körper gespeicherte Eisen wider. Ist es erniedrigt, aber die anderen Werte noch normal, liegt ein <strong>prälatenter Eisenmangel</strong> vor (Eisenmangel Stadium I). Für die Bildung der roten Blutkörperchen reicht das Eisen noch aus, körperliche Beschwerden zeigen sich meist keine.</li><li>Im Blut ist das Eisen, das nicht im Hämoglobin benötigt wird, an <strong>Transferrin </strong>gebunden. Die Sättigung dieses Transportmoleküls ist das Maß für das zur Verfügung stehende Funktionseisen. Fällt der Wert unter 15%, spricht man von einem latenten oder<strong> funktionellen Eisenmange</strong>l (Stadium II). Es kann zu ersten Eisenmangelbeschwerden mit brüchigen Fingernägeln, Haarausfall oder Rhagaden kommen.</li><li>Eine manifeste <strong>Eisenmangelanämie </strong>liegt vor, wenn die <strong>Hämoglobinkonzentration </strong>unter den Normwert sinkt (Stadium III des Eisenmangels). In diesem Fall reicht das Eisen nicht mehr, um ausreichend Hämoglobin zu bilden. Jetzt macht sich der Eisenmangel auch durch Blässe, Antriebslosigkeit, vermehrte Müdigkeit und Konzentrationsstörungen bemerkbar. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Die Hämoglobinwerte sind alters- und geschlechtsspezifisch. Eine manifeste Eisenmangelanämie liegt vor, wenn die Hämoglobinkonzentration unter folgenden Grenzwerten liegt: Kinder bis 4 Jahre &lt; 11 g/dl, Kinder 5 bis 11 Jahre &lt; 11,5 g/dl, Frauen &lt; 12 g/dl, Männer &lt; 13 g/dl. </p><p class="bodytext"><strong>Behandlung des Eisenmangels </strong></p><p class="bodytext">Häufig ist eine Fehl- oder Mangelernährung als Ursache für den Eisenmangel plausibel. Dann muss die Betroffene mehr Eisen aufnehmen. Basis ist die ausreichende Eisenaufnahme über die Nahrung. Ob zusätzlich Eisenpräparate erforderlich sind entscheidet die Ärzt*in. </p><p class="bodytext"><strong>Basis: die richtige Ernährung: </strong>Eine ausgewogene Ernährung deckt den Eisenbedarf im Normalfall gut ab. Erwachsene Männer und Frauen nach der Menopause sollen etwa 10 mg Eisen am Tag zu sich nehmen, Schwangere 30 mg und Stillende 20 mg. Für Mädchen ab 10 Jahren und Frauen bis zur Menopause gelten 15 mg/Tag als ausreichend. Jungen von 12 bis 19 Jahren brauchen 12 mg Eisen am Tag. Besonders gut verwertet der Körper Eisen aus Fleisch. Wer auf Fleisch verzichtet, kann seinen Bedarf jedoch auch mit Haferflocken, Hirse, Sesam, Roter Beete, Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Kohlgemüse und Sauerkraut decken. Weniger ergiebig sind dagegen andere Gemüsesorten, Milchprodukte und Eier. </p><p class="bodytext"><strong>Wenn Eisen substituiert werden muss </strong></p><p class="bodytext">Nicht immer reicht die Umstellung der Ernährung zur Behebung eines Eisenmangels aus. Dann verordnet die Ärzt*in Eisenpräparate mit zweiwertigem Eisen (Fe<sup>2+</sup>). Empfohlen werden dabei vor allem Eisen(II)-sulfate oder -fumarate. Sie sind in Form von Tabletten, Dragees oder flüssig einzunehmen. Damit es nicht zu einer Eisenüberladung des Organismus kommt, darf die Eisensubstitution nicht in Eigenregie erfolgen. Stattdessen berechnet die Ärzt*in, wieviel Eisen nötig ist. In der Regel geht man von 2 bis 6 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht aus (100 bis 200 mg täglich). </p><p class="bodytext">Leider verursachen Eisenpräparate zum Einnehmen oft Magenprobleme. Vor allem Übelkeit und Durchfall oder Verstopfung verleiten viele dazu, dass Präparat wieder abzusetzen. Durch Einnahme mit Nahrung werden die Beschwerden verringert. Der Preis dafür ist jedoch, dass der Darm das Eisen schlechter aufnimmt. Ein Kompromiss ist daher die Einnahme zwischen den Mahlzeiten. </p><p class="bodytext">Allgemein ist bei der Einnahme von Eisenpräparaten folgendes zu beachten:</p><p class="bodytext"><ul><li>Einnahme vorzugsweise nüchtern, d.h. mindestens eine halbe bis eine Stunde vor oder nach dem Essen.</li><li>Treten nach einer Woche Eiseneinnahme immer noch Übelkeit und Magenbeschwerden auf, darf die Einnahme zu den Mahlzeiten erfolgen. Auf keinen Fall gleichzeitig konsumiert werden sollten aber Kaffee, Tee, Milch, Oxalate, Phytate (in Getreide, Hülsenfrüchten) und Antazida, weil diese die Aufnahme von Eisen sogar behindern. </li><li>Eine weitere Option bei anhaltender Übelkeit ist die, das Präparat (mach ärztlichem Rat) zu wechseln.</li><li>Um die Aufnahme von Eisen im Darm zu erhöhen, kann zeitnah Vitamin C eingenommen werden.</li><li>Werden die empfohlenen Eisen(II)-Präparate nicht vertragen, kann die Substitution mit Eisen(III)-hydroxid-Polymaltose versucht werden.</li><li>Bei regelmäßiger, täglicher Eiseneinnahme steigt die Bildung von Hepcidin, einem Protein, dass die Aufnahme von Eisen aus dem Darm blockiert. Um dies zu verhindern ist es günstig, bei leichtem oder mäßigem Eisenmangel die Eisenpräparate nur alle zwei Tage einzunehmen. Dies darf allerdings nur nach ärztlichem Rat erfolgen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wer die Eisenpräparate zum Einnehmen gar nicht verträgt, kann sich das Eisen infundieren lassen. Allerdings übernehmen die Krankenkassen dann nur in manchen Fällen die Kosten, z. B. wenn bereits eine Anämie vorliegt. Zudem ist die Gefahr einer Überdosierung bei der intravenösen Gabe höher. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Das Beheben einer Eisenmangelanämie erfordert Geduld. Zwar steigt das Hämoglobin bei Eisenzufuhr schnell an. Bis Normwerte erreicht sind, dauert es manchmal jedoch einige Wochen. Ist der Hämoglobinwert wieder in Ordnung, sollte die Eiseneinnahme noch ein bis drei weitere Monate lang fortgesetzt werden.</p><p class="bodytext"> <strong>Monatsblutung eindämmen </strong></p><p class="bodytext">Bei Frauen ist häufig eine verstärkte oder verlängerte Monatsblutung am Eisenmangel beteiligt. Zur Behandlung der sogenannten Menorrhagie empfehlen Expert*innen häufig die Pille, und zwar in kombinierter Form (Östrogen und Gestagen). Bei drei Viertel der Betroffenen bessern sich dadurch die verstärkten Monatsblutungen und damit der Eisenverlust. Zu bedenken sind bei der Einnahme eines Hormonpräparats natürlich immer die möglichen Nebenwirkungen (Lidbidoverlust, Thromboserisiko). Ob zusätzlich eine Eisensubstitution erforderlich ist entscheidet die Ärzt*in anhand der Eisenwerte im Blut. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Frauen mit Kinderwunsch sollten frühzeitig ihre Eisenwerte überprüfen lassen. Sind die Eisenspeicher vermindert, macht es Sinn, sie schon vor der Empfängnis wieder aufzufüllen.</p><p class="bodytext"> <strong>Wenn die Eisensubstitution nicht reicht </strong></p><p class="bodytext">Bei einer Eisenmangelanämie kontrolliert die Ärzt*in meist eine Woche nach Beginn der Eisentherapie die Blutwerte. Steigen Hämoglobinwert und die Anzahl der Vorstufen der Blutkörperchen (Retikulozyten) im Blut nicht an, muss die Diagnostik erweitert werden. Das gilt natürlich auch für die Fälle, bei denen von vorneherein Hinweise auf eine Grunderkrankung bestehen. </p><p class="bodytext">Bei Frauen empfiehlt sich dazu eine gynäkologische Untersuchung. Dabei lassen sich z. B. die vor den Wechseljahren häufig auftretenden gutartigen Geschwulste der Gebärmutter feststellen. Als weitere wichtige Quelle für einen Eisenmangel muss der Magen-Darm-Trakt untersucht werden, um eventuelle blutende Magengeschwüre, Tumoren oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nicht zu übersehen. Die dafür eingesetzten Verfahren reichen vom Stuhltest auf verstecktes Blut bis zur Magen- oder Darmspiegelung. </p><p class="bodytext">Quellen: <a href="https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/025-021.html" target="_blank">Leitlinie Eisenmangelanämie</a>, DAZ 2021, Nr. 31, S. 32 </p>

<p class="bodytext">Ständig erschöpft und müde? Dahinter steckt womöglich ein Eisenmangel. Vor allem bei Frauen ist der alles andere als selten – jede Zweite soll unterversorgt sein. Doch zum Glück lässt sich der Mangel mit Eisenpräparaten und der richtigen Ernährung gut beheben. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie im aktuellen Ratgeber. </p><p class="bodytext"><strong>Ohne Eisen geht es nicht </strong></p><p class="bodytext">Eisen ist von zentraler Bedeutung für den menschlichen Organismus. Als Bestandteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) bindet es den lebenswichtigen Sauerstoff, damit dieser von der Lunge zu den Organen transportiert werden kann. Doch Eisen ist auch unverzichtbar für die Neubildung von Geweben und für den programmierten Tod alter, überflüssiger Zellen. Eine ganz entscheidende Rolle spielt es zudem bei der Energiegewinnung in den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien. Durch diese vielen Aufgaben erklären sich auch die für einen Eisenmangel typischen Beschwerden. Fehlt dem Organismus Eisen, kommt es zu</p><p class="bodytext"><ul><li>Blässe (je nach Farbe des Teints manchmal nur an den Bindehäuten im Auge erkennbar)</li><li>Müdigkeit, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten</li><li>Mundwinkelrhagaden (raue, eingerissene Mundwinkel)</li><li>glatter Zunge, Zungenbrennen, Schluckbeschwerden</li><li>Haarausfall, brüchigen Fingernägeln. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Fehlt Eisen, wird im zentralen Nervensystem zu wenig Dopamin gebildet. Eine Folge davon kann das Restless-legs-Syndrom sein. Wer darunter leidet, sollte deshalb unbedingt die Eisenspiegel prüfen lassen. </p><p class="bodytext"><strong>Viele Gründe für den Eisenmangel </strong></p><p class="bodytext">Ein Erwachsener hat etwa 35 bis 40 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht in sich. Davon gehen täglich etwa 1 mg durch Abschilferungen von der Darmschleimhaut, minimale Blutungen oder Schweißbildung verloren. Diese müssen über die Nahrung wieder ersetzt werden. Im Normalfall kann der Organismus aber nur etwa 10 % des in der Nahrung enthaltenden Eisens aufnehmen. Um 1 mg zu ersetzen, müssen also täglich 10 mg Eisen zugeführt werden. </p><p class="bodytext">Stimmt die Balance zwischen Eisenverlust und Eisenaufnahme nicht, kommt es zu einem Eisenmangel. Gründe dafür gibt es viele.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Vermehrter Eisenverlust. </strong>Wichtigste Ursache ist hier die Menstruation, vor allem, wenn die Blutung besonders stark ist. Doch schon bei einer normalen Monatsblutung gehen etwa 40 bis 50 ml Blut verloren, was ungefähr 25 mg Eisen entspricht. Expert*innen gehen davon aus, dass fast die Hälfte aller gebärfähigen Frauen deswegen mit Eisen unterversorgt ist. Neben den physiologischen Blutverlusten durch die Menstruation können aber auch andere Blutverluste zu einem Eisenmangel führen. Dazu gehören beispielsweise chronische innere Blutungen bei Tumoren oder Magengeschwüren oder eine zu häufige Blutspende.</li><li><strong>Mangel- oder Fehlernährung. </strong>Hier schlagen vor allem Diäten zu Buche. Vegetarier leiden oft unter einem Eisenmangel, weil das Eisen aus pflanzlichen Rohstoffen vom Darm schlechter aufgenommen wird als aus tierischen Lebensmitteln. Auch Magersüchtigen mangelt es aufgrund der insgesamt reduzierten Nahrungsaufnahme meist an Eisen.</li><li><strong>Vermehrter Verbrauch.</strong> In Phasen des Wachstums braucht der Körper mehr Eisen. Hierzu zählen Kleinkinder und Heranwachsende. Bei Kindern wird die Häufigkeit des Eisenmangels auf 10 – 15% geschätzt. Besonders kritisch wird es für noch im Wachstum befindliche, pubertierende Mädchen. Bei ihnen kommt der vermehrte Bedarf mit dem über die Monatsblutung einsetzenden Verlust an Eisen zusammen. Auch Schwangere und Stillende benötigen mehr Eisen (siehe „Richtig ernähren“). </li></ul></p><p class="bodytext">Seltenere Ursachen für den Eisenmangel sind chronisch-entzündliche Prozesse wie die rheumatoide Arthritis oder die Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Zudem können einige Medikamente die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes beschädigen und auf diese Weise zu inneren Blutungen führen. Typische Beispiele sind NSAR wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) oder Cox-2-Hemmer. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Vorsicht Langläuferinnen! Extrem langes Laufen begünstigt Mikroblutungen im Darm und in der Harnblase. Außerdem werden massenweise rote Blutkörperchen in der Fußsohle zerquetscht. Es drohen damit Blut- und Eisenverluste, die bei kalorienreduzierter Diät und Fleischabstinenz häufig nicht ausreichend kompensiert werden.</p><p class="bodytext"> <strong>Wie wird der Eisenmangel diagnostiziert?</strong></p><p class="bodytext"> Bei den oben genannten typischen Eisenmangel-Beschwerden ist eine Blutuntersuchung angezeigt. Die wichtigsten Werte sind das Serum-Ferritin, das Transferrin und der Hämoglobinwert. Mit ihnen lässt sich bestimmen, ob mit dem Eisenhaushalt alles in Ordnung ist, ob ein Mangel besteht und wenn, wie stark dieser ist.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Serum-Ferritin </strong>spiegelt das im Körper gespeicherte Eisen wider. Ist es erniedrigt, aber die anderen Werte noch normal, liegt ein <strong>prälatenter Eisenmangel</strong> vor (Eisenmangel Stadium I). Für die Bildung der roten Blutkörperchen reicht das Eisen noch aus, körperliche Beschwerden zeigen sich meist keine.</li><li>Im Blut ist das Eisen, das nicht im Hämoglobin benötigt wird, an <strong>Transferrin </strong>gebunden. Die Sättigung dieses Transportmoleküls ist das Maß für das zur Verfügung stehende Funktionseisen. Fällt der Wert unter 15%, spricht man von einem latenten oder<strong> funktionellen Eisenmange</strong>l (Stadium II). Es kann zu ersten Eisenmangelbeschwerden mit brüchigen Fingernägeln, Haarausfall oder Rhagaden kommen.</li><li>Eine manifeste <strong>Eisenmangelanämie </strong>liegt vor, wenn die <strong>Hämoglobinkonzentration </strong>unter den Normwert sinkt (Stadium III des Eisenmangels). In diesem Fall reicht das Eisen nicht mehr, um ausreichend Hämoglobin zu bilden. Jetzt macht sich der Eisenmangel auch durch Blässe, Antriebslosigkeit, vermehrte Müdigkeit und Konzentrationsstörungen bemerkbar. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Die Hämoglobinwerte sind alters- und geschlechtsspezifisch. Eine manifeste Eisenmangelanämie liegt vor, wenn die Hämoglobinkonzentration unter folgenden Grenzwerten liegt: Kinder bis 4 Jahre &lt; 11 g/dl, Kinder 5 bis 11 Jahre &lt; 11,5 g/dl, Frauen &lt; 12 g/dl, Männer &lt; 13 g/dl. </p><p class="bodytext"><strong>Behandlung des Eisenmangels </strong></p><p class="bodytext">Häufig ist eine Fehl- oder Mangelernährung als Ursache für den Eisenmangel plausibel. Dann muss die Betroffene mehr Eisen aufnehmen. Basis ist die ausreichende Eisenaufnahme über die Nahrung. Ob zusätzlich Eisenpräparate erforderlich sind entscheidet die Ärzt*in. </p><p class="bodytext"><strong>Basis: die richtige Ernährung: </strong>Eine ausgewogene Ernährung deckt den Eisenbedarf im Normalfall gut ab. Erwachsene Männer und Frauen nach der Menopause sollen etwa 10 mg Eisen am Tag zu sich nehmen, Schwangere 30 mg und Stillende 20 mg. Für Mädchen ab 10 Jahren und Frauen bis zur Menopause gelten 15 mg/Tag als ausreichend. Jungen von 12 bis 19 Jahren brauchen 12 mg Eisen am Tag. Besonders gut verwertet der Körper Eisen aus Fleisch. Wer auf Fleisch verzichtet, kann seinen Bedarf jedoch auch mit Haferflocken, Hirse, Sesam, Roter Beete, Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Kohlgemüse und Sauerkraut decken. Weniger ergiebig sind dagegen andere Gemüsesorten, Milchprodukte und Eier. </p><p class="bodytext"><strong>Wenn Eisen substituiert werden muss </strong></p><p class="bodytext">Nicht immer reicht die Umstellung der Ernährung zur Behebung eines Eisenmangels aus. Dann verordnet die Ärzt*in Eisenpräparate mit zweiwertigem Eisen (Fe<sup>2+</sup>). Empfohlen werden dabei vor allem Eisen(II)-sulfate oder -fumarate. Sie sind in Form von Tabletten, Dragees oder flüssig einzunehmen. Damit es nicht zu einer Eisenüberladung des Organismus kommt, darf die Eisensubstitution nicht in Eigenregie erfolgen. Stattdessen berechnet die Ärzt*in, wieviel Eisen nötig ist. In der Regel geht man von 2 bis 6 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht aus (100 bis 200 mg täglich). </p><p class="bodytext">Leider verursachen Eisenpräparate zum Einnehmen oft Magenprobleme. Vor allem Übelkeit und Durchfall oder Verstopfung verleiten viele dazu, dass Präparat wieder abzusetzen. Durch Einnahme mit Nahrung werden die Beschwerden verringert. Der Preis dafür ist jedoch, dass der Darm das Eisen schlechter aufnimmt. Ein Kompromiss ist daher die Einnahme zwischen den Mahlzeiten. </p><p class="bodytext">Allgemein ist bei der Einnahme von Eisenpräparaten folgendes zu beachten:</p><p class="bodytext"><ul><li>Einnahme vorzugsweise nüchtern, d.h. mindestens eine halbe bis eine Stunde vor oder nach dem Essen.</li><li>Treten nach einer Woche Eiseneinnahme immer noch Übelkeit und Magenbeschwerden auf, darf die Einnahme zu den Mahlzeiten erfolgen. Auf keinen Fall gleichzeitig konsumiert werden sollten aber Kaffee, Tee, Milch, Oxalate, Phytate (in Getreide, Hülsenfrüchten) und Antazida, weil diese die Aufnahme von Eisen sogar behindern. </li><li>Eine weitere Option bei anhaltender Übelkeit ist die, das Präparat (mach ärztlichem Rat) zu wechseln.</li><li>Um die Aufnahme von Eisen im Darm zu erhöhen, kann zeitnah Vitamin C eingenommen werden.</li><li>Werden die empfohlenen Eisen(II)-Präparate nicht vertragen, kann die Substitution mit Eisen(III)-hydroxid-Polymaltose versucht werden.</li><li>Bei regelmäßiger, täglicher Eiseneinnahme steigt die Bildung von Hepcidin, einem Protein, dass die Aufnahme von Eisen aus dem Darm blockiert. Um dies zu verhindern ist es günstig, bei leichtem oder mäßigem Eisenmangel die Eisenpräparate nur alle zwei Tage einzunehmen. Dies darf allerdings nur nach ärztlichem Rat erfolgen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wer die Eisenpräparate zum Einnehmen gar nicht verträgt, kann sich das Eisen infundieren lassen. Allerdings übernehmen die Krankenkassen dann nur in manchen Fällen die Kosten, z. B. wenn bereits eine Anämie vorliegt. Zudem ist die Gefahr einer Überdosierung bei der intravenösen Gabe höher. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Das Beheben einer Eisenmangelanämie erfordert Geduld. Zwar steigt das Hämoglobin bei Eisenzufuhr schnell an. Bis Normwerte erreicht sind, dauert es manchmal jedoch einige Wochen. Ist der Hämoglobinwert wieder in Ordnung, sollte die Eiseneinnahme noch ein bis drei weitere Monate lang fortgesetzt werden.</p><p class="bodytext"> <strong>Monatsblutung eindämmen </strong></p><p class="bodytext">Bei Frauen ist häufig eine verstärkte oder verlängerte Monatsblutung am Eisenmangel beteiligt. Zur Behandlung der sogenannten Menorrhagie empfehlen Expert*innen häufig die Pille, und zwar in kombinierter Form (Östrogen und Gestagen). Bei drei Viertel der Betroffenen bessern sich dadurch die verstärkten Monatsblutungen und damit der Eisenverlust. Zu bedenken sind bei der Einnahme eines Hormonpräparats natürlich immer die möglichen Nebenwirkungen (Lidbidoverlust, Thromboserisiko). Ob zusätzlich eine Eisensubstitution erforderlich ist entscheidet die Ärzt*in anhand der Eisenwerte im Blut. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Frauen mit Kinderwunsch sollten frühzeitig ihre Eisenwerte überprüfen lassen. Sind die Eisenspeicher vermindert, macht es Sinn, sie schon vor der Empfängnis wieder aufzufüllen.</p><p class="bodytext"> <strong>Wenn die Eisensubstitution nicht reicht </strong></p><p class="bodytext">Bei einer Eisenmangelanämie kontrolliert die Ärzt*in meist eine Woche nach Beginn der Eisentherapie die Blutwerte. Steigen Hämoglobinwert und die Anzahl der Vorstufen der Blutkörperchen (Retikulozyten) im Blut nicht an, muss die Diagnostik erweitert werden. Das gilt natürlich auch für die Fälle, bei denen von vorneherein Hinweise auf eine Grunderkrankung bestehen. </p><p class="bodytext">Bei Frauen empfiehlt sich dazu eine gynäkologische Untersuchung. Dabei lassen sich z. B. die vor den Wechseljahren häufig auftretenden gutartigen Geschwulste der Gebärmutter feststellen. Als weitere wichtige Quelle für einen Eisenmangel muss der Magen-Darm-Trakt untersucht werden, um eventuelle blutende Magengeschwüre, Tumoren oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nicht zu übersehen. Die dafür eingesetzten Verfahren reichen vom Stuhltest auf verstecktes Blut bis zur Magen- oder Darmspiegelung. </p><p class="bodytext">Quellen: <a href="https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/025-021.html" target="_blank">Leitlinie Eisenmangelanämie</a>, DAZ 2021, Nr. 31, S. 32 </p>

<p class="bodytext">Sommerzeit ist Sandalenzeit. Ob in Gesundheitstretern, schicken Flipflops oder eleganten offenen Pumps — jetzt kommen immer mehr Zehen an die frische Luft. Doch so mancher mag seine Füße lieber bedeckt halten, weil die Nägel keine Zierde, sondern brüchig oder verfärbt sind. Lesen Sie hier, was hinter Nagelproblemen steckt und was sich dagegen unternehmen lässt. </p><p class="bodytext"><strong>Richtige Pflege ist das A und O </strong></p><p class="bodytext">Gründe für verdickte, brüchige oder verfärbte Fußnägel gibt es viele. Sie reichen von chronischen Erkrankungen über Medikamentennebenwirkungen bis hin zum gefürchteten Pilzbefall. Der einfachste Grund für Nagelprobleme ist jedoch die falsche oder nicht ausreichende Fußpflege. Denn dabei gibt es in puncto Nagelwohl einiges zu beachten. </p><p class="bodytext">Zunächst einmal beim Kürzen der Nägel: Auch wenn es mit Knipser und Schere am schnellsten geht, sind Feilen besser geeignet. Denn Nagelscheren und Knipser können die Nagelplatte quetschen und feine Risse hervorrufen. Solche minimale Nagelverletzungen begünstigen Infektionen oder ungleiches Nachwachsen. </p><p class="bodytext">Aber auch das Feilen will gekonnt sein: So ist das Nagelende möglichst gerade einzukürzen, damit die Nagelränder nicht einwachsen. Das Nagelhäutchen darf nur vorsichtig zurückgeschoben werden. Am besten gelingt das nach einem Fußbad, das die die Haut aufweicht. Das Schneiden der Nagelhaut ist verboten, weil dabei Verletzungen und Nagelbettentzündungen drohen. </p><p class="bodytext">Um den Nagel gesund und geschmeidig zu halten, sollten im Anschluss nicht nur die Füße, sondern auch die Nägel regelmäßig eingecremt werden. Wer seinen Nägeln eine Kur gönnen möchte, kann zu pflegenden Nagellacken greifen. Diese versorgen den Nagel von außen z. B. mit Kieselerde, Chitosan und Schwefel und verbessern dadurch seine Elastizität und Festigkeit. Manche dieser pflegenden Lacke eignen sich zudem sehr gut als Unterlacke. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Desinfizieren Sie nach jeder Pediküre die verwendeten Hilfsmittel. So vermeiden Sie, dass Keime oder Pilze verschleppt werden. </p><p class="bodytext"><strong>Nagelstress vermeiden </strong></p><p class="bodytext">Neben der Pflege gilt es, die Nägel möglichst wenig zu stressen. Lange Aufenthalte im Wasser weichen Haut und Nagel auf, die natürliche Hautbarriere wird durchlässig und Keime und Pilzen haben ein leichtes Spiel. Deshalb heißt es: Füße immer gut abtrocknen und eincremen. Wenn trockene Heizungsluft im Winter Haut und Nägel austrocknet, ist regelmäßiges Eincremen ebenfalls wichtig.Weiterer Stressfaktor sind drückende Schuhe. Druck auf die Nagelplatte führt zu winzigen Schädigungen und begünstigt das Eindringen von Nagelpilz.</p><p class="bodytext"> Auch kosmetische Maßnahmen können dem Nagel schaden. Wer häufig lösungsmittelhaltigen Nagellackentferner verwendet, stresst damit die Nagelplatte und trocknet den Nagel aus. Aber auch acetonfreie Nagellackentferner enthalten aggressive Inhaltsstoffe. Außerdem muss man kräftiger rubbeln, um den Lack abzubekommen. Besser sollte man schon bei der Wahl des Nagellackes an das Entfernen denken. Hier lohnt sich der Griff zu Nagellacken auf Wasserbasis, die sich auch ohne Lösungsmittel gut entfernen lassen. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei aktiven Kindern und im Sport — vor allem im Teamsport — kommt es schnell zu Nagelverletzungen. Beugen Sie vor, indem Sie die Nägel kurz halten. Opimaler Weise enden sie unterhalb der Zehenkuppe. </p><p class="bodytext"><strong>Mineralstoffmangel, Hormonmangel, Arzneimittel </strong></p><p class="bodytext">Nicht nur äußere, auch innere Einflüsse setzen den Nägeln zu. Dazu zählen Erkrankungen wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion. Dann Ssnd die Nägel brüchig und splittern vom Rand her ab oder bilden sich gar längsfaserige Risse. In solchen Fällen ist der Gang in die Arztpraxis angeraten. Ärztlich abgeklärt werden sollte auch der Verdacht auf einen Nährstoffmangel. Für das Nagelwachstum besonders wichtig sind</p><p class="bodytext"><ul><li>B-Vitamine und Vitamin A</li><li>Zink</li><li>Folsäure</li><li>Eisen</li><li>Kalzium. </li></ul></p><p class="bodytext">Stellt die Ärzt*in bei der Blutuntersuchung einen Mangel fest, helfen Nahrungsergänzungsmittel. In der Apotheke gibt es zahlreiche Präparate, die Mineral- und Nährstoffmängel ausgleichen.</p><p class="bodytext"> Auch einige Medikamente können die Nägel schädigen. Dies trifft vor allem bei Krebsmedikamenten zu. Das liegt z. T. daran, dass die Wirkstoffe über die Nägel ausgeschieden bzw. darin gespeichert werden. In der Folge wachsen die Nägel weniger, werden brüchig und verfärben sich. Besonders häufig kommt dies vor bei Docetaxel (wird bei Brust- und Lungenkrebs eingesetzt) und Afatinib (zur Behandlung von Lungenkrebs). Solche Veränderungen am Nagel heilen meist nach dem Therapieende wieder ab. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Lassen Sie sich beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen in der Apotheke beraten. Dann sind Sie sicher, dass Sie hochwertige und in der Dosierung angemessene Präparate erhalten. </p><p class="bodytext"><strong>Schreckgespenst Nagelpilz </strong></p><p class="bodytext">Ein häufiger und leider auch hartnäckiger Grund für Nagelschäden ist der Nagelpilz. Dann sind die Nägel weißlich-gelblich bis braun verfärbt, oft auch brüchig oder verdickt. Besonders gern erwischt es die Großzehe und dort vor allem den vorderen und seitlichen Rand.Übertragen werden die Pilze durch infizierte Hautschüppchen, die sich von den erkrankten Bereichen lösen. Ansteckungsquellen sind somit direkter Hautkontakt, gemeinsam benutzte Handtücher und Fußböden in Saunen, Gemeinschaftsduschen oder Schwimmbädern. </p><p class="bodytext">Der Nagelpilz ist kein kosmetisches Problem, sondern muss immer behandelt werden. Denn der Pilzbefall sieht nicht nur unschön aus – er ist auch eine Eintrittpforte für bakterielle Entzündung der Haut. Leider ist die Therapie oft langwierig: Mehr als ein Jahr kann es bis zum vollständigen Abheilen dauern. Ob eine lokale Therapie reicht oder ob die Betroffene die Antipilzmittel auch schlucken muss (z. B. Terbinafin, Itraconazol oder Fluconazol), hängt vom Ausmaß des Befalls ab. </p><p class="bodytext">Zur lokalen Behandlung&nbsp;dienen z. B. Bifonazol, Amorolfin oder Ciclopirox. Als Salbe, Creme oder Gel werden sie täglich aufgetragen. Amorolfin und Ciclopirox sind auch als medizinische Lacke erhältlich und je nach Präparat einmal täglich bis zu einmal pro Woche auf den Nagel aufzutragen. Um die Wirksamkeit der Anti-Pilzmittel zu erhöhen, kann vorher der Nagel mit einer 40%igen Harnstoff-Zubereitung abgelöst werden.</p><p class="bodytext"> Damit es zwischen Nagel und Fuß nicht zu einem Pilz-Ping-Pong kommt, sollten man gleichzeitig auch Fußsohlen und Zehenzwischenräume mit einer antimykotischen Creme behandeln. Bei jeder Fuß- und/oder Nagelpilztherapie sind Hygienemaßnahmen zu beachten. Dazu gehört, dass Handtücher und Strümpfe bei mindestens 60°C mit einem Vollwaschmittel gewaschen werden sollten. Niedrigere Temperaturen machen den Pilzsporen nämlich wenig aus. Als zusätzliche Maßnahme kann man Schuhe mit einem antimykotischen Spray auf Basis von Clotrimoxazol einsprühen. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Für Menschen, die sich viel in Fußpilz-gefährdeten Arealen aufhalten, gibt es in der Apotheke ein Schutzspray für Füße und Nägel. Es bildet auf der Haut einen Film aus Copolymeren und wirkt wie eine unsichtbare Socke gegen Fußpilz. </p><p class="bodytext"><strong>Auch Schuppenflechte geht auf den Nagel </strong></p><p class="bodytext">Manchmal greifen auch Erkrankungen der Haut auf den Nagel über. So leidet etwa jede zweite Patient*in mit Schuppenflechte (Psoriasis) unter Nagelproblemen. Typisch sind punktförmigen Einsenkungen der Nagelplatte (sog. Tüpfelnägel), gelblich-braune Verfärbungen oder Krümelnägel. Betroffen sind vor allem Patient*innen, deren Schuppenflechte auch auf die Gelenke übergegriffen hat. Da die Nagelveränderungen den Gelenkproblemen häufig vorausgehen, sind schon die kleinsten Auffälligkeiten der behandelnden Ärzt*in zu berichten. </p><p class="bodytext">Bei konsequenter Behandlung der Schuppenflechte bilden sich die Nagelveränderungen oft wieder zurück. Entscheidet sich die Ärzt*in für eine Lokaltherapie, kommen meist kortisonhaltige Cremes zum Einsatz, eventuell auch kombiniert mit Calcipotriol. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Als Selbstmedikation kann die Patient*in ihre Nägel mit harnstoff-haltigem Nagellack aus der Apotheke behandeln. Dieser wird sechs Monate lang einmal täglich aufgetragen und glättet den Nagel. Eine andere Möglichkeit ist eine Nagelkur mit pflegenden Nagellacken, die z. B. Chitosan , Kieselerde und Schwefel enthalten. Auch solche Lacke sind in der Apotheke erhältlich. </p><p class="bodytext">Quelle: Dr. Claudia Bruhn, DAZ 2020, Nr. 26, S. 48</p>

<p class="bodytext">Sommerzeit ist Sandalenzeit. Ob in Gesundheitstretern, schicken Flipflops oder eleganten offenen Pumps — jetzt kommen immer mehr Zehen an die frische Luft. Doch so mancher mag seine Füße lieber bedeckt halten, weil die Nägel keine Zierde, sondern brüchig oder verfärbt sind. Lesen Sie hier, was hinter Nagelproblemen steckt und was sich dagegen unternehmen lässt. </p><p class="bodytext"><strong>Richtige Pflege ist das A und O </strong></p><p class="bodytext">Gründe für verdickte, brüchige oder verfärbte Fußnägel gibt es viele. Sie reichen von chronischen Erkrankungen über Medikamentennebenwirkungen bis hin zum gefürchteten Pilzbefall. Der einfachste Grund für Nagelprobleme ist jedoch die falsche oder nicht ausreichende Fußpflege. Denn dabei gibt es in puncto Nagelwohl einiges zu beachten. </p><p class="bodytext">Zunächst einmal beim Kürzen der Nägel: Auch wenn es mit Knipser und Schere am schnellsten geht, sind Feilen besser geeignet. Denn Nagelscheren und Knipser können die Nagelplatte quetschen und feine Risse hervorrufen. Solche minimale Nagelverletzungen begünstigen Infektionen oder ungleiches Nachwachsen. </p><p class="bodytext">Aber auch das Feilen will gekonnt sein: So ist das Nagelende möglichst gerade einzukürzen, damit die Nagelränder nicht einwachsen. Das Nagelhäutchen darf nur vorsichtig zurückgeschoben werden. Am besten gelingt das nach einem Fußbad, das die die Haut aufweicht. Das Schneiden der Nagelhaut ist verboten, weil dabei Verletzungen und Nagelbettentzündungen drohen. </p><p class="bodytext">Um den Nagel gesund und geschmeidig zu halten, sollten im Anschluss nicht nur die Füße, sondern auch die Nägel regelmäßig eingecremt werden. Wer seinen Nägeln eine Kur gönnen möchte, kann zu pflegenden Nagellacken greifen. Diese versorgen den Nagel von außen z. B. mit Kieselerde, Chitosan und Schwefel und verbessern dadurch seine Elastizität und Festigkeit. Manche dieser pflegenden Lacke eignen sich zudem sehr gut als Unterlacke. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Desinfizieren Sie nach jeder Pediküre die verwendeten Hilfsmittel. So vermeiden Sie, dass Keime oder Pilze verschleppt werden. </p><p class="bodytext"><strong>Nagelstress vermeiden </strong></p><p class="bodytext">Neben der Pflege gilt es, die Nägel möglichst wenig zu stressen. Lange Aufenthalte im Wasser weichen Haut und Nagel auf, die natürliche Hautbarriere wird durchlässig und Keime und Pilzen haben ein leichtes Spiel. Deshalb heißt es: Füße immer gut abtrocknen und eincremen. Wenn trockene Heizungsluft im Winter Haut und Nägel austrocknet, ist regelmäßiges Eincremen ebenfalls wichtig.Weiterer Stressfaktor sind drückende Schuhe. Druck auf die Nagelplatte führt zu winzigen Schädigungen und begünstigt das Eindringen von Nagelpilz.</p><p class="bodytext"> Auch kosmetische Maßnahmen können dem Nagel schaden. Wer häufig lösungsmittelhaltigen Nagellackentferner verwendet, stresst damit die Nagelplatte und trocknet den Nagel aus. Aber auch acetonfreie Nagellackentferner enthalten aggressive Inhaltsstoffe. Außerdem muss man kräftiger rubbeln, um den Lack abzubekommen. Besser sollte man schon bei der Wahl des Nagellackes an das Entfernen denken. Hier lohnt sich der Griff zu Nagellacken auf Wasserbasis, die sich auch ohne Lösungsmittel gut entfernen lassen. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei aktiven Kindern und im Sport — vor allem im Teamsport — kommt es schnell zu Nagelverletzungen. Beugen Sie vor, indem Sie die Nägel kurz halten. Opimaler Weise enden sie unterhalb der Zehenkuppe. </p><p class="bodytext"><strong>Mineralstoffmangel, Hormonmangel, Arzneimittel </strong></p><p class="bodytext">Nicht nur äußere, auch innere Einflüsse setzen den Nägeln zu. Dazu zählen Erkrankungen wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion. Dann Ssnd die Nägel brüchig und splittern vom Rand her ab oder bilden sich gar längsfaserige Risse. In solchen Fällen ist der Gang in die Arztpraxis angeraten. Ärztlich abgeklärt werden sollte auch der Verdacht auf einen Nährstoffmangel. Für das Nagelwachstum besonders wichtig sind</p><p class="bodytext"><ul><li>B-Vitamine und Vitamin A</li><li>Zink</li><li>Folsäure</li><li>Eisen</li><li>Kalzium. </li></ul></p><p class="bodytext">Stellt die Ärzt*in bei der Blutuntersuchung einen Mangel fest, helfen Nahrungsergänzungsmittel. In der Apotheke gibt es zahlreiche Präparate, die Mineral- und Nährstoffmängel ausgleichen.</p><p class="bodytext"> Auch einige Medikamente können die Nägel schädigen. Dies trifft vor allem bei Krebsmedikamenten zu. Das liegt z. T. daran, dass die Wirkstoffe über die Nägel ausgeschieden bzw. darin gespeichert werden. In der Folge wachsen die Nägel weniger, werden brüchig und verfärben sich. Besonders häufig kommt dies vor bei Docetaxel (wird bei Brust- und Lungenkrebs eingesetzt) und Afatinib (zur Behandlung von Lungenkrebs). Solche Veränderungen am Nagel heilen meist nach dem Therapieende wieder ab. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Lassen Sie sich beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen in der Apotheke beraten. Dann sind Sie sicher, dass Sie hochwertige und in der Dosierung angemessene Präparate erhalten. </p><p class="bodytext"><strong>Schreckgespenst Nagelpilz </strong></p><p class="bodytext">Ein häufiger und leider auch hartnäckiger Grund für Nagelschäden ist der Nagelpilz. Dann sind die Nägel weißlich-gelblich bis braun verfärbt, oft auch brüchig oder verdickt. Besonders gern erwischt es die Großzehe und dort vor allem den vorderen und seitlichen Rand.Übertragen werden die Pilze durch infizierte Hautschüppchen, die sich von den erkrankten Bereichen lösen. Ansteckungsquellen sind somit direkter Hautkontakt, gemeinsam benutzte Handtücher und Fußböden in Saunen, Gemeinschaftsduschen oder Schwimmbädern. </p><p class="bodytext">Der Nagelpilz ist kein kosmetisches Problem, sondern muss immer behandelt werden. Denn der Pilzbefall sieht nicht nur unschön aus – er ist auch eine Eintrittpforte für bakterielle Entzündung der Haut. Leider ist die Therapie oft langwierig: Mehr als ein Jahr kann es bis zum vollständigen Abheilen dauern. Ob eine lokale Therapie reicht oder ob die Betroffene die Antipilzmittel auch schlucken muss (z. B. Terbinafin, Itraconazol oder Fluconazol), hängt vom Ausmaß des Befalls ab. </p><p class="bodytext">Zur lokalen Behandlung&nbsp;dienen z. B. Bifonazol, Amorolfin oder Ciclopirox. Als Salbe, Creme oder Gel werden sie täglich aufgetragen. Amorolfin und Ciclopirox sind auch als medizinische Lacke erhältlich und je nach Präparat einmal täglich bis zu einmal pro Woche auf den Nagel aufzutragen. Um die Wirksamkeit der Anti-Pilzmittel zu erhöhen, kann vorher der Nagel mit einer 40%igen Harnstoff-Zubereitung abgelöst werden.</p><p class="bodytext"> Damit es zwischen Nagel und Fuß nicht zu einem Pilz-Ping-Pong kommt, sollten man gleichzeitig auch Fußsohlen und Zehenzwischenräume mit einer antimykotischen Creme behandeln. Bei jeder Fuß- und/oder Nagelpilztherapie sind Hygienemaßnahmen zu beachten. Dazu gehört, dass Handtücher und Strümpfe bei mindestens 60°C mit einem Vollwaschmittel gewaschen werden sollten. Niedrigere Temperaturen machen den Pilzsporen nämlich wenig aus. Als zusätzliche Maßnahme kann man Schuhe mit einem antimykotischen Spray auf Basis von Clotrimoxazol einsprühen. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Für Menschen, die sich viel in Fußpilz-gefährdeten Arealen aufhalten, gibt es in der Apotheke ein Schutzspray für Füße und Nägel. Es bildet auf der Haut einen Film aus Copolymeren und wirkt wie eine unsichtbare Socke gegen Fußpilz. </p><p class="bodytext"><strong>Auch Schuppenflechte geht auf den Nagel </strong></p><p class="bodytext">Manchmal greifen auch Erkrankungen der Haut auf den Nagel über. So leidet etwa jede zweite Patient*in mit Schuppenflechte (Psoriasis) unter Nagelproblemen. Typisch sind punktförmigen Einsenkungen der Nagelplatte (sog. Tüpfelnägel), gelblich-braune Verfärbungen oder Krümelnägel. Betroffen sind vor allem Patient*innen, deren Schuppenflechte auch auf die Gelenke übergegriffen hat. Da die Nagelveränderungen den Gelenkproblemen häufig vorausgehen, sind schon die kleinsten Auffälligkeiten der behandelnden Ärzt*in zu berichten. </p><p class="bodytext">Bei konsequenter Behandlung der Schuppenflechte bilden sich die Nagelveränderungen oft wieder zurück. Entscheidet sich die Ärzt*in für eine Lokaltherapie, kommen meist kortisonhaltige Cremes zum Einsatz, eventuell auch kombiniert mit Calcipotriol. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Als Selbstmedikation kann die Patient*in ihre Nägel mit harnstoff-haltigem Nagellack aus der Apotheke behandeln. Dieser wird sechs Monate lang einmal täglich aufgetragen und glättet den Nagel. Eine andere Möglichkeit ist eine Nagelkur mit pflegenden Nagellacken, die z. B. Chitosan , Kieselerde und Schwefel enthalten. Auch solche Lacke sind in der Apotheke erhältlich. </p><p class="bodytext">Quelle: Dr. Claudia Bruhn, DAZ 2020, Nr. 26, S. 48</p>

<p class="bodytext">Die Wechseljahre verlaufen höchst unterschiedlich: Einige Frauen merken kaum etwas davon, andere leiden so stark unter Hitzewallungen und anderen Beschwerden, dass eine Behandlung erforderlich ist. Das Angebot dafür ist breit und reicht von Hormonen über Pflanzenmedizin bis hin zu Akupunktur und Psychotherapie. Lesen Sie hier, was im konkreten Fall hilft. </p><p class="bodytext"><strong>Prä, Post oder Peri? </strong></p><p class="bodytext">Die Wechseljahre (oder auch das Klimakterium) bezeichnen den Übergang von der fruchtbaren in die unfruchtbare Phase im Leben einer Frau. Sie sind geprägt von hormonellen Umstellungen und werden in drei Abschnitte eingeteilt:</p><p class="bodytext"><ul><li>Irgendwann zwischen 40 und 45 beginnen die Eierstöcke, weniger Hormone zu produzieren. Zuerst sinkt das Gelbkörperhormon (Progesteron), etwas später das Östrogen. Die Regelblutungen werden meist unregelmäßig und die Fruchtbarkeit nimmt ab, die ersten Wechseljahrsbeschwerden treten auf. Diese Phase wird als <strong>Prämenopause </strong>bezeichnet.</li><li>Zwischen 49 und 55 Jahren hören die Regelblutungen dann ganz auf: Es kommt zur letzten eierstockgesteuerten Blutung, der sogenannten „Menopause“. Die Monate davor und die ersten 12 Monate nach dieser Blutung ist der Zeitraum der <strong>Perimenopause</strong>.</li><li>Danach tritt die Frau in die <strong>Postmenopause </strong>ein. In dieser Zeit sind die Wechseljahrsbeschwerden oft am stärksten, sie halten je nach Frau bis zu 7 Jahren an. Die Postmenopause dauert etwa 10 bis 15 Jahre, mit 65 Jahren schließt sich dann das Senium an. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis</strong>: Im Allgemeinen werden mit dem Begriff „Wechseljahre“ die Perimenopause und die ersten Jahre der Postmenopause bezeichnet. </p><p class="bodytext"><strong>Beschwerden weisen den Weg </strong></p><p class="bodytext">Neben unregelmäßigen Blutungen sind vor allem vasomotorische Beschwerden typisch für die Wechseljahre. Darunter versteht man Hitzewallungen mit plötzlicher vermehrter Hautrötung, starkem Wärmegefühl und Schweißausbrüchen. Diese Beschwerden können sehr belastend sein: Manche Frauen fühlen sich durch die plötzlich auftretenden, von außen sichtbaren Hitzewellen vor allem im Berufsleben eingeschränkt. Andere leiden unter so starken nächtlichen Schweißausbrüchen, dass mehrmals nachts die Bettwäsche gewechselt werden muss. </p><p class="bodytext">Weitere typische Beschwerden sind:</p><p class="bodytext"><ul><li>vorübergehendes Herzklopfen, Beklemmungsgefühl</li><li>Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Reizbarkeit</li><li>Libidoverlust</li><li>urogenitale Probleme wie Scheidentrockenheit, Blasenschwäche oder vermehrte Harnwegsinfekte</li><li>vorübergehender vermehrter Haarausfall, vermehrter Haarwuchs im Gesicht (durch relativen Überschuss des männlichen Sexualhormons Testosteron)</li><li>langfristig Osteoporose, Rücken- und Gelenkschmerzen. </li></ul></p><p class="bodytext">Bei Frauen über 45 wird die Menopause anhand der genannten Beschwerden diagnostiziert. Die Bestimmung der Hormonspiegel ist meist überflüssig und aufgrund der häufigen Schwankungen wenig aussagekräftig. Werden Hormone bestimmt, sind niedrige Spiegel von Östrogen und Progesteron, normale Testosteronspiegel und erhöhte FSH- oder LH-Werte typisch. </p><p class="bodytext">Bei jüngeren Frauen mit klimakterischen Beschwerden ist die Messung der Hormonspiegel erforderlich, um ein verfrühtes Erlöschen der Eierstockfunktion zu erkennen. Zu den sogenannten „vorzeitigen Wechseljahren“ kommt es zum Beispiel anlagebedingt, bei Autoimmunerkrankungen, durch Strahlen- oder Chemotherapie oder nach Entfernung der Eierstöcke (zum Beispiel wegen Eierstockkrebs oder Endometriose). </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis</strong>: Auch starkes Rauchen führt dazu, dass die Wechseljahre früher beginnen. Ursache ist die allgemeine Gefäßschädigung, die auch zu einer schlechteren Durchblutung der Eierstöcke führt. </p><p class="bodytext"><strong>Was tun gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche? </strong></p><p class="bodytext">Bei einem Drittel der Frauen sind die Beschwerden während der Wechseljahre so stark, dass eine Behandlung nötig ist. Dafür werden die verschiedensten Präparate und Verfahren empfohlen, deren therapeutischer Nutzen sich stark unterscheidet. Am effektivsten wirken Östrogene. Allein oder in Kombination mit Gestagenen reduzieren sie die Häufigkeit der Hitzewallungen um 75%. </p><p class="bodytext">Inzwischen weiß man jedoch, dass die früher so häufig und teils auch unkritisch eingesetzte Hormonersatztherapie (HRT) viele Gefahren hat. Je nachdem, welche Hormone und in welcher Art und Dauer sie verabreicht werden, erhöht sich bei Einnahme das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs, Brustkrebs, Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie Gallenblasenerkrankungen. Aus diesem Grund wird die HRT nur bei Frauen mit erheblichen Wechseljahrsbeschwerden empfohlen (sowie bei jüngeren Frauen, deren Eierstockfunktion aus oben genannten Gründen frühzeitig erloschen ist), und nur wenn alle andere Therapieoptionen ausgeschöpft sind. Dabei ist immer kritisch zu hinterfragen, ob der damit einhergehende Nutzen die doch erheblichen Risiken aufwiegt. </p><p class="bodytext">Die HRT ist zudem eine höchst individuelle Angelegenheit: Hormonpräparat, Dosis, Dauer und Art der Verabreichung müssen für jede Patientin maßgeschneidert ausgewählt werden, oft sind in den ersten Monaten auch Anpassungen notwendig. Dabei ist die Hormontherapie keine Dauertherapie, sondern aufgrund der genannten Risiken so früh wie möglich wieder abzusetzen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Die orale Hormongabe ist kontraindiziert bei hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Brustkrebs. Ferner wird sie nicht empfohlen bei starkem Übergewicht, regelmäßigem Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Rauchen, da diese Faktoren ebenfalls das Brustkrebsrisiko erhöhen. </p><p class="bodytext"><strong>Hormontherapie — das sollte man wissen </strong></p><p class="bodytext"><strong>Monotherapie oder Kombinationstherapie?</strong> Östrogene regen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an. Dadurch steigt das Risiko, einen Gebärmutterschleimhautkrebs zu entwickeln. Um dieses Risiko zu verringern, verordnet man Östrogene in Kombination mit Gestagen (Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie). Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben, können auch ausschließlich Östrogene einnehmen (Östrogen-Monotherapie). </p><p class="bodytext"><strong>Tablette oder Scheidenzäpfchen? </strong>Das hängt davon ab, welche Beschwerden behandelt werden sollen. Um Hitzewallungen und Schweißausbrüche einzudämmen, ist die Verabreichung der Hormone „von innen“, also systemisch über den Blutweg, erforderlich. In das Blut gelangen die Wirkstoffe nach Einnahme von Tabletten oder durch Aufnahme über die Haut, zum Beispiel mit Hilfe eines transdermalen Pflasters oder eines Sprays. Genitale Beschwerden wie Scheidentrockenheit oder Juckreiz an der Vulva lassen sich dagegen besser lokal mit einer Creme, einer Salbe oder Scheidenzäpfchen lindern. Bei solch einer lokalen Therapie treten meist nur sehr geringe Mengen Östrogen ins Blut über. </p><p class="bodytext"><strong>Welches Östrogen?</strong> Als Östrogene werden meist Estradiol oder Estriol verordnet. Estradiol gibt es als Tabletten, Pflaster, Spray, Creme und Scheidenzäpfchen. Estriol ist schwächer wirksam und steht nur zur lokalen Therapie als Creme, Vaginaltabletten oder Scheidenzäpfchen zur Verfügung. Tibolon (zum Beispiel Liviella<sup>®</sup>) ist ein oral einzunehmendes synthetisches Steroidhormon, das östrogenähnlich wirkt. Es ist zwar etwas weniger effektiv gegen Hitzewallungen, soll aber auch weniger stark auf die Gebärmutterschleimhaut wirken. Dieser ursprüngliche Vorteil wird inzwischen angezweifelt. Dies und das erhöhte Risiko für Schlaganfälle und Brustkrebs hat dazu geführt, dass Tibolon nur noch in Ausnahmefällen verordnet wird. </p><p class="bodytext"><strong>Welches Gestagen? </strong>Die meisten Gestagene liegen in Tablettenform vor. Nur der Wirkstoff Norethisteronacetat ist als transdermales Pflaster erhältlich (zum Beispiel Estragest TTS<sup>®</sup>). Aktuell gehen die Expert*innen davon aus, dass der Gestagenanteil einer kombinierten Hormontherapie für die Erhöhung des Brustkrebsrisikos verantwortlich ist. Dabei scheint natürliches Progesteron weniger riskant zu sein als synthetisch hergestellte Gestagene. </p><p class="bodytext"><strong>Kontinuierlich oder zyklisch? </strong>Ob die Hormone dauerhaft oder in Zyklen eingenommen werden hängt von der Patientin ab. Folgende Einnahmeschemata sind möglich:</p><p class="bodytext"><ul><li>Zyklische Kombinationstherapie: Tag 0 bis 6 Östrogen, Tag 7 bis 20 Oströgen-Gestagen-Kombination, Tag 21 bis 28 Pause ohne Hormoneinnahme. Geeignet für jüngere Frauen in der Peri- und frühen Postmenopause und als Beginn einer HRT.</li><li>Zyklische Kombinationstherapie über 28 Tage: Tag 0 bis 14 Östrogen, Tag 15 bis 28 Östrogen-Gestagen-Kombination, keine Hormonpause. Geeignet für jüngere Frauen in der Peri- und frühen Postmenopause und als Beginn einer HRT.</li><li>Kontinuierliche Kombinationstherapie: dauerhafte Einnahme einer Östrogen-Gestagen-Kombination ohne Hormonpause. Geeignet für Frauen in der Postmenopause, meist nach einer zyklischen Kombinationstherapie.</li><li>Östrogen-Monotherapie: Dauerhafte Einnahme von Östrogenen, nur geeignet für Frauen ohne Gebärmutter. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wenn eine Hormontherapie erforderlich ist, ziehen es die meisten Frauen vor, so schnell wie möglich keine Blutungen mehr zu haben. Das klappt am besten mit der kontinuierlichen Kombinationstherapie: Hier bildet sich die Gebärmutterschleimhaut nach etwa 6 Monaten so weit zurück, dass es nicht mehr zu Blutungen kommt. </p><p class="bodytext"><strong>Was können Pflanzen? </strong></p><p class="bodytext">Viele Frauen möchten ihren Hitzewallungen lieber pflanzlich entgegentreten. Aus der Pflanzenwelt gilt vor allem die Traubensilberkerze (Cimicifuga, zum Beispiel in Klymadynon<sup>®</sup>Filmtabletten oder Femikliman<sup>®</sup> Filmtabletten) als Waffe gegen Hitzewallungen. Ihre Sicherheit und Wirkung ist in vielen Studien untersucht worden. Die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich, ebenso wie die daraus abgeleiteten Empfehlungen. Die Gesellschaft für Phytotherapie sieht den Nutzen der Traubensilberze als erwiesen an, andere Experten sehen einen „möglichen Nutzen“. Allgemein gilt die Auffassung, dass ein Versuch damit nicht schaden kann. Aus Sicherheitsgründen sollen jedoch immer registrierte Arzneimittel verwendet werden.</p><p class="bodytext"> Isoflavone wie Genistein, Daidzein und Glycitein sind Pflanzeninhaltsstoffe, deren chemische Struktur denen des Östrogens ähnelt und die deshalb auch Phytoöstrogene genannt werden. Sie sollen von den Wechseljahrsbeschwerden am ehesten die Hitzewallungen günstig beeinflussen, wobei auch hier die Ergebnisse nicht konsistent sind. Dosiert wird bei Isoflavonen mit 30 bis 80 mg täglich, es gibt sie zum Beispiel als Soja-Extrakt oder Rotklee-Extrakt. </p><p class="bodytext">Auch Johanniskraut soll gegen Hitzewallungen wirken. Hier wird eine Dosierung von 300 mg am Tag empfohlen. Manchen Expert*innen sehen Johanniskraut als beste Möglichkeit zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden bei Frauen nach Brustkrebs, Alternative ist in dieser Situation auch Gabapentin. </p><p class="bodytext"><strong>Mit Psychopharmaka gegen die Hitze? </strong></p><p class="bodytext">Es gibt verschiedene Psychopharmaka, die gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche helfen sollen. Bisherige Studienergebnisse sind allerdings widersprüchlich. Für Frauen, die weder Hormone noch Phytoöstrogene einnehmen dürfen, sind Präparate wie das Antiepileptikum Gabapentin, das blutdrucksenkende Clonidin oder bestimmte Antidepressiva (SSRI, NSRI) eine Behandlungsoption. </p><p class="bodytext"><strong>Beschwerden untenrum angehen </strong></p><p class="bodytext">Neben den vasomotorischen Beschwerden belasten viele Frauen vor allem die Probleme im urogenitalen Bereich. Denn auch die die Schleimhäute von Harnwegen und Scheide besitzen Rezeptoren für Östrogene und Gestagene. Sinken die Hormonspiegel, degenerieren die Schleimhäute, sie werden dünner und trockener. Dadurch kommt es zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und/oder Wasserlassen, zu Juckreiz, vermehrten Infekten und Blasenschwäche. Die systemische Hormontherapie richtet hier meist wenig aus, besser wird vor Ort, also direkt an den Schleimhäuten angesetzt. Behandlungsoptionen sind:</p><p class="bodytext"><ul><li>Gleitgele oder Befeuchtungsgele. Sie erleichtern den Geschlechtsverkehr und helfen bei Juckreiz und Trockenheit.</li></ul></p><p class="bodytext"><ul><li>Lokale Hormontherapie in niedriger bis ultraniedriger Dosierung. Dafür gibt es Cremes, Gele, Vaginaltabletten, Ovula, Pessare und Vaginalringe. Empfohlen werden dafür vor allem Estrio-haltige Präparate (zum Beispiel OeKolp<sup>®</sup> forte Vaginalzäpfchen, Estriol Wolff<sup>®</sup> Vaginalcreme oder Ovestin 1 mg Tabletten).</li><li>Laserbehandlung. Dabei wird die Scheide durch einen Vaginallaser von innen mit Laserimpulsen behandelt. Dies soll die Scheidenwände dicker und elastischer machen sowie die Feuchtigkeit verbessern. 3 Behandlungen werden empfohlen, aussagekräftige Vergleichsstudien und Langzeitergebnisse stehen noch aus. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Zusätzlich hilfreich bei Blasenschwäche sind Beckenbodentraining sowie die Gewichtsreduktion bei Übergewicht. </p><p class="bodytext"><strong>Was kann man sonst noch tun? </strong></p><p class="bodytext">Neben Hormonen und Pflanzentherapeutika werden viele weitere Maßnahmen oder Präparate gegen Wechseljahrsbeschwerden empfohlen. Nur wenige sind aber wirklich hilfreich. Effektiv nach heutigem Wissenstand sind psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasierte Therapieverfahren. Dabei lernen die Frauen, Faktoren zu vermeiden, die die Hitzewallungen begünstigen (wie z. B. Stress, ungünstige Schlafgewohnheiten oder übertriebene Sorgen). Auch Akupunktur soll nützlich sein, ihr Effekt ist allerdings geringer als der einer Hormontherapie. </p><p class="bodytext">Ob Maßnahmen wie Ausdauersport und Tiefenentspannung hilfreich gegen Hitzewallungen sind, ist nach aktueller Studienlage ungewiss. Keinen Effekt hat offenbar die Einnahme chinesischer Kräuter, Gleiches soll Studien zufolge auch auf Vitamin E, Dihydroepiandrosteron und Melatonin zutreffen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Auch wenn Bewegung, Yoga und Entspannung die Hitzewallungen nicht direkt eindämmen, lohnt sich ihr Einsatz. Viele Frauen in den Wechseljahren berichten, dass es ihnen damit insgesamt besser geht. </p><p class="bodytext">Quellen: Leitlinie Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen; Sieglinde Plasonig, DAZ 2020, Nr. 34, Seite 40 </p>

<p class="bodytext">Die Wechseljahre verlaufen höchst unterschiedlich: Einige Frauen merken kaum etwas davon, andere leiden so stark unter Hitzewallungen und anderen Beschwerden, dass eine Behandlung erforderlich ist. Das Angebot dafür ist breit und reicht von Hormonen über Pflanzenmedizin bis hin zu Akupunktur und Psychotherapie. Lesen Sie hier, was im konkreten Fall hilft. </p><p class="bodytext"><strong>Prä, Post oder Peri? </strong></p><p class="bodytext">Die Wechseljahre (oder auch das Klimakterium) bezeichnen den Übergang von der fruchtbaren in die unfruchtbare Phase im Leben einer Frau. Sie sind geprägt von hormonellen Umstellungen und werden in drei Abschnitte eingeteilt:</p><p class="bodytext"><ul><li>Irgendwann zwischen 40 und 45 beginnen die Eierstöcke, weniger Hormone zu produzieren. Zuerst sinkt das Gelbkörperhormon (Progesteron), etwas später das Östrogen. Die Regelblutungen werden meist unregelmäßig und die Fruchtbarkeit nimmt ab, die ersten Wechseljahrsbeschwerden treten auf. Diese Phase wird als <strong>Prämenopause </strong>bezeichnet.</li><li>Zwischen 49 und 55 Jahren hören die Regelblutungen dann ganz auf: Es kommt zur letzten eierstockgesteuerten Blutung, der sogenannten „Menopause“. Die Monate davor und die ersten 12 Monate nach dieser Blutung ist der Zeitraum der <strong>Perimenopause</strong>.</li><li>Danach tritt die Frau in die <strong>Postmenopause </strong>ein. In dieser Zeit sind die Wechseljahrsbeschwerden oft am stärksten, sie halten je nach Frau bis zu 7 Jahren an. Die Postmenopause dauert etwa 10 bis 15 Jahre, mit 65 Jahren schließt sich dann das Senium an. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis</strong>: Im Allgemeinen werden mit dem Begriff „Wechseljahre“ die Perimenopause und die ersten Jahre der Postmenopause bezeichnet. </p><p class="bodytext"><strong>Beschwerden weisen den Weg </strong></p><p class="bodytext">Neben unregelmäßigen Blutungen sind vor allem vasomotorische Beschwerden typisch für die Wechseljahre. Darunter versteht man Hitzewallungen mit plötzlicher vermehrter Hautrötung, starkem Wärmegefühl und Schweißausbrüchen. Diese Beschwerden können sehr belastend sein: Manche Frauen fühlen sich durch die plötzlich auftretenden, von außen sichtbaren Hitzewellen vor allem im Berufsleben eingeschränkt. Andere leiden unter so starken nächtlichen Schweißausbrüchen, dass mehrmals nachts die Bettwäsche gewechselt werden muss. </p><p class="bodytext">Weitere typische Beschwerden sind:</p><p class="bodytext"><ul><li>vorübergehendes Herzklopfen, Beklemmungsgefühl</li><li>Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Reizbarkeit</li><li>Libidoverlust</li><li>urogenitale Probleme wie Scheidentrockenheit, Blasenschwäche oder vermehrte Harnwegsinfekte</li><li>vorübergehender vermehrter Haarausfall, vermehrter Haarwuchs im Gesicht (durch relativen Überschuss des männlichen Sexualhormons Testosteron)</li><li>langfristig Osteoporose, Rücken- und Gelenkschmerzen. </li></ul></p><p class="bodytext">Bei Frauen über 45 wird die Menopause anhand der genannten Beschwerden diagnostiziert. Die Bestimmung der Hormonspiegel ist meist überflüssig und aufgrund der häufigen Schwankungen wenig aussagekräftig. Werden Hormone bestimmt, sind niedrige Spiegel von Östrogen und Progesteron, normale Testosteronspiegel und erhöhte FSH- oder LH-Werte typisch. </p><p class="bodytext">Bei jüngeren Frauen mit klimakterischen Beschwerden ist die Messung der Hormonspiegel erforderlich, um ein verfrühtes Erlöschen der Eierstockfunktion zu erkennen. Zu den sogenannten „vorzeitigen Wechseljahren“ kommt es zum Beispiel anlagebedingt, bei Autoimmunerkrankungen, durch Strahlen- oder Chemotherapie oder nach Entfernung der Eierstöcke (zum Beispiel wegen Eierstockkrebs oder Endometriose). </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis</strong>: Auch starkes Rauchen führt dazu, dass die Wechseljahre früher beginnen. Ursache ist die allgemeine Gefäßschädigung, die auch zu einer schlechteren Durchblutung der Eierstöcke führt. </p><p class="bodytext"><strong>Was tun gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche? </strong></p><p class="bodytext">Bei einem Drittel der Frauen sind die Beschwerden während der Wechseljahre so stark, dass eine Behandlung nötig ist. Dafür werden die verschiedensten Präparate und Verfahren empfohlen, deren therapeutischer Nutzen sich stark unterscheidet. Am effektivsten wirken Östrogene. Allein oder in Kombination mit Gestagenen reduzieren sie die Häufigkeit der Hitzewallungen um 75%. </p><p class="bodytext">Inzwischen weiß man jedoch, dass die früher so häufig und teils auch unkritisch eingesetzte Hormonersatztherapie (HRT) viele Gefahren hat. Je nachdem, welche Hormone und in welcher Art und Dauer sie verabreicht werden, erhöht sich bei Einnahme das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs, Brustkrebs, Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie Gallenblasenerkrankungen. Aus diesem Grund wird die HRT nur bei Frauen mit erheblichen Wechseljahrsbeschwerden empfohlen (sowie bei jüngeren Frauen, deren Eierstockfunktion aus oben genannten Gründen frühzeitig erloschen ist), und nur wenn alle andere Therapieoptionen ausgeschöpft sind. Dabei ist immer kritisch zu hinterfragen, ob der damit einhergehende Nutzen die doch erheblichen Risiken aufwiegt. </p><p class="bodytext">Die HRT ist zudem eine höchst individuelle Angelegenheit: Hormonpräparat, Dosis, Dauer und Art der Verabreichung müssen für jede Patientin maßgeschneidert ausgewählt werden, oft sind in den ersten Monaten auch Anpassungen notwendig. Dabei ist die Hormontherapie keine Dauertherapie, sondern aufgrund der genannten Risiken so früh wie möglich wieder abzusetzen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Die orale Hormongabe ist kontraindiziert bei hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Brustkrebs. Ferner wird sie nicht empfohlen bei starkem Übergewicht, regelmäßigem Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Rauchen, da diese Faktoren ebenfalls das Brustkrebsrisiko erhöhen. </p><p class="bodytext"><strong>Hormontherapie — das sollte man wissen </strong></p><p class="bodytext"><strong>Monotherapie oder Kombinationstherapie?</strong> Östrogene regen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an. Dadurch steigt das Risiko, einen Gebärmutterschleimhautkrebs zu entwickeln. Um dieses Risiko zu verringern, verordnet man Östrogene in Kombination mit Gestagen (Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie). Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben, können auch ausschließlich Östrogene einnehmen (Östrogen-Monotherapie). </p><p class="bodytext"><strong>Tablette oder Scheidenzäpfchen? </strong>Das hängt davon ab, welche Beschwerden behandelt werden sollen. Um Hitzewallungen und Schweißausbrüche einzudämmen, ist die Verabreichung der Hormone „von innen“, also systemisch über den Blutweg, erforderlich. In das Blut gelangen die Wirkstoffe nach Einnahme von Tabletten oder durch Aufnahme über die Haut, zum Beispiel mit Hilfe eines transdermalen Pflasters oder eines Sprays. Genitale Beschwerden wie Scheidentrockenheit oder Juckreiz an der Vulva lassen sich dagegen besser lokal mit einer Creme, einer Salbe oder Scheidenzäpfchen lindern. Bei solch einer lokalen Therapie treten meist nur sehr geringe Mengen Östrogen ins Blut über. </p><p class="bodytext"><strong>Welches Östrogen?</strong> Als Östrogene werden meist Estradiol oder Estriol verordnet. Estradiol gibt es als Tabletten, Pflaster, Spray, Creme und Scheidenzäpfchen. Estriol ist schwächer wirksam und steht nur zur lokalen Therapie als Creme, Vaginaltabletten oder Scheidenzäpfchen zur Verfügung. Tibolon (zum Beispiel Liviella<sup>®</sup>) ist ein oral einzunehmendes synthetisches Steroidhormon, das östrogenähnlich wirkt. Es ist zwar etwas weniger effektiv gegen Hitzewallungen, soll aber auch weniger stark auf die Gebärmutterschleimhaut wirken. Dieser ursprüngliche Vorteil wird inzwischen angezweifelt. Dies und das erhöhte Risiko für Schlaganfälle und Brustkrebs hat dazu geführt, dass Tibolon nur noch in Ausnahmefällen verordnet wird. </p><p class="bodytext"><strong>Welches Gestagen? </strong>Die meisten Gestagene liegen in Tablettenform vor. Nur der Wirkstoff Norethisteronacetat ist als transdermales Pflaster erhältlich (zum Beispiel Estragest TTS<sup>®</sup>). Aktuell gehen die Expert*innen davon aus, dass der Gestagenanteil einer kombinierten Hormontherapie für die Erhöhung des Brustkrebsrisikos verantwortlich ist. Dabei scheint natürliches Progesteron weniger riskant zu sein als synthetisch hergestellte Gestagene. </p><p class="bodytext"><strong>Kontinuierlich oder zyklisch? </strong>Ob die Hormone dauerhaft oder in Zyklen eingenommen werden hängt von der Patientin ab. Folgende Einnahmeschemata sind möglich:</p><p class="bodytext"><ul><li>Zyklische Kombinationstherapie: Tag 0 bis 6 Östrogen, Tag 7 bis 20 Oströgen-Gestagen-Kombination, Tag 21 bis 28 Pause ohne Hormoneinnahme. Geeignet für jüngere Frauen in der Peri- und frühen Postmenopause und als Beginn einer HRT.</li><li>Zyklische Kombinationstherapie über 28 Tage: Tag 0 bis 14 Östrogen, Tag 15 bis 28 Östrogen-Gestagen-Kombination, keine Hormonpause. Geeignet für jüngere Frauen in der Peri- und frühen Postmenopause und als Beginn einer HRT.</li><li>Kontinuierliche Kombinationstherapie: dauerhafte Einnahme einer Östrogen-Gestagen-Kombination ohne Hormonpause. Geeignet für Frauen in der Postmenopause, meist nach einer zyklischen Kombinationstherapie.</li><li>Östrogen-Monotherapie: Dauerhafte Einnahme von Östrogenen, nur geeignet für Frauen ohne Gebärmutter. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wenn eine Hormontherapie erforderlich ist, ziehen es die meisten Frauen vor, so schnell wie möglich keine Blutungen mehr zu haben. Das klappt am besten mit der kontinuierlichen Kombinationstherapie: Hier bildet sich die Gebärmutterschleimhaut nach etwa 6 Monaten so weit zurück, dass es nicht mehr zu Blutungen kommt. </p><p class="bodytext"><strong>Was können Pflanzen? </strong></p><p class="bodytext">Viele Frauen möchten ihren Hitzewallungen lieber pflanzlich entgegentreten. Aus der Pflanzenwelt gilt vor allem die Traubensilberkerze (Cimicifuga, zum Beispiel in Klymadynon<sup>®</sup>Filmtabletten oder Femikliman<sup>®</sup> Filmtabletten) als Waffe gegen Hitzewallungen. Ihre Sicherheit und Wirkung ist in vielen Studien untersucht worden. Die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich, ebenso wie die daraus abgeleiteten Empfehlungen. Die Gesellschaft für Phytotherapie sieht den Nutzen der Traubensilberze als erwiesen an, andere Experten sehen einen „möglichen Nutzen“. Allgemein gilt die Auffassung, dass ein Versuch damit nicht schaden kann. Aus Sicherheitsgründen sollen jedoch immer registrierte Arzneimittel verwendet werden.</p><p class="bodytext"> Isoflavone wie Genistein, Daidzein und Glycitein sind Pflanzeninhaltsstoffe, deren chemische Struktur denen des Östrogens ähnelt und die deshalb auch Phytoöstrogene genannt werden. Sie sollen von den Wechseljahrsbeschwerden am ehesten die Hitzewallungen günstig beeinflussen, wobei auch hier die Ergebnisse nicht konsistent sind. Dosiert wird bei Isoflavonen mit 30 bis 80 mg täglich, es gibt sie zum Beispiel als Soja-Extrakt oder Rotklee-Extrakt. </p><p class="bodytext">Auch Johanniskraut soll gegen Hitzewallungen wirken. Hier wird eine Dosierung von 300 mg am Tag empfohlen. Manchen Expert*innen sehen Johanniskraut als beste Möglichkeit zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden bei Frauen nach Brustkrebs, Alternative ist in dieser Situation auch Gabapentin. </p><p class="bodytext"><strong>Mit Psychopharmaka gegen die Hitze? </strong></p><p class="bodytext">Es gibt verschiedene Psychopharmaka, die gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche helfen sollen. Bisherige Studienergebnisse sind allerdings widersprüchlich. Für Frauen, die weder Hormone noch Phytoöstrogene einnehmen dürfen, sind Präparate wie das Antiepileptikum Gabapentin, das blutdrucksenkende Clonidin oder bestimmte Antidepressiva (SSRI, NSRI) eine Behandlungsoption. </p><p class="bodytext"><strong>Beschwerden untenrum angehen </strong></p><p class="bodytext">Neben den vasomotorischen Beschwerden belasten viele Frauen vor allem die Probleme im urogenitalen Bereich. Denn auch die die Schleimhäute von Harnwegen und Scheide besitzen Rezeptoren für Östrogene und Gestagene. Sinken die Hormonspiegel, degenerieren die Schleimhäute, sie werden dünner und trockener. Dadurch kommt es zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und/oder Wasserlassen, zu Juckreiz, vermehrten Infekten und Blasenschwäche. Die systemische Hormontherapie richtet hier meist wenig aus, besser wird vor Ort, also direkt an den Schleimhäuten angesetzt. Behandlungsoptionen sind:</p><p class="bodytext"><ul><li>Gleitgele oder Befeuchtungsgele. Sie erleichtern den Geschlechtsverkehr und helfen bei Juckreiz und Trockenheit.</li></ul></p><p class="bodytext"><ul><li>Lokale Hormontherapie in niedriger bis ultraniedriger Dosierung. Dafür gibt es Cremes, Gele, Vaginaltabletten, Ovula, Pessare und Vaginalringe. Empfohlen werden dafür vor allem Estrio-haltige Präparate (zum Beispiel OeKolp<sup>®</sup> forte Vaginalzäpfchen, Estriol Wolff<sup>®</sup> Vaginalcreme oder Ovestin 1 mg Tabletten).</li><li>Laserbehandlung. Dabei wird die Scheide durch einen Vaginallaser von innen mit Laserimpulsen behandelt. Dies soll die Scheidenwände dicker und elastischer machen sowie die Feuchtigkeit verbessern. 3 Behandlungen werden empfohlen, aussagekräftige Vergleichsstudien und Langzeitergebnisse stehen noch aus. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Zusätzlich hilfreich bei Blasenschwäche sind Beckenbodentraining sowie die Gewichtsreduktion bei Übergewicht. </p><p class="bodytext"><strong>Was kann man sonst noch tun? </strong></p><p class="bodytext">Neben Hormonen und Pflanzentherapeutika werden viele weitere Maßnahmen oder Präparate gegen Wechseljahrsbeschwerden empfohlen. Nur wenige sind aber wirklich hilfreich. Effektiv nach heutigem Wissenstand sind psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasierte Therapieverfahren. Dabei lernen die Frauen, Faktoren zu vermeiden, die die Hitzewallungen begünstigen (wie z. B. Stress, ungünstige Schlafgewohnheiten oder übertriebene Sorgen). Auch Akupunktur soll nützlich sein, ihr Effekt ist allerdings geringer als der einer Hormontherapie. </p><p class="bodytext">Ob Maßnahmen wie Ausdauersport und Tiefenentspannung hilfreich gegen Hitzewallungen sind, ist nach aktueller Studienlage ungewiss. Keinen Effekt hat offenbar die Einnahme chinesischer Kräuter, Gleiches soll Studien zufolge auch auf Vitamin E, Dihydroepiandrosteron und Melatonin zutreffen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Auch wenn Bewegung, Yoga und Entspannung die Hitzewallungen nicht direkt eindämmen, lohnt sich ihr Einsatz. Viele Frauen in den Wechseljahren berichten, dass es ihnen damit insgesamt besser geht. </p><p class="bodytext">Quellen: Leitlinie Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen; Sieglinde Plasonig, DAZ 2020, Nr. 34, Seite 40 </p>

<p class="bodytext">Jucken und Brennen am After, Schmerzen beim Stuhlgang und Blutspuren am Toilettenpapier — das kennen viele Deutsche. Dahinter können von Analfissuren bis hin zum Darmkrebs allerhand Erkrankungen stecken, oft sind jedoch vergrößerte Hämorrhoiden schuld. Erfahren Sie im aktuellen Ratgeber, wie Sie sich mit Sitzbädern, Salben und Analtampons selbst helfen können und bei welchen Beschwerden die Ärzt*in aufzusuchen ist. </p><p class="bodytext"><strong>Häufig, aber tabu </strong></p><p class="bodytext">Etwa 4% der Bevölkerung begeben sich jährlich wegen eines Hämorrhoidalleidens in ärztliche Behandlung. Doch weil das Jucken und Brennen am After vielen Menschen peinlich ist, sind Hämorrhoiden immer noch ein Tabuthema und die Dunkelziffer der Betroffenen ist hoch: Expert*innen schätzen, dass die Hälfte der Deutschen im Laufe ihres Lebens darunter leidet. </p><p class="bodytext"><strong>Was steckt eigentlich hinter den „Hämorrhoiden“? </strong></p><p class="bodytext">Im Grunde genommen hat jeder Mensch Hämorrhoiden: Im anatomischen Sinn handelt es sich dabei nämlich um die Gefäßpolster, die als ringförmiger Schwellkörper dem Feinverschluss des Afters dienen. Beschwerden machen sie erst, wenn sie vergrößert sind. Dann spricht man von einem Hämorrhoidalleiden — abgekürzt oft „Hämorrhoiden“ genannt. Dabei sind die Gefäßpolster häufig nicht nur vergrößert, sie bilden auch einzelne oder mehrere Knoten, die platzen (und bluten) und aus dem After hervortreten können. Im fortgeschrittenen Stadium ist zudem der innere Verschluss des Afters so geschädigt, dass Darmgase und Stuhl unkontrolliert abgehen. </p><p class="bodytext">Je nach Ausmaß der Veränderungen teilt man das Hämorrhoidalleiden in 4 Stadien ein: Bei Grad 1 sind die Gefäßpolster vergrößert. Bei Grad 2 werden sie während des Pressens beim Stuhlgang vorübergehend aus dem After gedrückt, ziehen sich aber von selbst zurück. Grad 3 bedeutet, dass die vorgefallenen Hämorrhoiden manuell wieder in den Anus zurückgeschoben werden müssen, bei Hämorrhoiden Grad 4 ist dies nicht mehr möglich, die Gefäßknoten befinden sich permanent außerhalb des Analkanals. </p><p class="bodytext"><strong>Ursachen noch unklar </strong></p><p class="bodytext">Warum sich die Hämorrhoiden vergrößern, ist nach wie vor unklar. Auf jeden Fall eine Rolle spielen die elastischen und muskulären Fasern der Gefäße, die beim Hämorrhoidalleiden geschädigt sind. Als Ursache dafür kommen folgende Faktoren in Frage:</p><p class="bodytext"><ul><li>angeborene Bindegewebsschwäche</li><li>degenerative (altersbedingte) oder entzündliche Veränderungen des Bindegewebes</li><li>starkes Pressen bei chronischer Verstopfung und zu hartem Stuhl, Ernährung mit zu wenig Ballaststoffen</li><li>häufiger Durchfall und zu weicher oder flüssiger Stuhl (weil die Gefäßpolster dann ständig aktiv den Stuhl zurückhalten müssen und sich so nicht ausreichend entspannen können), Missbrauch von Abführmitteln</li><li>Übergewicht, Schwangerschaft (weil jedes Kilo mehr den Beckenboden belastet, wodurch sich auch die Blutgefäße im Analbereich erweitern</li><li>Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeit (weil sie eine begünstigen Verstopfung begünstigen)</li><li>erhöhter Alkoholkonsum (weil Alkohol die Gefäße auch im Analbereich erweitert , d.h. auch die Hämorrhoiden).</li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Beschwerden immer abklären lassen! </strong></p><p class="bodytext">Die schmerzlose Blutung tritt in allen Stadien auf. Sie entsteht durch das Platzen eines Gefäßknotens, aus dem sich hellrotes, also arterielles Blut entleert. So lassen sich auch die Blutspuren am Toilettenpapier oder tropfende Blutungen aus dem After erklären. Häufig sind auch Schleimabsonderungen aus dem After, sie führen durch die dauerhafte Schleimhautreizung zu Juckreiz und Brennen am After. Ab Stadium 3 drohen zudem Stuhlschmieren mit Spuren in der Unterwäsche, weil der Stuhl nicht mehr komplett zurückgehalten werden kann. </p><p class="bodytext">Schmerzen treten erst in späteren Stadien auf. Sie entstehen oft durch begleitende kleine Risse in der Analschleimhaut oder durch Thrombosen in den Gefäßknoten. Dann können sich die Knoten auch als Fremdkörpergefühl oder Gefühl der nicht vollständigen Darmentleerung bemerkbar machen. </p><p class="bodytext">All diese Beschwerden sind unspezifisch und können Hinweise auf andere Erkrankungen sein. Da diese von der harmlosen Analfissur bis hin zum Darmkrebs reichen, ist von einer Selbstdiagnose dringend abzuraten. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Ob hellrot oder dunkelrot, ob viel Blut oder nur Spuren am Toilettenpapier: Jeder Blutabgang über den After muss von einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden! </p><p class="bodytext"><strong>Mehr Bewegung für Darm und Mensch </strong></p><p class="bodytext">Weniger Sitzen, mehr Bewegung und das Übergewicht reduzieren: Das sind die Maßnahmen, die beim Hämorrhoidalleiden begleitend empfohlen werden. Ob sie helfen, ist ungewiss, da keine ausreichenden Studien dazu vorliegen. Auch eine Ernährungsumstellung soll unterstützend wirken: Mehr Ballaststoffe machen harten Stuhl weicher und starkes Pressen überflüssig, was wiederum das Blutungsrisiko beim Stuhlgang reduziert. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei zu hartem Stuhl empfehlen sich indische Flohsamenschalen. Die erforderliche Dosis ist individuell unterschiedlich. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten, wie Sie dieses pflanzliche Mittel am besten anwenden. </p><p class="bodytext"><strong>Von betäuben bis gerben </strong></p><p class="bodytext">In frühen Stadien (1 und 2) ist eine konservative Therapie mit lokalen Wirkstoffen möglich. In manchen Fällen bilden sich die vergrößerten Hämorrhoiden so zurück. Auch in Stadium 3 und 4 kommen lokale Therapeutika ärztlich verordnet zum Einsatz, zum Beispiel beim Warten auf eine Operation.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Betäubende Wirkstoffe.</strong> Hier werden vor allem Lidocain (z. B. in Posterisan<sup>®</sup> akut Salbe mit Analdehner oder Posterisan akut Zäpfchen) und Quinisocain (z. B. in Haenal<sup>®</sup> akut Creme) empfohlen. Beide Wirkstoffe sind rezeptfrei erhältlich. Die Cremes und Salben dürfen jedoch nur wenige Tage (z. B. bis zum Arztbesuch) in Selbstmedikation eingesetzt werden, Zäpfchen bis zu 6 Wochen. In der Stillzeit sind beide Wirkstoffe verboten, in der Schwangerschaft sollen sie nur nach Absprache mit Ärztin oder Arzt verwendet werden. Auch bei Cinchocain ist die Anwendung auf eine Woche beschränkt , es ist rezeptpflichtig als Salbe, Analtampon und Zäpfchen erhältlich (zum Beispiel DoloPosterine<sup>®</sup>N).</li><li><strong>Gerbstoffe.</strong> Gerbstoffe helfen bei äußeren Beschwerden wie Juckreiz und Brennen. Sie kommen als Sitzbäder und Salben zum Einsatz, typische Vertreter sind basisches Bismutgallat (plus sekretbindendes Titanoxid oder Zinkoxid), zum Beispiel in Mastu<sup>®</sup> Salbe oder Zäpfchen oder Eulatin NH Salbe. Auch Hamamelis-Extrakte wirken gerbend, sie sind zum Beispiel in Faktu<sup>®</sup> lind Salbe mit Hamamelis oder Haenal® Hamamelis Zäpfchen enthalten. Sitzbäder und Umschläge lassen sich zum Beispiel aus Tannosynt<sup>®</sup> flüssig Lösung oder Tannolact<sup>®</sup> Badezusatz herstellen. Ob Gerbstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden dürfen, ist individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abzuklären.</li><li><strong>Kortison.</strong> Gegen starke Entzündungen und Schmerzen verschreiben die Ärztin oder der Arzt in Ausnahmefällen lokale Mittel, die neben dem betäubenden Lidocain auch Kortison enthalten (zum Beispiel Doloproct<sup>®</sup> Rektalcreme oder Doloproct<sup>®</sup> Zäpfchen). Diese dürfen höchstens zwei Wochen angewendet werden, da sie zu einem Abbau der analen Schleimhaut führen können und außerdem die Infektion mit Pilzen im Darm begünstigen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Wer rektale Wirkstoffe anwendet, muss beim Analverkehr vorsichtig sein: Die Reißfestigkeit von Kondomen ist dann nicht mehr gewährleistet. </p><p class="bodytext"><strong>Salbe, Zäpfchen oder Sitzbad? </strong></p><p class="bodytext">Um die lindernden Wirkstoffe an den Wirkort zu bringen, gibt es verschiedene Darreichungsformen, die jeweils Vor- und Nachteile haben.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Salben. </strong>Sie sind vor allem für den äußeren Analbereich praktisch. Wenn sie allerdings die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden erreichen sollen, müssen sie mit einem Applikator und/oder einem Analdehner verabreicht werden.</li><li><strong>Zäpfchen. </strong>Sie sind praktisch anzuwenden, rutschen aber nach Verabreichung an den Hämorrhoiden vorbei und in den Enddarm. Auf diese Weise gelangen die Wirkstoffe nur kurzfristig beim Stuhlgang an die Gefäßpolster, weshalb die Wirkung von Zäpfchen oft gering ist.</li><li><strong>Analtampons.</strong> Analtampons werden mit Hilfe eines Mullstreifens im Analkanal fixiert und wirken deshalb direkt am Ort des Geschehens. Ihr Nachteil ist das Fremdkörpergefühl, das sie während der Einwirkungsdauer verursachen.</li><li><strong>Sitzbäder und Umschläge.</strong> Sie wirken nur an der äußeren Haut rund um den After. Auf die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden haben sie keinen Einfluss. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei der Anwendung lokaler Wirkstoffe fließen häufig Sekrete aus dem Anus ab. Zum Auffangen eignen sich Analvorlagen oder atmungsaktive Slipeinlagen, die Sie in der Apotheke erhalten. </p><p class="bodytext"><strong>Was macht die Ärztin oder der Arzt? </strong></p><p class="bodytext">Die ärztlichen Behandlungsmethoden werden in sogenannte interventionelle und operative Verfahren unterteilt. Zu den Ersteren gehören die Sklerosierung und die Gummibandligatur, beide Verfahren sind ambulant möglich.</p><p class="bodytext"><ul><li>Bei der Sklerosierung wird ein Verödungsmittel in die Gefäßpolster gespritzt, wodurch diese im oberen Teil des Analkanals fixiert werden. Die Sklerosierung kommt vor allem in Stadium 1 und 2 zum Einsatz. Nachteil ist die recht hohe Rückfallquote.</li><li>Bei der Gummibandligatur wird das Hämorrhoidalgewebe mit einem Gummiband abgebunden, sodass die vergrößerten Hämorrhoiden absterben und abfallen. Hier ist die Rückfallquote niedriger. </li></ul></p><p class="bodytext">In Stadium 3 und 4 muss operiert werden, in der Regel erfolgt dies stationär. Je nach Ausmaß und Lage der Hämorrhoiden gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. So können die Hämorrhoiden beispielsweise komplett mit einem Skalpell oder einem Laser entfernt werden. Diese Operation heißt Hämorrhoidektomie. </p><p class="bodytext">Ein neueres Verfahren ist die Stapler-Operation, bei der die Hämorrhoiden mit Hilfe eines Klammernahtgerätes (Stapler) „geliftet“ und an ihrer ursprünglichen Position an die Analkanalschleimhaut angeklammert werden. Die Prognose ist bei allen Verfahren gut, manchmal kann es jedoch zu Rückfällen und erneuten Hämorrhoidalbeschwerden kommen. </p><p class="bodytext">Quellen: Katrin Krämer, DAZ 2020, Nr. 16, S. 54; www.internisten-im-netz.de </p>

<p class="bodytext">Jucken und Brennen am After, Schmerzen beim Stuhlgang und Blutspuren am Toilettenpapier — das kennen viele Deutsche. Dahinter können von Analfissuren bis hin zum Darmkrebs allerhand Erkrankungen stecken, oft sind jedoch vergrößerte Hämorrhoiden schuld. Erfahren Sie im aktuellen Ratgeber, wie Sie sich mit Sitzbädern, Salben und Analtampons selbst helfen können und bei welchen Beschwerden die Ärzt*in aufzusuchen ist. </p><p class="bodytext"><strong>Häufig, aber tabu </strong></p><p class="bodytext">Etwa 4% der Bevölkerung begeben sich jährlich wegen eines Hämorrhoidalleidens in ärztliche Behandlung. Doch weil das Jucken und Brennen am After vielen Menschen peinlich ist, sind Hämorrhoiden immer noch ein Tabuthema und die Dunkelziffer der Betroffenen ist hoch: Expert*innen schätzen, dass die Hälfte der Deutschen im Laufe ihres Lebens darunter leidet. </p><p class="bodytext"><strong>Was steckt eigentlich hinter den „Hämorrhoiden“? </strong></p><p class="bodytext">Im Grunde genommen hat jeder Mensch Hämorrhoiden: Im anatomischen Sinn handelt es sich dabei nämlich um die Gefäßpolster, die als ringförmiger Schwellkörper dem Feinverschluss des Afters dienen. Beschwerden machen sie erst, wenn sie vergrößert sind. Dann spricht man von einem Hämorrhoidalleiden — abgekürzt oft „Hämorrhoiden“ genannt. Dabei sind die Gefäßpolster häufig nicht nur vergrößert, sie bilden auch einzelne oder mehrere Knoten, die platzen (und bluten) und aus dem After hervortreten können. Im fortgeschrittenen Stadium ist zudem der innere Verschluss des Afters so geschädigt, dass Darmgase und Stuhl unkontrolliert abgehen. </p><p class="bodytext">Je nach Ausmaß der Veränderungen teilt man das Hämorrhoidalleiden in 4 Stadien ein: Bei Grad 1 sind die Gefäßpolster vergrößert. Bei Grad 2 werden sie während des Pressens beim Stuhlgang vorübergehend aus dem After gedrückt, ziehen sich aber von selbst zurück. Grad 3 bedeutet, dass die vorgefallenen Hämorrhoiden manuell wieder in den Anus zurückgeschoben werden müssen, bei Hämorrhoiden Grad 4 ist dies nicht mehr möglich, die Gefäßknoten befinden sich permanent außerhalb des Analkanals. </p><p class="bodytext"><strong>Ursachen noch unklar </strong></p><p class="bodytext">Warum sich die Hämorrhoiden vergrößern, ist nach wie vor unklar. Auf jeden Fall eine Rolle spielen die elastischen und muskulären Fasern der Gefäße, die beim Hämorrhoidalleiden geschädigt sind. Als Ursache dafür kommen folgende Faktoren in Frage:</p><p class="bodytext"><ul><li>angeborene Bindegewebsschwäche</li><li>degenerative (altersbedingte) oder entzündliche Veränderungen des Bindegewebes</li><li>starkes Pressen bei chronischer Verstopfung und zu hartem Stuhl, Ernährung mit zu wenig Ballaststoffen</li><li>häufiger Durchfall und zu weicher oder flüssiger Stuhl (weil die Gefäßpolster dann ständig aktiv den Stuhl zurückhalten müssen und sich so nicht ausreichend entspannen können), Missbrauch von Abführmitteln</li><li>Übergewicht, Schwangerschaft (weil jedes Kilo mehr den Beckenboden belastet, wodurch sich auch die Blutgefäße im Analbereich erweitern</li><li>Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeit (weil sie eine begünstigen Verstopfung begünstigen)</li><li>erhöhter Alkoholkonsum (weil Alkohol die Gefäße auch im Analbereich erweitert , d.h. auch die Hämorrhoiden).</li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Beschwerden immer abklären lassen! </strong></p><p class="bodytext">Die schmerzlose Blutung tritt in allen Stadien auf. Sie entsteht durch das Platzen eines Gefäßknotens, aus dem sich hellrotes, also arterielles Blut entleert. So lassen sich auch die Blutspuren am Toilettenpapier oder tropfende Blutungen aus dem After erklären. Häufig sind auch Schleimabsonderungen aus dem After, sie führen durch die dauerhafte Schleimhautreizung zu Juckreiz und Brennen am After. Ab Stadium 3 drohen zudem Stuhlschmieren mit Spuren in der Unterwäsche, weil der Stuhl nicht mehr komplett zurückgehalten werden kann. </p><p class="bodytext">Schmerzen treten erst in späteren Stadien auf. Sie entstehen oft durch begleitende kleine Risse in der Analschleimhaut oder durch Thrombosen in den Gefäßknoten. Dann können sich die Knoten auch als Fremdkörpergefühl oder Gefühl der nicht vollständigen Darmentleerung bemerkbar machen. </p><p class="bodytext">All diese Beschwerden sind unspezifisch und können Hinweise auf andere Erkrankungen sein. Da diese von der harmlosen Analfissur bis hin zum Darmkrebs reichen, ist von einer Selbstdiagnose dringend abzuraten. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Ob hellrot oder dunkelrot, ob viel Blut oder nur Spuren am Toilettenpapier: Jeder Blutabgang über den After muss von einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden! </p><p class="bodytext"><strong>Mehr Bewegung für Darm und Mensch </strong></p><p class="bodytext">Weniger Sitzen, mehr Bewegung und das Übergewicht reduzieren: Das sind die Maßnahmen, die beim Hämorrhoidalleiden begleitend empfohlen werden. Ob sie helfen, ist ungewiss, da keine ausreichenden Studien dazu vorliegen. Auch eine Ernährungsumstellung soll unterstützend wirken: Mehr Ballaststoffe machen harten Stuhl weicher und starkes Pressen überflüssig, was wiederum das Blutungsrisiko beim Stuhlgang reduziert. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei zu hartem Stuhl empfehlen sich indische Flohsamenschalen. Die erforderliche Dosis ist individuell unterschiedlich. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten, wie Sie dieses pflanzliche Mittel am besten anwenden. </p><p class="bodytext"><strong>Von betäuben bis gerben </strong></p><p class="bodytext">In frühen Stadien (1 und 2) ist eine konservative Therapie mit lokalen Wirkstoffen möglich. In manchen Fällen bilden sich die vergrößerten Hämorrhoiden so zurück. Auch in Stadium 3 und 4 kommen lokale Therapeutika ärztlich verordnet zum Einsatz, zum Beispiel beim Warten auf eine Operation.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Betäubende Wirkstoffe.</strong> Hier werden vor allem Lidocain (z. B. in Posterisan<sup>®</sup> akut Salbe mit Analdehner oder Posterisan akut Zäpfchen) und Quinisocain (z. B. in Haenal<sup>®</sup> akut Creme) empfohlen. Beide Wirkstoffe sind rezeptfrei erhältlich. Die Cremes und Salben dürfen jedoch nur wenige Tage (z. B. bis zum Arztbesuch) in Selbstmedikation eingesetzt werden, Zäpfchen bis zu 6 Wochen. In der Stillzeit sind beide Wirkstoffe verboten, in der Schwangerschaft sollen sie nur nach Absprache mit Ärztin oder Arzt verwendet werden. Auch bei Cinchocain ist die Anwendung auf eine Woche beschränkt , es ist rezeptpflichtig als Salbe, Analtampon und Zäpfchen erhältlich (zum Beispiel DoloPosterine<sup>®</sup>N).</li><li><strong>Gerbstoffe.</strong> Gerbstoffe helfen bei äußeren Beschwerden wie Juckreiz und Brennen. Sie kommen als Sitzbäder und Salben zum Einsatz, typische Vertreter sind basisches Bismutgallat (plus sekretbindendes Titanoxid oder Zinkoxid), zum Beispiel in Mastu<sup>®</sup> Salbe oder Zäpfchen oder Eulatin NH Salbe. Auch Hamamelis-Extrakte wirken gerbend, sie sind zum Beispiel in Faktu<sup>®</sup> lind Salbe mit Hamamelis oder Haenal® Hamamelis Zäpfchen enthalten. Sitzbäder und Umschläge lassen sich zum Beispiel aus Tannosynt<sup>®</sup> flüssig Lösung oder Tannolact<sup>®</sup> Badezusatz herstellen. Ob Gerbstoffe in Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden dürfen, ist individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abzuklären.</li><li><strong>Kortison.</strong> Gegen starke Entzündungen und Schmerzen verschreiben die Ärztin oder der Arzt in Ausnahmefällen lokale Mittel, die neben dem betäubenden Lidocain auch Kortison enthalten (zum Beispiel Doloproct<sup>®</sup> Rektalcreme oder Doloproct<sup>®</sup> Zäpfchen). Diese dürfen höchstens zwei Wochen angewendet werden, da sie zu einem Abbau der analen Schleimhaut führen können und außerdem die Infektion mit Pilzen im Darm begünstigen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Wer rektale Wirkstoffe anwendet, muss beim Analverkehr vorsichtig sein: Die Reißfestigkeit von Kondomen ist dann nicht mehr gewährleistet. </p><p class="bodytext"><strong>Salbe, Zäpfchen oder Sitzbad? </strong></p><p class="bodytext">Um die lindernden Wirkstoffe an den Wirkort zu bringen, gibt es verschiedene Darreichungsformen, die jeweils Vor- und Nachteile haben.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Salben. </strong>Sie sind vor allem für den äußeren Analbereich praktisch. Wenn sie allerdings die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden erreichen sollen, müssen sie mit einem Applikator und/oder einem Analdehner verabreicht werden.</li><li><strong>Zäpfchen. </strong>Sie sind praktisch anzuwenden, rutschen aber nach Verabreichung an den Hämorrhoiden vorbei und in den Enddarm. Auf diese Weise gelangen die Wirkstoffe nur kurzfristig beim Stuhlgang an die Gefäßpolster, weshalb die Wirkung von Zäpfchen oft gering ist.</li><li><strong>Analtampons.</strong> Analtampons werden mit Hilfe eines Mullstreifens im Analkanal fixiert und wirken deshalb direkt am Ort des Geschehens. Ihr Nachteil ist das Fremdkörpergefühl, das sie während der Einwirkungsdauer verursachen.</li><li><strong>Sitzbäder und Umschläge.</strong> Sie wirken nur an der äußeren Haut rund um den After. Auf die im Analkanal liegenden Hämorrhoiden haben sie keinen Einfluss. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei der Anwendung lokaler Wirkstoffe fließen häufig Sekrete aus dem Anus ab. Zum Auffangen eignen sich Analvorlagen oder atmungsaktive Slipeinlagen, die Sie in der Apotheke erhalten. </p><p class="bodytext"><strong>Was macht die Ärztin oder der Arzt? </strong></p><p class="bodytext">Die ärztlichen Behandlungsmethoden werden in sogenannte interventionelle und operative Verfahren unterteilt. Zu den Ersteren gehören die Sklerosierung und die Gummibandligatur, beide Verfahren sind ambulant möglich.</p><p class="bodytext"><ul><li>Bei der Sklerosierung wird ein Verödungsmittel in die Gefäßpolster gespritzt, wodurch diese im oberen Teil des Analkanals fixiert werden. Die Sklerosierung kommt vor allem in Stadium 1 und 2 zum Einsatz. Nachteil ist die recht hohe Rückfallquote.</li><li>Bei der Gummibandligatur wird das Hämorrhoidalgewebe mit einem Gummiband abgebunden, sodass die vergrößerten Hämorrhoiden absterben und abfallen. Hier ist die Rückfallquote niedriger. </li></ul></p><p class="bodytext">In Stadium 3 und 4 muss operiert werden, in der Regel erfolgt dies stationär. Je nach Ausmaß und Lage der Hämorrhoiden gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. So können die Hämorrhoiden beispielsweise komplett mit einem Skalpell oder einem Laser entfernt werden. Diese Operation heißt Hämorrhoidektomie. </p><p class="bodytext">Ein neueres Verfahren ist die Stapler-Operation, bei der die Hämorrhoiden mit Hilfe eines Klammernahtgerätes (Stapler) „geliftet“ und an ihrer ursprünglichen Position an die Analkanalschleimhaut angeklammert werden. Die Prognose ist bei allen Verfahren gut, manchmal kann es jedoch zu Rückfällen und erneuten Hämorrhoidalbeschwerden kommen. </p><p class="bodytext">Quellen: Katrin Krämer, DAZ 2020, Nr. 16, S. 54; www.internisten-im-netz.de </p>

<p class="bodytext">Beim Gemüseschneiden den Finger erwischt, beim Schreibtischaufräumen am Papier geschnitten oder auf der Treppe gestolpert und das Knie aufgeschürft: Kleine Schnitt- oder Schürfwunden sind im Alltag häufig. Zum Glück kommt der Körper mit kleinen Wunden meist selbst gut zurecht. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie man die Haut mit Pflaster, Desinfektionsmittel &amp; Co. bei der Wundheilung unterstützt und was es mit den modernen hydroaktiven Wundauflagen aus der Apotheke auf sich hat. </p><p class="bodytext"><strong>Lieber doch zum Arzt? </strong></p><p class="bodytext">Kleine Schnitt- und Schürwunden sind in der Regel kein Fall für den Arzt – sie lassen sich mit den üblichen Utensilien aus der Hausapotheke meist selbst gut behandeln. In manchen Fällen jedoch sollte man lieber die Finger von der Wunde lassen, diese lediglich mit einer Kompresse steril bedecken und ärztlich Rat einholen, z.B. bei</p><p class="bodytext"><ul><li>Tiefen und ausgedehnten Wunden</li><li>Andauernder, nicht stillbarer Blutung</li><li>Klaffenden Wundrändern</li><li>Fremdkörpern in der Wunde</li><li>Gestörter Sensibilität und /oder Bewegung (Verdacht auf Verletzung von Sehnen, Muskeln, Nerven). </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Denken Sie auch bei kleinen Verletzungen an Ihren Tetanusschutz! Liegt die letzte Auffrischung über 10 Jahre zurück, suchen Sie Ihren Arzt auf und lassen Sie sich zur Sicherheit erneut impfen. </p><p class="bodytext"><strong>Das macht der Körper </strong></p><p class="bodytext">Wird gesunde Haut verletzt, muss der Organismus die Wunde wieder verschließen. Je nachdem, wie tief der Schaden ist, heilt die Wunde mit oder ohne Narbe ab. Ist nur die Epidermis betroffen und die Basalschicht, also die unterste der insgesamt 5 Epidermisschichten, unversehrt, produzieren die dort ansässigen Basalzellen neue Hautzellen, die den Defekt von unten nach oben auffüllen. Bei dieser Art der Wundheilung („epitheliale Wundheilung“) entstehen keine Narben. </p><p class="bodytext">Reicht der Defekt über die Epidermis bis in die darunter liegende Lederhaut hinein, bildet sich statt richtigen Hautzellen eine bindegewebige Ersatzschicht und es entsteht eine mehr oder weniger große Narbe. Diese Art der Wundheilung („reparative Wundheilung“) läuft in 3 Heilungsphasen ab:</p><p class="bodytext"><ul><li>In der etwa 3 Tage dauernden Reinigungsphase werden Keime, Fremdkörper und Zelltrümmer aus der Wunde ausgeschwemmt und treten mit Plasma und Abwehrzellen als Wundsekret an die Oberfläche.</li><li>In der Proliferations- oder Granulationsphase füllt der Organismus den entstandenen Defekt wieder auf. Dafür wandern ab dem 4. Tag nach Verletzung Bindegewebszellen in die Wunde ein und bilden mit Kollagenfasern neues Gewebe. Außerdem sprießen kleine Gefäße ein, die über das Blut Sauerstoff und Nährstoffe an den Ort des Geschehens bringen. Diese Vorgänge laufen besonders gut in einem feuchten Milieu ab. Trocknet die Wunde aus und bildet sich Schorf, ist das heilende Zellwachstum gehemmt.</li><li>Zwischen dem 5. und 10. Tag nach Verletzung beginnt die Epithelisierungsphase, in der von den unverletzten Rändern der Wunde Epithelzellen in die Wunde einwandern und eine neue „Haut“ auf der Oberfläche bilden. Parallel dazu produzieren die darunter liegenden Bindegewebszellen weiter Kollagen, um die Wunde als Narbe zu verfestigen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Was die Heilung stört </strong></p><p class="bodytext">Bei glatten, dicht aneinander liegenden Wundrändern ist die Narbe oft kaum zu erkennen. Sind die Wunden größer oder liegen Wundheilungsstörungen vor, entsteht oft ausgedehntes Narbengewebe. Gestört wird das Heilen einer Wunde durch</p><p class="bodytext"><ul><li>Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, chronisch venöse Insuffizienz oder Durchblutungsstörung wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)</li><li>Infektionen der Wunde, eingedrungene Fremdkörper</li><li>Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen (z. B. bei Krebserkrankungen oder Infektionskrankheiten)</li><li>Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem schwächen, etwa Kortison oder Zytostatika (Krebsmedikamente). </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Suchen Sie bei zu langsamer Heilung oder beim geringsten Zeichen einer Infektion der Wunde (Rötung, Schmerzen, Schwellung) zur Sicherheit Ihren Arzt auf. Das gilt besonders, wenn Sie an oben genannten Stoffwechselerkrankungen leiden oder ein geschwächtes Immunsystem haben. </p><p class="bodytext"><strong>Reinigen ist das A und O </strong></p><p class="bodytext">Je sauberer eine Wunde ist, desto schneller und ungestörter kann sie verheilen und desto besser ist das kosmetische Endergebnis. Deshalb müssen sowohl Schnitt- als auch Schürfwunden gereinigt werden. Bei Schnittwunden unterstützt schon das Ausbluten die Wundreinigung, bei Schürfwunden haften dagegen meist kleine Partikel in der Wunde. Die beste Form der Reinigung ist das Ausspülen der Wunde mit steriler physiologischer Kochsalzlösung. Hier ist wichtig zu wissen, dass die Kochsalzlösung nach Anbruch des Behälters nicht mehr steril ist und die Reste deshalb entsorgt werden müssen. Alternative ist steriles Kochsalzlösungsspray, das bei korrekter Verwendung bis Ablauf des Verfalldatums haltbar ist (zum Beispiel Urgo<sup>®</sup> steriles Kochsalzlösungsspray). Auch fertige Wundspüllösungen sind in der Apotheke erhältlich, zum Beispiel Prontosan<sup>®</sup> Wound Spray oder Hansaplast<sup>®</sup> Wundspray antiseptische Wundreinigung, die beide zusätzlich antiseptische, also die Keimbelastung reduzierende Eigenschaften haben. </p><p class="bodytext">Bei akuten Verletzungen ist die ideale Wundspüllösung jedoch nicht immer zur Hand. In solchen Fällen darf auch fließendes, klares, handwarmes Leitungswasser in Trinkwasserqualität zum Säubern einer Wunde verwendet werden. Um keine Keime aus der Rohrleitung in die Wunde zu spülen, sollte das Wasser erst 20 bis 30 Sekunden aus der Leitung fließen, bevor man die Wunde darunter hält. Kleine Steinchen oder Glassplitter, die sich durch das Spülen nicht lösen, lassen sich vorsichtig mit einer sauberen Pinzette entfernen. Bei größeren oder tiefsitzenden Fremdkörpern ist jedoch der Arzt zuständig. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Auch wenn es ein beruhigendes Ritual bei kleinen Kindern ist: Pusten Sie nicht auf die Wunde! Damit bringen Sie nur Keime aus Ihrem Atem und Speichel in die Wunde und riskieren, dass diese sich entzündet. Zum noch besseren Schutz vor Keimen ist es außerdem sinnvoll, vor der Wundversorgung die eigenen Hände mit einem Hand-Desinfektionsmittel zu desinfizieren. </p><p class="bodytext"><strong>Desinfizieren – aber richtig </strong></p><p class="bodytext">Nach dem Reinigen der Wunde sollte diese auch desinfiziert werden. Als Desinfektionsmittel erster Wahl bieten sich für die Selbstversorgung die farblosen Wirkstoffe Octenidin (zum Beispiel Octenisept<sup>®</sup> Wund-Desinfektion Spray oder Octenilin<sup>®</sup> Wundgel) und Polihexanid (zum Beispiel Hansaplast<sup>®</sup> Wundspray oder Hemo Sept Wundspray) an. Beide Wirkstoffe wirken gegen Bakterien und Pilze, Octenidin hat zusätzlich eine (begrenzte) Wirkung gegen Viren. Polihexanid fördert zudem die Wundheilung. Auch Tyrothricin wirkt antibakteriell, es ist vor allem für kleine, oberflächliche Wunden geeignet (zum Beispiel Tyrosur<sup>®</sup>Wundgel). Desinfektionsmittel sollen gleichmäßig und gründlich auf die gesamte Wunde aufgetragen werden und vor dem Abdecken mit einem Pflaster oder einer Kompresse mindestens 60 Sekunden lang einwirken. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Obsolet ist die Behandlung von Wunden mit Wasserstoffperoxid, Chlorhexidin, Iodoform, Gentianaviolett und Borsäure. Diese Mittel töten zwar Erreger ab, hemmen aber die Wundheilung. </p><p class="bodytext"><strong>Wundabdeckung: Trocken, feucht oder gesprüht? </strong></p><p class="bodytext">Um optimal heilen zu können, benötigt eine Wunde Schutz vor weiterer mechanischer Beeinträchtigung und Krankheitserregern. Für diese „Wundruhe“ sorgen Wundauflagen oder -verbände, die die Wunde abdecken und in trockener oder feuchter Form in zahlreichen Varianten zur Verfügung stehen. </p><p class="bodytext"><strong>Trockene Wundabdeckung. </strong>Pflaster sind sogenannte Wundschnellverbände, die sich vor allem für Schnittwunden und kleine Schürfwunden eignen. Es gibt sie in vielen Varianten und Formen: steril und unsteril, wasserdicht, besonders hautfreundlich oder besonders klebeintensiv. Für Fingerkuppen eignen sich schmetterlingsförmige Pflaster (zum Beispiel DracoPlast<sup>®</sup> waterproof Fingerkuppenpflaster oder Gothaplast<sup>®</sup> Fingerkuppenpflaster), für Verletzungen an den Fingern Spezialpflaster mit einer deutlichen längeren Klebefläche auf einer Seite der Wundauflage (zum Beispiel Curaplast<sup>®</sup> Fingerverband sensitiv oder DracoPlast<sup>®</sup> Fingerstrips elastic). </p><p class="bodytext">Speziell für Schnittwunden wurden die als Klammerpflaster bezeichneten Wundverschlussstreifen entwickelt (zum Beispiel Dermaplast<sup>®</sup> Medical Schnitt- und Platzwunden oder GoTa-Por<sup>®</sup> Wundnahtstreifen). Sie werden folgendermaßen verwendet:</p><p class="bodytext"><ul><li>Wunde reinigen</li><li>Blutung mit steriler Kompresse stillen</li><li>Haut um die Wunde trocknen</li><li>Wundrand vorsichtig zusammendrücken</li><li>Einen oder mehrere Streifen quer zur Wunde aufkleben Wundauflage aufbringen und befestigen. </li></ul></p><p class="bodytext">Weitere trockene Wundauflagen sind Kompressen, die mit einer Mullbinde fixiert werden. Sie sollten steril sein, um die Wunde nicht unnötig mit Keimen zu belasten. Kompressen bestehen aus Verbandmull (zum Beispiel Gazin<sup>®</sup> oder DracoFix<sup>®</sup>) oder Vlies mit Zellstoffkern (zum Beispiel Zetuvit<sup>®</sup> oder Zemuko<sup>®</sup>) und müssen mit einer Fixierbinde befestigt werden. Zur Erstversorgung eignen sich Verbandpäckchen, bei denen die Wundauflage schon an der Mullbinde angebracht ist. </p><p class="bodytext"><strong>Feuchte Wundversorgung.</strong> Vor allem bei größeren oder nässenden Schürfwunden ist eine feuchte, wasserregulierende (sogenannte hydroaktive) Wundauflage hilfreich. Die in diesen Wundauflagen verwendeten Substanzen (Hydrogele, Alginate, Hydrokolloide) bilden ein Gel, das je nach Zusammensetzung Wundsekrete aufsaugt und für ein feuchtes Wundklima sorgt. Letzteres verbessert die Heilung und bewirkt, dass auch die Immunzellen in der Wunde gut arbeiten können. Vorteil der feuchten Wundauflage ist zudem, dass sie nicht mit der Wunde verklebt. Somit ist der Verbandswechsel nicht nur schmerzfrei, beim Abziehen der Auflage wird das neu gebildete Gewebe auch nicht wieder zerstört. Zur Selbstmedikation stehen feuchte Wundauflagen mit Hydrogelen, Hydrokolloiden oder Polyurethan-Gel in Pflasterform zur Verfügung.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Hydrogele</strong> wie zum Beispiel GoTac<sup>®</sup> HydroGel Pflaster oder Ratioline<sup>®</sup> Protect Gelpflaster eignen sich vor allem für trockene Wunden, da sie sehr viel Feuchtigkeit spenden, aber wenig Sekret aufnehmen können. Sie haben einen Kleberand und müssen faltenfrei aufgeklebt werden.</li><li><strong>Polyurethan-Gel w</strong>ie zum Beispiels Hansaplast <sup>®</sup> Sschnelle Heilung erzeugen ein feuchtes Milieu und sind für wenig nässende Wunden geeignet.</li><li><strong>Hydrokolloide</strong> spenden Flüssigkeit und saugen Sekrete auf, sie eignen sich deshalb sowohl für trockene als auch für nässende Wunden. Beispiele sind Blasen-, Hornhaut- und Herpespflaster sowie Dermaplast<sup>®</sup> Medical Schürfwunden für Schürfwunden. Hydrokolloidgele bilden mit dem Wundsekret ein gelbliches Sekret, das ähnlich wie Eiter aussieht und riecht, aber kein Eiter ist. </li></ul></p><p class="bodytext"><div><strong>Sprühpflaster.</strong> Für kleine, oberflächliche Schnitt- und Schürfwunden, die nicht bluten oder nässen, ist ein Sprühpflaster gut geeignet. (zum Beispiel Flint® Sprühpflaster oder Urgo® Sprühpflaster). Sie sorgen für einen wasserfesten, flexiblen und atmungsaktiven Schutzfilm, der sich nach Tagen von selbst auflöst und nicht entfernt werden muss. Nachteil des Sprühpflasters ist, das es keinen mechanischen Schutz durch Polsterung vermittelt - Vorteil, dass man auch schwer zugängliche Stellen gut erreicht.&nbsp;</div></p><p class="bodytext"><strong>Und was ist mit Silber? </strong></p><p class="bodytext">Silber wirkt antibakteriell, weshalb es in der klinischen Versorgung komplizierter Wunden häufig angewendet wird. Inzwischen gibt es auch für die Selbstmedikation Wundauflagen mit Silberionen (zum Beispiel Hansaplast<sup>®</sup> MED Sensitive Pflaster). Im Falle einer infizierten Wunde sollte Experten zufolge aber nicht einfach ein Silber-Pflaster aufgeklebt, sondern die Wunde unbedingt von einem Arzt begutachtet werden. Der kann dann entscheiden, ob eine Wundauflage mit Silber-Ionen zu empfehlen ist. Bei einfachen Bagatellverletzungen reicht in der Regel eine normale Wunddesinfektion und eine der oben genannten trockenen oder feuchten Wundauflagen aus. </p><p class="bodytext">Quelle: Karin Krämer, DAZ 2018, Nr. 40, S. 36; </p>

<p class="bodytext">Beim Gemüseschneiden den Finger erwischt, beim Schreibtischaufräumen am Papier geschnitten oder auf der Treppe gestolpert und das Knie aufgeschürft: Kleine Schnitt- oder Schürfwunden sind im Alltag häufig. Zum Glück kommt der Körper mit kleinen Wunden meist selbst gut zurecht. Lesen Sie in unserem Ratgeber, wie man die Haut mit Pflaster, Desinfektionsmittel &amp; Co. bei der Wundheilung unterstützt und was es mit den modernen hydroaktiven Wundauflagen aus der Apotheke auf sich hat. </p><p class="bodytext"><strong>Lieber doch zum Arzt? </strong></p><p class="bodytext">Kleine Schnitt- und Schürwunden sind in der Regel kein Fall für den Arzt – sie lassen sich mit den üblichen Utensilien aus der Hausapotheke meist selbst gut behandeln. In manchen Fällen jedoch sollte man lieber die Finger von der Wunde lassen, diese lediglich mit einer Kompresse steril bedecken und ärztlich Rat einholen, z.B. bei</p><p class="bodytext"><ul><li>Tiefen und ausgedehnten Wunden</li><li>Andauernder, nicht stillbarer Blutung</li><li>Klaffenden Wundrändern</li><li>Fremdkörpern in der Wunde</li><li>Gestörter Sensibilität und /oder Bewegung (Verdacht auf Verletzung von Sehnen, Muskeln, Nerven). </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Denken Sie auch bei kleinen Verletzungen an Ihren Tetanusschutz! Liegt die letzte Auffrischung über 10 Jahre zurück, suchen Sie Ihren Arzt auf und lassen Sie sich zur Sicherheit erneut impfen. </p><p class="bodytext"><strong>Das macht der Körper </strong></p><p class="bodytext">Wird gesunde Haut verletzt, muss der Organismus die Wunde wieder verschließen. Je nachdem, wie tief der Schaden ist, heilt die Wunde mit oder ohne Narbe ab. Ist nur die Epidermis betroffen und die Basalschicht, also die unterste der insgesamt 5 Epidermisschichten, unversehrt, produzieren die dort ansässigen Basalzellen neue Hautzellen, die den Defekt von unten nach oben auffüllen. Bei dieser Art der Wundheilung („epitheliale Wundheilung“) entstehen keine Narben. </p><p class="bodytext">Reicht der Defekt über die Epidermis bis in die darunter liegende Lederhaut hinein, bildet sich statt richtigen Hautzellen eine bindegewebige Ersatzschicht und es entsteht eine mehr oder weniger große Narbe. Diese Art der Wundheilung („reparative Wundheilung“) läuft in 3 Heilungsphasen ab:</p><p class="bodytext"><ul><li>In der etwa 3 Tage dauernden Reinigungsphase werden Keime, Fremdkörper und Zelltrümmer aus der Wunde ausgeschwemmt und treten mit Plasma und Abwehrzellen als Wundsekret an die Oberfläche.</li><li>In der Proliferations- oder Granulationsphase füllt der Organismus den entstandenen Defekt wieder auf. Dafür wandern ab dem 4. Tag nach Verletzung Bindegewebszellen in die Wunde ein und bilden mit Kollagenfasern neues Gewebe. Außerdem sprießen kleine Gefäße ein, die über das Blut Sauerstoff und Nährstoffe an den Ort des Geschehens bringen. Diese Vorgänge laufen besonders gut in einem feuchten Milieu ab. Trocknet die Wunde aus und bildet sich Schorf, ist das heilende Zellwachstum gehemmt.</li><li>Zwischen dem 5. und 10. Tag nach Verletzung beginnt die Epithelisierungsphase, in der von den unverletzten Rändern der Wunde Epithelzellen in die Wunde einwandern und eine neue „Haut“ auf der Oberfläche bilden. Parallel dazu produzieren die darunter liegenden Bindegewebszellen weiter Kollagen, um die Wunde als Narbe zu verfestigen. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Was die Heilung stört </strong></p><p class="bodytext">Bei glatten, dicht aneinander liegenden Wundrändern ist die Narbe oft kaum zu erkennen. Sind die Wunden größer oder liegen Wundheilungsstörungen vor, entsteht oft ausgedehntes Narbengewebe. Gestört wird das Heilen einer Wunde durch</p><p class="bodytext"><ul><li>Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, chronisch venöse Insuffizienz oder Durchblutungsstörung wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)</li><li>Infektionen der Wunde, eingedrungene Fremdkörper</li><li>Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen (z. B. bei Krebserkrankungen oder Infektionskrankheiten)</li><li>Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem schwächen, etwa Kortison oder Zytostatika (Krebsmedikamente). </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Suchen Sie bei zu langsamer Heilung oder beim geringsten Zeichen einer Infektion der Wunde (Rötung, Schmerzen, Schwellung) zur Sicherheit Ihren Arzt auf. Das gilt besonders, wenn Sie an oben genannten Stoffwechselerkrankungen leiden oder ein geschwächtes Immunsystem haben. </p><p class="bodytext"><strong>Reinigen ist das A und O </strong></p><p class="bodytext">Je sauberer eine Wunde ist, desto schneller und ungestörter kann sie verheilen und desto besser ist das kosmetische Endergebnis. Deshalb müssen sowohl Schnitt- als auch Schürfwunden gereinigt werden. Bei Schnittwunden unterstützt schon das Ausbluten die Wundreinigung, bei Schürfwunden haften dagegen meist kleine Partikel in der Wunde. Die beste Form der Reinigung ist das Ausspülen der Wunde mit steriler physiologischer Kochsalzlösung. Hier ist wichtig zu wissen, dass die Kochsalzlösung nach Anbruch des Behälters nicht mehr steril ist und die Reste deshalb entsorgt werden müssen. Alternative ist steriles Kochsalzlösungsspray, das bei korrekter Verwendung bis Ablauf des Verfalldatums haltbar ist (zum Beispiel Urgo<sup>®</sup> steriles Kochsalzlösungsspray). Auch fertige Wundspüllösungen sind in der Apotheke erhältlich, zum Beispiel Prontosan<sup>®</sup> Wound Spray oder Hansaplast<sup>®</sup> Wundspray antiseptische Wundreinigung, die beide zusätzlich antiseptische, also die Keimbelastung reduzierende Eigenschaften haben. </p><p class="bodytext">Bei akuten Verletzungen ist die ideale Wundspüllösung jedoch nicht immer zur Hand. In solchen Fällen darf auch fließendes, klares, handwarmes Leitungswasser in Trinkwasserqualität zum Säubern einer Wunde verwendet werden. Um keine Keime aus der Rohrleitung in die Wunde zu spülen, sollte das Wasser erst 20 bis 30 Sekunden aus der Leitung fließen, bevor man die Wunde darunter hält. Kleine Steinchen oder Glassplitter, die sich durch das Spülen nicht lösen, lassen sich vorsichtig mit einer sauberen Pinzette entfernen. Bei größeren oder tiefsitzenden Fremdkörpern ist jedoch der Arzt zuständig. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Auch wenn es ein beruhigendes Ritual bei kleinen Kindern ist: Pusten Sie nicht auf die Wunde! Damit bringen Sie nur Keime aus Ihrem Atem und Speichel in die Wunde und riskieren, dass diese sich entzündet. Zum noch besseren Schutz vor Keimen ist es außerdem sinnvoll, vor der Wundversorgung die eigenen Hände mit einem Hand-Desinfektionsmittel zu desinfizieren. </p><p class="bodytext"><strong>Desinfizieren – aber richtig </strong></p><p class="bodytext">Nach dem Reinigen der Wunde sollte diese auch desinfiziert werden. Als Desinfektionsmittel erster Wahl bieten sich für die Selbstversorgung die farblosen Wirkstoffe Octenidin (zum Beispiel Octenisept<sup>®</sup> Wund-Desinfektion Spray oder Octenilin<sup>®</sup> Wundgel) und Polihexanid (zum Beispiel Hansaplast<sup>®</sup> Wundspray oder Hemo Sept Wundspray) an. Beide Wirkstoffe wirken gegen Bakterien und Pilze, Octenidin hat zusätzlich eine (begrenzte) Wirkung gegen Viren. Polihexanid fördert zudem die Wundheilung. Auch Tyrothricin wirkt antibakteriell, es ist vor allem für kleine, oberflächliche Wunden geeignet (zum Beispiel Tyrosur<sup>®</sup>Wundgel). Desinfektionsmittel sollen gleichmäßig und gründlich auf die gesamte Wunde aufgetragen werden und vor dem Abdecken mit einem Pflaster oder einer Kompresse mindestens 60 Sekunden lang einwirken. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Obsolet ist die Behandlung von Wunden mit Wasserstoffperoxid, Chlorhexidin, Iodoform, Gentianaviolett und Borsäure. Diese Mittel töten zwar Erreger ab, hemmen aber die Wundheilung. </p><p class="bodytext"><strong>Wundabdeckung: Trocken, feucht oder gesprüht? </strong></p><p class="bodytext">Um optimal heilen zu können, benötigt eine Wunde Schutz vor weiterer mechanischer Beeinträchtigung und Krankheitserregern. Für diese „Wundruhe“ sorgen Wundauflagen oder -verbände, die die Wunde abdecken und in trockener oder feuchter Form in zahlreichen Varianten zur Verfügung stehen. </p><p class="bodytext"><strong>Trockene Wundabdeckung. </strong>Pflaster sind sogenannte Wundschnellverbände, die sich vor allem für Schnittwunden und kleine Schürfwunden eignen. Es gibt sie in vielen Varianten und Formen: steril und unsteril, wasserdicht, besonders hautfreundlich oder besonders klebeintensiv. Für Fingerkuppen eignen sich schmetterlingsförmige Pflaster (zum Beispiel DracoPlast<sup>®</sup> waterproof Fingerkuppenpflaster oder Gothaplast<sup>®</sup> Fingerkuppenpflaster), für Verletzungen an den Fingern Spezialpflaster mit einer deutlichen längeren Klebefläche auf einer Seite der Wundauflage (zum Beispiel Curaplast<sup>®</sup> Fingerverband sensitiv oder DracoPlast<sup>®</sup> Fingerstrips elastic). </p><p class="bodytext">Speziell für Schnittwunden wurden die als Klammerpflaster bezeichneten Wundverschlussstreifen entwickelt (zum Beispiel Dermaplast<sup>®</sup> Medical Schnitt- und Platzwunden oder GoTa-Por<sup>®</sup> Wundnahtstreifen). Sie werden folgendermaßen verwendet:</p><p class="bodytext"><ul><li>Wunde reinigen</li><li>Blutung mit steriler Kompresse stillen</li><li>Haut um die Wunde trocknen</li><li>Wundrand vorsichtig zusammendrücken</li><li>Einen oder mehrere Streifen quer zur Wunde aufkleben Wundauflage aufbringen und befestigen. </li></ul></p><p class="bodytext">Weitere trockene Wundauflagen sind Kompressen, die mit einer Mullbinde fixiert werden. Sie sollten steril sein, um die Wunde nicht unnötig mit Keimen zu belasten. Kompressen bestehen aus Verbandmull (zum Beispiel Gazin<sup>®</sup> oder DracoFix<sup>®</sup>) oder Vlies mit Zellstoffkern (zum Beispiel Zetuvit<sup>®</sup> oder Zemuko<sup>®</sup>) und müssen mit einer Fixierbinde befestigt werden. Zur Erstversorgung eignen sich Verbandpäckchen, bei denen die Wundauflage schon an der Mullbinde angebracht ist. </p><p class="bodytext"><strong>Feuchte Wundversorgung.</strong> Vor allem bei größeren oder nässenden Schürfwunden ist eine feuchte, wasserregulierende (sogenannte hydroaktive) Wundauflage hilfreich. Die in diesen Wundauflagen verwendeten Substanzen (Hydrogele, Alginate, Hydrokolloide) bilden ein Gel, das je nach Zusammensetzung Wundsekrete aufsaugt und für ein feuchtes Wundklima sorgt. Letzteres verbessert die Heilung und bewirkt, dass auch die Immunzellen in der Wunde gut arbeiten können. Vorteil der feuchten Wundauflage ist zudem, dass sie nicht mit der Wunde verklebt. Somit ist der Verbandswechsel nicht nur schmerzfrei, beim Abziehen der Auflage wird das neu gebildete Gewebe auch nicht wieder zerstört. Zur Selbstmedikation stehen feuchte Wundauflagen mit Hydrogelen, Hydrokolloiden oder Polyurethan-Gel in Pflasterform zur Verfügung.</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Hydrogele</strong> wie zum Beispiel GoTac<sup>®</sup> HydroGel Pflaster oder Ratioline<sup>®</sup> Protect Gelpflaster eignen sich vor allem für trockene Wunden, da sie sehr viel Feuchtigkeit spenden, aber wenig Sekret aufnehmen können. Sie haben einen Kleberand und müssen faltenfrei aufgeklebt werden.</li><li><strong>Polyurethan-Gel w</strong>ie zum Beispiels Hansaplast <sup>®</sup> Sschnelle Heilung erzeugen ein feuchtes Milieu und sind für wenig nässende Wunden geeignet.</li><li><strong>Hydrokolloide</strong> spenden Flüssigkeit und saugen Sekrete auf, sie eignen sich deshalb sowohl für trockene als auch für nässende Wunden. Beispiele sind Blasen-, Hornhaut- und Herpespflaster sowie Dermaplast<sup>®</sup> Medical Schürfwunden für Schürfwunden. Hydrokolloidgele bilden mit dem Wundsekret ein gelbliches Sekret, das ähnlich wie Eiter aussieht und riecht, aber kein Eiter ist. </li></ul></p><p class="bodytext"><div><strong>Sprühpflaster.</strong> Für kleine, oberflächliche Schnitt- und Schürfwunden, die nicht bluten oder nässen, ist ein Sprühpflaster gut geeignet. (zum Beispiel Flint® Sprühpflaster oder Urgo® Sprühpflaster). Sie sorgen für einen wasserfesten, flexiblen und atmungsaktiven Schutzfilm, der sich nach Tagen von selbst auflöst und nicht entfernt werden muss. Nachteil des Sprühpflasters ist, das es keinen mechanischen Schutz durch Polsterung vermittelt - Vorteil, dass man auch schwer zugängliche Stellen gut erreicht.&nbsp;</div></p><p class="bodytext"><strong>Und was ist mit Silber? </strong></p><p class="bodytext">Silber wirkt antibakteriell, weshalb es in der klinischen Versorgung komplizierter Wunden häufig angewendet wird. Inzwischen gibt es auch für die Selbstmedikation Wundauflagen mit Silberionen (zum Beispiel Hansaplast<sup>®</sup> MED Sensitive Pflaster). Im Falle einer infizierten Wunde sollte Experten zufolge aber nicht einfach ein Silber-Pflaster aufgeklebt, sondern die Wunde unbedingt von einem Arzt begutachtet werden. Der kann dann entscheiden, ob eine Wundauflage mit Silber-Ionen zu empfehlen ist. Bei einfachen Bagatellverletzungen reicht in der Regel eine normale Wunddesinfektion und eine der oben genannten trockenen oder feuchten Wundauflagen aus. </p><p class="bodytext">Quelle: Karin Krämer, DAZ 2018, Nr. 40, S. 36; </p>

<p class="bodytext">Pünktlich zum Frühjahr geht es für viel wieder los mit dem Heuschnupfen. Triefende Nase, dauerhafter Niesreiz, juckende und tränende Augen werden je nach herumfliegender Pollenart zum lästigen Begleiter. Zum Glück muss man den Spuk nicht kampflos hinnehmen: Lesen Sie in diesem Ratgeber, mit welchen Tipps und Medikamenten Sie Ihren Heuschnupfen am besten in den Griff bekommen. </p><p class="bodytext"><strong>Häufig und nicht harmlos </strong></p><p class="bodytext">Heuschnupfen ist alles andere als selten: Fast jedes 10. Kind leidet darunter, und bei 15% der Erwachsenen wird zumindest einmal im Verlauf ihres Lebens die Diagnose „Heuschnupfen“ gestellt. Auch wenn oberflächlich betrachtet nur die Nase trieft und das Auge juckt, ist der Heuschnupfen, (medizinisch auch allergische oder saisonale Rhinitis) nicht harmlos: Manche Heuschnupfenerkrankte sind so stark betroffen, dass sie Dauerkopfschmerzen und Müdigkeit entwickeln und sogar ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt ist. Unbehandelter Heuschnupfen kann sich auch auswachsen und die Schleimhäute so empfindlich machen, dass sich leichter Nasennebenhöhlenentzündungen, Husten oder sogar ein allergisches Asthma entwickelt. Bei Letzterem spricht man dann von einem Etagenwechsel, weil sich die Heuschnupfenbeschwerden nun eine Etage tiefer, nämlich in den Bronchien und der Lunge bemerkbar machen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Spätestens bei Brennen hinter dem Brustbein, Nachlassen der sportlichen Leistung (z. B. im Schulsport), Reizhusten und häufigen Infekte der tiefen Atemweg sollten Sie einen Arzt aufsuchen, denn diese Beschwerden können Hinweise auf den oben genannten Etagenwechsel sein. </p><p class="bodytext"><strong>Den Trief-Auslöser dingfest machen</strong></p><p class="bodytext">Auslöser für den Heuschnupfen sind Pollen aller Art, also das männliche Erbgut, das Pflanzen über den Wind verteilen. Diese Pollen sind bis zu 20 Mikrometer groß und können über hunderte Kilometer fliegen. Dringen sie in die Atemwege oder in die Augen ein, lösen sie bei sensibilisierten Pollenallergikern über deren körpereigene Abwehr (Immunglobuline und der Botenstoff Histamin) die typischen Beschwerden aus. Zu den wichtigsten allergie-auslösenden Pollen zählen</p><p class="bodytext"><ul><li>Hasel, Erle, Birke&nbsp;</li><li>Gräser, Roggen&nbsp;</li><li>Beifuß, Nessel&nbsp;</li><li>Ambrosia. </li></ul></p><p class="bodytext">Weil sich die allergieauslösenden Bestanteile der Pollen häufig ähneln, haben viele Heuschnupfenpatienten sogar mehrere Allergien gleichzeitig und kämpfen deshalb oft von Januar bis zum Herbst mit Juckreiz, Triefnase &amp; Co.. Um herauszufinden, welche Allergene für die Beschwerden verantwortlich sind, ist ein Arztbesuch angezeigt. Nach der gründlichen Befragung hilft ein sogenannter Pricktest, den Übeltäter nachzuweisen. Dabei tropft der Arzt verschiedene Allergene auf die Innenseite des Unterarms und ritzt die Haut oberflächlich mit einer Nadel ein. Anhand der Hautreaktionen lässt sich ablesen, auf welches Allergen der Betroffene allergisch ist. Im Zweifel nimmt der Arzt auch Blut ab und prüft, ob spezifische IgE-Antikörper gegen das verdächtige Pollengen nachweisbar sind. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Hilfreich bei der Identifizierung der allergisierenden Pollen ist ein Pollentagebuch, indem der Betroffene seine Beschwerden einträgt, die dann mit der aktuellen Pollensituation vor Ort abgeglichen werden (bereitgestellt von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst unter http://www.pollenstiftung.de/pollentagebuchpollen-app/ ). </p><p class="bodytext"><strong>Akute Hilfe mit Spray und Tropfen </strong></p><p class="bodytext">Wenn die Augen jucken und die Nase trieft, will der Betroffene meist nur, dass die Beschwerden schnell wieder verschwinden. Dabei sollten zunächst lokale Mittel eingesetzt werden, d.h. Nasensprays und Augentropfen. Folgende Präparate sind in der Apotheke rezeptfrei erhältlich:</p><p class="bodytext"><ul><li>Cromoglicinsäure (zum Beispiel Pollicrom<sup>®</sup> oder Vividrin<sup>®</sup>Nasenspray gegen Heuschnupfen) ist die mildeste Variante der Wirkstoffe gegen die saisonale allergische Rhinitis. Sie stabilisiert die Zellen, die den Botenstoff Histamin freisetzen und wirkt damit vorbeugend. Deshalb müssen Nasensprays oder Augentropfen mit Cromoglicinsäure auch schon eine Woche vor dem ersten Pollenflug verwendet werden, um ausreichend zu wirken.</li><li>Antihistaminika blockieren den Rezeptor für Histamin und wirken schnell und effektiv. Als Nasenspray oder Augentropfen empfehlen sich Azelastin (zum Beispiel Allergodil<sup>®</sup>akut, Vividrin<sup>®</sup>akut, Pollival<sup>®</sup> oder Azela-Vision<sup>®</sup>MD sine) oder Levocabastin (zum Beispiel Levocamed<sup>®</sup>). Ketotifen gibt es nur als Augentropfen (zum Beispiel Ketotifen Stulln<sup>®</sup>DU, Zaditen ophta<sup>®</sup>). Je nach Wirkstoff sollen sie 2 bis 4-Mal am Tag angewendet werden.</li><li>Kortisonhaltige Nasensprays dämmen die Immunreaktion ein und gehören inzwischen zur Basistherapie beim Heuschnupfen. Zur Selbstmedikation nach Erstdiagnose durch den Arzt sind für Erwachsene die Wirkstoffe Beclometason (zum Beispiel Rhinivict<sup>®</sup>nasal), Mometason (zum Beispiel Momeallerg<sup>®</sup>) und Fluticason (zum Beispiel Otri-Allergie<sup>®</sup>) zugelassen. Die Wirkung kortisonhaltiger Nasensprays setzt jedoch erst nach drei bis vier Behandlungstagen ein. Bei Besserung der Beschwerden kann die Dosis reduziert werden. Reicht eine Monotherapie nicht aus, kann sich der Betroffene vom Arzt auch ein Nasenspray mit einer fixen Kombination von Kortison und Antihistaminikum verschreiben lassen (zum Beispiel Dymista<sup>®</sup>).</li><li>Bei akut stark verstopfter Nase oder extrem geröteten Augen dürfen für maximal eine Woche auch abschwellende Nasentropfen bzw. weißmachende Augentropfen verwendet werden. Empfohlene Wirkstoffe sind gefäßverengende Alpha-Sympathomimetika wie Naphazolin oder Oxymetazolin. </li></ul></p><p class="bodytext">Sind Augen und Nase vom Heuschnupfen betroffen, bietet sich auch eine „innere“ Therapie mit Antihistaminika an. Die Tabletten werden einmal täglich eingenommen und reduzieren zuverlässig die allergischen Beschwerden. Antihistaminika der 2. und 3. Generation wie Loratadin, Cetirizin und Levocetirizin machen weniger müde als die der 1. Generation, weswegen ihnen der Vorzug gegeben werden sollte. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wer auch von den neuen Antihistaminika müde wird, sollte die Einnahme der Tagesdosis auf abends verlegen. </p><p class="bodytext"><strong>Müssen Schwangere weiterschniefen? </strong></p><p class="bodytext">Medikamente sind während Schwangerschaft und Stillzeit oft eine heikle Angelegenheit. Zum Glück sind jedoch laut den Experten für Embryonaltoxokologie von der Charité Berlin die wichtigsten Basismedikamente auch mit Baby im Bauch oder an der Brust erlaubt. Erste Wahl ist die als Nasenspray oder Augentropfen zur Prophylaxe eingesetzte Cromoglicinsäure. Reicht das nicht aus, dürfen Schwangere zu Augentropfen oder ein Nasenspray mit Azelastin oder Levocabastin greifen. Auch Antihistaminika-Tabletten sind möglich: Hier empfehlen die Experten die Wirkstoffe Loratidin, Desloratidin oder Cetirizin, ist eine Sedierung, d.h. das Müdemachen erwünscht, darf Clemastin (zum Beispiel Tavegil<sup>®</sup>) eingenommen werden. Clemastin geht jedoch in die Muttermilch über. Wird das Baby mitsediert, sollte die Mutter lieber auf eines der oben genannten nicht-sedierenden Antihistaminika wechseln. Extrem verstopfte Nasen dürfen Schwangere und Stillende durch abschwellende Nasentropfen mit Xylometazolin (zum Beispiel Otriven<sup>®</sup>) oder Oxymetazolin (zum Beispiel Nasivin<sup>®</sup> oder Wick<sup>®</sup>sinex) belüften – allerdings ebenfalls nicht länger als eine Woche. </p><p class="bodytext"><strong>Langfristig desensibilisieren </strong></p><p class="bodytext">Bei manchen Betroffenen lässt sich der Heuschnupfen durch die oben genannten Medikamente nicht eindämmen. Hier ist zu überlegen, den Organismus mit einer SIT (spezifischen Immuntherapie) an das Allergen zu gewöhnen, um dadurch die allergische Reaktion einzudämmen. Diese Therapie dauert etwa 3 Jahre und ist bei Allergien gegen Gräser- und Baumpollen recht erfolgreich. Dabei werden in regelmäßigen Abständen die entsprechende Allergenextrakte entweder mit einer Spritze unter die Haut (Subcutane Immuntherapie, SCIT) oder als Tablette bzw. Lösung unter die Zunge gegeben (Sublinguale Immuntherapie, SLIT). </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Wenn Sie sich für eine SLIT oder SCIT entschieden haben, bleiben Sie dran. Je länger die Immuntherapie durchgeführt wird, desto größer ist der Therapieerfolg. Selbst wenn die Beschwerden nicht komplett verschwinden, wird durch die Immuntherapie einem Etagenwechsel vorgebeugt. </p><p class="bodytext"><strong>Was noch alles hilft </strong></p><p class="bodytext">Zur Linderung von Heuschnupfen-Beschwerden gibt es eine ganze Reihe nicht-medikamentöser Maßnahmen. Die wichtigste davon ist die Allergen-Karenz, d.h. das Meiden der Pollenallergene. Hilfreich sind dabei folgende Tipps:</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Feucht wischen.</strong> Während der Pollensaison ist es hilfreich, Boden und andere Oberflächen im Haus feucht zu wischen, um die Pollen zu entfernen. Staubsaugen ist kontraproduktiv, da Luft und Pollen aufgewirbelt werden.</li><li><strong>Nase spülen.</strong> Aus der Nase lassen sich Pollen mit einer Nasenspülung vertreiben. Am besten nimmt man dazu Salzlösungen, die erforderlichen Nasendusche oder Nasenkanne gibt´s in der Apotheke.</li><li><strong>Zu Hause umziehen.</strong> Wer aus dem Freien kommt, kann die Pollenbelastung reduzieren, indem er seine Kleidung wechselt. Brillenträger sollten die Brillengläser reinigen, denn auch hier sammeln sich gerne Pollen an.</li><li><strong>Urlaub planen. </strong>Wer weiß, wann die für ihn gefährlichen Pollen zu Hause unterwegs sind, kann Urlaub in pollenärmeren Regionen planen. Auf der Seite https://www.zaum-online.de/pollen/pollen-monitoring-map-of-the-world.html findet sich eine Karte mit Informationen zur weltweiten Verteilung von Pollen.</li><li><strong>Richtig lüften.</strong> Fenster kurz und stoßweise öffnen, nicht gekippt lassen. Wer auf Gräserpollen allergisch ist, sollte eher morgens die Fenster öffnen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land ist deren Konzentration in der Luft morgens am niedrigsten. Anders herum ist es beim Beifuß: Seine Pollen schwirren vor allem morgens in der Luft, weshalb Beifuß-Allergiker morgens die Fenster geschlossen halten und abends lüften sollten. Nach einem starken Regenguss gilt für alle: Fenster öffnen und die saubere Luft einziehen lassen.</li><li><strong>Sauber schlafen.</strong> Haarwaschen und Duschen vor dem Schlafengehen entfernt Pollen von Haut und Haaren. Getragene Kleidung nicht mit ins Schlafzimmer nehmen, Bettwäsche häufig wechseln.</li><li><strong>Pollenarm Autofahren. </strong>Pollenfilter in der Lüftung reduzieren die Pollen im Inneren des Autos, außerdem sollten während der Fahrt die Fenster geschlossen bleiben.</li><li><strong>Drinnen sporteln. </strong>Pollenallergiker können in der für sie belastenden Zeit auf Hallenaktivitäten umsteigen: Schwimmen im Hallenbad, Klettern in der Kletterhalle oder Tennis drinnen macht auch Spaß.</li><li><strong>Staubmasken &amp; Co. </strong>Manche Pollenallergiker empfinden auch das Tragen von Staubmasken, Brillen mit dicht schließenden Gläsern oder speziellen, in der Nase getragenen Filtern als entlastend. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Wer ein Smartphone hat, kann sich hilfreiche Apps mit Pollenflugvorhersagen herunterladen. Entsprechende Angebote finden Sie in den App-Stores, Beispiele sind Husteblume oder der Pollenfluggefahrenindex vom Deutschen Wetterdienst. </p><p class="bodytext">Quellen: DAZ online, www.allergieinformationsdienst.de</p><p class="bodytext"></p><p class="bodytext"></p>

<p class="bodytext">Pünktlich zum Frühjahr geht es für viel wieder los mit dem Heuschnupfen. Triefende Nase, dauerhafter Niesreiz, juckende und tränende Augen werden je nach herumfliegender Pollenart zum lästigen Begleiter. Zum Glück muss man den Spuk nicht kampflos hinnehmen: Lesen Sie in diesem Ratgeber, mit welchen Tipps und Medikamenten Sie Ihren Heuschnupfen am besten in den Griff bekommen. </p><p class="bodytext"><strong>Häufig und nicht harmlos </strong></p><p class="bodytext">Heuschnupfen ist alles andere als selten: Fast jedes 10. Kind leidet darunter, und bei 15% der Erwachsenen wird zumindest einmal im Verlauf ihres Lebens die Diagnose „Heuschnupfen“ gestellt. Auch wenn oberflächlich betrachtet nur die Nase trieft und das Auge juckt, ist der Heuschnupfen, (medizinisch auch allergische oder saisonale Rhinitis) nicht harmlos: Manche Heuschnupfenerkrankte sind so stark betroffen, dass sie Dauerkopfschmerzen und Müdigkeit entwickeln und sogar ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt ist. Unbehandelter Heuschnupfen kann sich auch auswachsen und die Schleimhäute so empfindlich machen, dass sich leichter Nasennebenhöhlenentzündungen, Husten oder sogar ein allergisches Asthma entwickelt. Bei Letzterem spricht man dann von einem Etagenwechsel, weil sich die Heuschnupfenbeschwerden nun eine Etage tiefer, nämlich in den Bronchien und der Lunge bemerkbar machen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Spätestens bei Brennen hinter dem Brustbein, Nachlassen der sportlichen Leistung (z. B. im Schulsport), Reizhusten und häufigen Infekte der tiefen Atemweg sollten Sie einen Arzt aufsuchen, denn diese Beschwerden können Hinweise auf den oben genannten Etagenwechsel sein. </p><p class="bodytext"><strong>Den Trief-Auslöser dingfest machen</strong></p><p class="bodytext">Auslöser für den Heuschnupfen sind Pollen aller Art, also das männliche Erbgut, das Pflanzen über den Wind verteilen. Diese Pollen sind bis zu 20 Mikrometer groß und können über hunderte Kilometer fliegen. Dringen sie in die Atemwege oder in die Augen ein, lösen sie bei sensibilisierten Pollenallergikern über deren körpereigene Abwehr (Immunglobuline und der Botenstoff Histamin) die typischen Beschwerden aus. Zu den wichtigsten allergie-auslösenden Pollen zählen</p><p class="bodytext"><ul><li>Hasel, Erle, Birke&nbsp;</li><li>Gräser, Roggen&nbsp;</li><li>Beifuß, Nessel&nbsp;</li><li>Ambrosia. </li></ul></p><p class="bodytext">Weil sich die allergieauslösenden Bestanteile der Pollen häufig ähneln, haben viele Heuschnupfenpatienten sogar mehrere Allergien gleichzeitig und kämpfen deshalb oft von Januar bis zum Herbst mit Juckreiz, Triefnase &amp; Co.. Um herauszufinden, welche Allergene für die Beschwerden verantwortlich sind, ist ein Arztbesuch angezeigt. Nach der gründlichen Befragung hilft ein sogenannter Pricktest, den Übeltäter nachzuweisen. Dabei tropft der Arzt verschiedene Allergene auf die Innenseite des Unterarms und ritzt die Haut oberflächlich mit einer Nadel ein. Anhand der Hautreaktionen lässt sich ablesen, auf welches Allergen der Betroffene allergisch ist. Im Zweifel nimmt der Arzt auch Blut ab und prüft, ob spezifische IgE-Antikörper gegen das verdächtige Pollengen nachweisbar sind. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Hilfreich bei der Identifizierung der allergisierenden Pollen ist ein Pollentagebuch, indem der Betroffene seine Beschwerden einträgt, die dann mit der aktuellen Pollensituation vor Ort abgeglichen werden (bereitgestellt von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst unter http://www.pollenstiftung.de/pollentagebuchpollen-app/ ). </p><p class="bodytext"><strong>Akute Hilfe mit Spray und Tropfen </strong></p><p class="bodytext">Wenn die Augen jucken und die Nase trieft, will der Betroffene meist nur, dass die Beschwerden schnell wieder verschwinden. Dabei sollten zunächst lokale Mittel eingesetzt werden, d.h. Nasensprays und Augentropfen. Folgende Präparate sind in der Apotheke rezeptfrei erhältlich:</p><p class="bodytext"><ul><li>Cromoglicinsäure (zum Beispiel Pollicrom<sup>®</sup> oder Vividrin<sup>®</sup>Nasenspray gegen Heuschnupfen) ist die mildeste Variante der Wirkstoffe gegen die saisonale allergische Rhinitis. Sie stabilisiert die Zellen, die den Botenstoff Histamin freisetzen und wirkt damit vorbeugend. Deshalb müssen Nasensprays oder Augentropfen mit Cromoglicinsäure auch schon eine Woche vor dem ersten Pollenflug verwendet werden, um ausreichend zu wirken.</li><li>Antihistaminika blockieren den Rezeptor für Histamin und wirken schnell und effektiv. Als Nasenspray oder Augentropfen empfehlen sich Azelastin (zum Beispiel Allergodil<sup>®</sup>akut, Vividrin<sup>®</sup>akut, Pollival<sup>®</sup> oder Azela-Vision<sup>®</sup>MD sine) oder Levocabastin (zum Beispiel Levocamed<sup>®</sup>). Ketotifen gibt es nur als Augentropfen (zum Beispiel Ketotifen Stulln<sup>®</sup>DU, Zaditen ophta<sup>®</sup>). Je nach Wirkstoff sollen sie 2 bis 4-Mal am Tag angewendet werden.</li><li>Kortisonhaltige Nasensprays dämmen die Immunreaktion ein und gehören inzwischen zur Basistherapie beim Heuschnupfen. Zur Selbstmedikation nach Erstdiagnose durch den Arzt sind für Erwachsene die Wirkstoffe Beclometason (zum Beispiel Rhinivict<sup>®</sup>nasal), Mometason (zum Beispiel Momeallerg<sup>®</sup>) und Fluticason (zum Beispiel Otri-Allergie<sup>®</sup>) zugelassen. Die Wirkung kortisonhaltiger Nasensprays setzt jedoch erst nach drei bis vier Behandlungstagen ein. Bei Besserung der Beschwerden kann die Dosis reduziert werden. Reicht eine Monotherapie nicht aus, kann sich der Betroffene vom Arzt auch ein Nasenspray mit einer fixen Kombination von Kortison und Antihistaminikum verschreiben lassen (zum Beispiel Dymista<sup>®</sup>).</li><li>Bei akut stark verstopfter Nase oder extrem geröteten Augen dürfen für maximal eine Woche auch abschwellende Nasentropfen bzw. weißmachende Augentropfen verwendet werden. Empfohlene Wirkstoffe sind gefäßverengende Alpha-Sympathomimetika wie Naphazolin oder Oxymetazolin. </li></ul></p><p class="bodytext">Sind Augen und Nase vom Heuschnupfen betroffen, bietet sich auch eine „innere“ Therapie mit Antihistaminika an. Die Tabletten werden einmal täglich eingenommen und reduzieren zuverlässig die allergischen Beschwerden. Antihistaminika der 2. und 3. Generation wie Loratadin, Cetirizin und Levocetirizin machen weniger müde als die der 1. Generation, weswegen ihnen der Vorzug gegeben werden sollte. </p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wer auch von den neuen Antihistaminika müde wird, sollte die Einnahme der Tagesdosis auf abends verlegen. </p><p class="bodytext"><strong>Müssen Schwangere weiterschniefen? </strong></p><p class="bodytext">Medikamente sind während Schwangerschaft und Stillzeit oft eine heikle Angelegenheit. Zum Glück sind jedoch laut den Experten für Embryonaltoxokologie von der Charité Berlin die wichtigsten Basismedikamente auch mit Baby im Bauch oder an der Brust erlaubt. Erste Wahl ist die als Nasenspray oder Augentropfen zur Prophylaxe eingesetzte Cromoglicinsäure. Reicht das nicht aus, dürfen Schwangere zu Augentropfen oder ein Nasenspray mit Azelastin oder Levocabastin greifen. Auch Antihistaminika-Tabletten sind möglich: Hier empfehlen die Experten die Wirkstoffe Loratidin, Desloratidin oder Cetirizin, ist eine Sedierung, d.h. das Müdemachen erwünscht, darf Clemastin (zum Beispiel Tavegil<sup>®</sup>) eingenommen werden. Clemastin geht jedoch in die Muttermilch über. Wird das Baby mitsediert, sollte die Mutter lieber auf eines der oben genannten nicht-sedierenden Antihistaminika wechseln. Extrem verstopfte Nasen dürfen Schwangere und Stillende durch abschwellende Nasentropfen mit Xylometazolin (zum Beispiel Otriven<sup>®</sup>) oder Oxymetazolin (zum Beispiel Nasivin<sup>®</sup> oder Wick<sup>®</sup>sinex) belüften – allerdings ebenfalls nicht länger als eine Woche. </p><p class="bodytext"><strong>Langfristig desensibilisieren </strong></p><p class="bodytext">Bei manchen Betroffenen lässt sich der Heuschnupfen durch die oben genannten Medikamente nicht eindämmen. Hier ist zu überlegen, den Organismus mit einer SIT (spezifischen Immuntherapie) an das Allergen zu gewöhnen, um dadurch die allergische Reaktion einzudämmen. Diese Therapie dauert etwa 3 Jahre und ist bei Allergien gegen Gräser- und Baumpollen recht erfolgreich. Dabei werden in regelmäßigen Abständen die entsprechende Allergenextrakte entweder mit einer Spritze unter die Haut (Subcutane Immuntherapie, SCIT) oder als Tablette bzw. Lösung unter die Zunge gegeben (Sublinguale Immuntherapie, SLIT). </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Wenn Sie sich für eine SLIT oder SCIT entschieden haben, bleiben Sie dran. Je länger die Immuntherapie durchgeführt wird, desto größer ist der Therapieerfolg. Selbst wenn die Beschwerden nicht komplett verschwinden, wird durch die Immuntherapie einem Etagenwechsel vorgebeugt. </p><p class="bodytext"><strong>Was noch alles hilft </strong></p><p class="bodytext">Zur Linderung von Heuschnupfen-Beschwerden gibt es eine ganze Reihe nicht-medikamentöser Maßnahmen. Die wichtigste davon ist die Allergen-Karenz, d.h. das Meiden der Pollenallergene. Hilfreich sind dabei folgende Tipps:</p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Feucht wischen.</strong> Während der Pollensaison ist es hilfreich, Boden und andere Oberflächen im Haus feucht zu wischen, um die Pollen zu entfernen. Staubsaugen ist kontraproduktiv, da Luft und Pollen aufgewirbelt werden.</li><li><strong>Nase spülen.</strong> Aus der Nase lassen sich Pollen mit einer Nasenspülung vertreiben. Am besten nimmt man dazu Salzlösungen, die erforderlichen Nasendusche oder Nasenkanne gibt´s in der Apotheke.</li><li><strong>Zu Hause umziehen.</strong> Wer aus dem Freien kommt, kann die Pollenbelastung reduzieren, indem er seine Kleidung wechselt. Brillenträger sollten die Brillengläser reinigen, denn auch hier sammeln sich gerne Pollen an.</li><li><strong>Urlaub planen. </strong>Wer weiß, wann die für ihn gefährlichen Pollen zu Hause unterwegs sind, kann Urlaub in pollenärmeren Regionen planen. Auf der Seite https://www.zaum-online.de/pollen/pollen-monitoring-map-of-the-world.html findet sich eine Karte mit Informationen zur weltweiten Verteilung von Pollen.</li><li><strong>Richtig lüften.</strong> Fenster kurz und stoßweise öffnen, nicht gekippt lassen. Wer auf Gräserpollen allergisch ist, sollte eher morgens die Fenster öffnen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land ist deren Konzentration in der Luft morgens am niedrigsten. Anders herum ist es beim Beifuß: Seine Pollen schwirren vor allem morgens in der Luft, weshalb Beifuß-Allergiker morgens die Fenster geschlossen halten und abends lüften sollten. Nach einem starken Regenguss gilt für alle: Fenster öffnen und die saubere Luft einziehen lassen.</li><li><strong>Sauber schlafen.</strong> Haarwaschen und Duschen vor dem Schlafengehen entfernt Pollen von Haut und Haaren. Getragene Kleidung nicht mit ins Schlafzimmer nehmen, Bettwäsche häufig wechseln.</li><li><strong>Pollenarm Autofahren. </strong>Pollenfilter in der Lüftung reduzieren die Pollen im Inneren des Autos, außerdem sollten während der Fahrt die Fenster geschlossen bleiben.</li><li><strong>Drinnen sporteln. </strong>Pollenallergiker können in der für sie belastenden Zeit auf Hallenaktivitäten umsteigen: Schwimmen im Hallenbad, Klettern in der Kletterhalle oder Tennis drinnen macht auch Spaß.</li><li><strong>Staubmasken &amp; Co. </strong>Manche Pollenallergiker empfinden auch das Tragen von Staubmasken, Brillen mit dicht schließenden Gläsern oder speziellen, in der Nase getragenen Filtern als entlastend. </li></ul></p><p class="bodytext"><strong>Tipp: </strong>Wer ein Smartphone hat, kann sich hilfreiche Apps mit Pollenflugvorhersagen herunterladen. Entsprechende Angebote finden Sie in den App-Stores, Beispiele sind Husteblume oder der Pollenfluggefahrenindex vom Deutschen Wetterdienst. </p><p class="bodytext">Quellen: DAZ online, www.allergieinformationsdienst.de</p><p class="bodytext"></p><p class="bodytext"></p>

<p class="bodytext">Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Natur zum Leben erwecken, geht für Viele ein bekanntes Leiden wieder los: Eine laufende Nase und juckende rote Augen nehmen den Betroffenen einen großen Teil der Vorfreude auf den Frühling. Was Sie selbst tun können und welche Hilfe Sie in der Apotheke erhalten.</p><p class="bodytext"><strong>Beugen Sie vor!</strong></p><p class="bodytext">Wer seit mehreren Jahren unter Heuschnupfen oder allergischer Rhinitis leidet, weiß in der Regel, zu welchem Zeitpunkt es mit den Beschwerden losgeht. Egal, ob Sie auf blühende Haselnussbüsche, Birken oder Gräser allergisch reagieren – ganz werden Sie dem Allergen nicht aus dem Weg gehen können. Pollenflug endet leider nicht an der Gartengrenze. Aber regelmäßige Nasenduschen und das Säubern von Kleidung und Haaren helfen Ihnen, den Beschwerden ein wenig zu entkommen. Angenehm für die Nase ist dabei die Spülung mit einer ausgewogenen Salzlösung, so vermeiden Sie unangenehmes Brennen und Schäden an der Schleimhaut.</p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei akuter Pollenallergie empfiehlt es sich, jeden Abend die Nasendusche zu benutzen. Auch sollten Sie Ihre Haare am besten abends waschen und getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer lagern.</p><p class="bodytext"><strong>Effektiv und lokal</strong></p><p class="bodytext">Heuschnupfengeplagte, die hauptsächlich unter einer laufenden oder verstopften Nase leiden, lindern ihre Beschwerden am effektivsten durch Kortikoid-haltige Nasensprays. Es sind drei Wirkstoffe zur Selbstmedikation in der Apotheke erhältlich: Beclometason, Fluticason und Mometason. Bei den beiden letztgenannten Substanzen muss ein Arzt bei Ihnen die Erstdiagnose allergische Rhinitis stellen, bevor Sie die Medikation mit den frei verkäuflichen Mitteln beginnen dürfen. Die volle Wirkung ist zwar erst nach einigen Tagen zu erwarten, aber bereits nach zwölf Stunden spüren die Meisten eine deutliche Besserung.</p><p class="bodytext">Sie können das Kortikoid-Nasenspray über die gesamte Pollensaison anwenden, sollten aber darauf achten, dass Sie nur noch die niedrigste wirksame Dosis verwenden, wenn die Beschwerden nachlassen.</p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Putzen Sie sich die Nase vor der Anwendung von Nasensprays. So gelangt der Wirkstoff schneller dorthin, wo er hinsoll: in die Nasenschleimhaut.</p><p class="bodytext"><strong>Rasch wirksam und gut in Kombination</strong></p><p class="bodytext">Sind Ihre Beschwerden noch nicht so ausgeprägt oder möchten Sie Kortikoide vermeiden, stehen Ihnen in der Apotheke verschiedene topische Antihistaminika für die lokale Behandlung zur Verfügung: Azelastin, Levocabastin und Ketotifen. Diese Medikamente hemmen die Wirkung des Botenstoffes Histamin, das für die Beschwerden bei Allergien verantwortlich ist. Sie sind als Augentropfen und einige als Nasenspray erhältlich. In Kombination mit einem Kortikoid-haltigem Nasenspray können Sie auf diese Weise die Zeit überbrücken, bis es seine volle Wirkung entfaltet hat.</p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Die topischen Antihistaminika sind auch bei Kindern zugelassen, allerdings ab unterschiedlichen Altersstufen. Erkundigen Sie sich bei Bedarf bei Ihrem Apotheker.</p><p class="bodytext"><strong>Hilfe für den ganzen Körper</strong></p><p class="bodytext">Sind bei Ihnen Augen und Nase gleichermaßen von den allergischen Beschwerden betroffen, ist die Einnahme von Tabletten, Saft oder Tropfen sinnvoll. Die enthaltenen Wirkstoffe Loratadin oder Cetirizin wirken auf den gesamten Körper. Ihr Einsatz hat sich auch bei Kontaktlinsenträgern bewährt, die nach der Anwendung von Augentropfen eine viertel Stunde warten müssen, bevor sie die Linsen wiedereinsetzen sollten. Die neuen Wirkstoffe sind in ihrer Wirkung vergleichbar und besitzen kaum noch einen müde machenden Effekt.</p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wenn Sie Ihre Tagesdosis am Abend einnehmen, können Sie eventuell auftretende Müdigkeit einfach „verschlafen“.</p><p class="bodytext">Quelle: Julia Borsch: Was bei Heuschnupfen hilft, <a href="https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/05/30/was-bei-heuschnupfen-hilft" target="_blank">www.deutsche-apotheker-zeitung</a> vom 31.05.2017.</p><p class="bodytext">Weiterführende Informationen zur <a href="http://www.pollenflug.de/" target="_blank">aktuellen Pollenbelastung und dem Pollenflug</a> in der Jahresübersicht.</p><p class="bodytext"></p><p class="bodytext"></p>

<p class="bodytext">Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Natur zum Leben erwecken, geht für Viele ein bekanntes Leiden wieder los: Eine laufende Nase und juckende rote Augen nehmen den Betroffenen einen großen Teil der Vorfreude auf den Frühling. Was Sie selbst tun können und welche Hilfe Sie in der Apotheke erhalten.</p><p class="bodytext"><strong>Beugen Sie vor!</strong></p><p class="bodytext">Wer seit mehreren Jahren unter Heuschnupfen oder allergischer Rhinitis leidet, weiß in der Regel, zu welchem Zeitpunkt es mit den Beschwerden losgeht. Egal, ob Sie auf blühende Haselnussbüsche, Birken oder Gräser allergisch reagieren – ganz werden Sie dem Allergen nicht aus dem Weg gehen können. Pollenflug endet leider nicht an der Gartengrenze. Aber regelmäßige Nasenduschen und das Säubern von Kleidung und Haaren helfen Ihnen, den Beschwerden ein wenig zu entkommen. Angenehm für die Nase ist dabei die Spülung mit einer ausgewogenen Salzlösung, so vermeiden Sie unangenehmes Brennen und Schäden an der Schleimhaut.</p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Bei akuter Pollenallergie empfiehlt es sich, jeden Abend die Nasendusche zu benutzen. Auch sollten Sie Ihre Haare am besten abends waschen und getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer lagern.</p><p class="bodytext"><strong>Effektiv und lokal</strong></p><p class="bodytext">Heuschnupfengeplagte, die hauptsächlich unter einer laufenden oder verstopften Nase leiden, lindern ihre Beschwerden am effektivsten durch Kortikoid-haltige Nasensprays. Es sind drei Wirkstoffe zur Selbstmedikation in der Apotheke erhältlich: Beclometason, Fluticason und Mometason. Bei den beiden letztgenannten Substanzen muss ein Arzt bei Ihnen die Erstdiagnose allergische Rhinitis stellen, bevor Sie die Medikation mit den frei verkäuflichen Mitteln beginnen dürfen. Die volle Wirkung ist zwar erst nach einigen Tagen zu erwarten, aber bereits nach zwölf Stunden spüren die Meisten eine deutliche Besserung.</p><p class="bodytext">Sie können das Kortikoid-Nasenspray über die gesamte Pollensaison anwenden, sollten aber darauf achten, dass Sie nur noch die niedrigste wirksame Dosis verwenden, wenn die Beschwerden nachlassen.</p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Putzen Sie sich die Nase vor der Anwendung von Nasensprays. So gelangt der Wirkstoff schneller dorthin, wo er hinsoll: in die Nasenschleimhaut.</p><p class="bodytext"><strong>Rasch wirksam und gut in Kombination</strong></p><p class="bodytext">Sind Ihre Beschwerden noch nicht so ausgeprägt oder möchten Sie Kortikoide vermeiden, stehen Ihnen in der Apotheke verschiedene topische Antihistaminika für die lokale Behandlung zur Verfügung: Azelastin, Levocabastin und Ketotifen. Diese Medikamente hemmen die Wirkung des Botenstoffes Histamin, das für die Beschwerden bei Allergien verantwortlich ist. Sie sind als Augentropfen und einige als Nasenspray erhältlich. In Kombination mit einem Kortikoid-haltigem Nasenspray können Sie auf diese Weise die Zeit überbrücken, bis es seine volle Wirkung entfaltet hat.</p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Die topischen Antihistaminika sind auch bei Kindern zugelassen, allerdings ab unterschiedlichen Altersstufen. Erkundigen Sie sich bei Bedarf bei Ihrem Apotheker.</p><p class="bodytext"><strong>Hilfe für den ganzen Körper</strong></p><p class="bodytext">Sind bei Ihnen Augen und Nase gleichermaßen von den allergischen Beschwerden betroffen, ist die Einnahme von Tabletten, Saft oder Tropfen sinnvoll. Die enthaltenen Wirkstoffe Loratadin oder Cetirizin wirken auf den gesamten Körper. Ihr Einsatz hat sich auch bei Kontaktlinsenträgern bewährt, die nach der Anwendung von Augentropfen eine viertel Stunde warten müssen, bevor sie die Linsen wiedereinsetzen sollten. Die neuen Wirkstoffe sind in ihrer Wirkung vergleichbar und besitzen kaum noch einen müde machenden Effekt.</p><p class="bodytext"><strong>Tipp:</strong> Wenn Sie Ihre Tagesdosis am Abend einnehmen, können Sie eventuell auftretende Müdigkeit einfach „verschlafen“.</p><p class="bodytext">Quelle: Julia Borsch: Was bei Heuschnupfen hilft, <a href="https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/05/30/was-bei-heuschnupfen-hilft" target="_blank">www.deutsche-apotheker-zeitung</a> vom 31.05.2017.</p><p class="bodytext">Weiterführende Informationen zur <a href="http://www.pollenflug.de/" target="_blank">aktuellen Pollenbelastung und dem Pollenflug</a> in der Jahresübersicht.</p><p class="bodytext"></p><p class="bodytext"></p>